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19.01.2021 | Verwaltungsmanagement | Im Fokus | Onlineartikel

Lernen in Zeiten von Corona

Autor:
Anja Schüür-Langkau
3:30 Min. Lesedauer

Schülerinnen und Schüler leiden in Zeiten von Homeschooling und Hybridunterricht unter Motivationsproblemen, so eine aktuelle Studie. Der Knackpunkt liegt aber auch an fehlenden digitalen Konzepten. 

Corona stellt die Schulen vor immense Herausforderungen. Schulschließungen, Wechsel- und Distanzunterricht: Über den richtigen Weg, wie Schulen ihren Bildungsauftrag in diesen Zeiten aufrechterhalten können, wird heftig diskutiert. Zudem legt die Pandemie die Defizite des Bildungssystems schonungslos offen. Denn von einem funktionierenden digitalen Unterricht können viele Schulen nur träumen. Es fehlt an digitaler Infrastruktur, technischer Ausstattung, digitalen Lehr- und Lernkonzepten sowie entsprechend fortgebildeten Lehrerinnen und Lehrern.

Zwischen Präsenz und E-Mail

In den meisten deutschen Klassenzimmern herrschte 2020 eine permanente Ausnahmesituation. Abgesehen von den Lockdown-Phasen im Frühjahr und am Jahresende, in denen alle zuhause lernen mussten, wurden die meisten Schülerinnen und Schüler über den Sommer 2020 hybrid unterrichtet (69 Prozent). Nur zwölf Prozent der Schülerinnen und Schüler erhielten regelmäßig Präsenzunterricht. Während des Distanzunterrichts erhielten 57 Prozent der Schülerinnen und Schüler das Unterrichtsmaterial per E-Mail. Immerhin 55 Prozent nutzten eine Schulcloud oder eigene Online-Plattformen der Schule.

Diese Ergebnisse ermittelte der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest in der "JIM-Studie 2020" (Jugend, Information und Medien). Die Studienreihe untersucht seit 1998 jährlich das Mediennutzungsverhalten der Zwölf- bis 19-Jährigen. Als Ergänzungsstudie wurde schon Anfang April die Untersuchung "JIMplus Corona" im Rahmen einer Online-Untersuchung durchgeführt. Neben dieser Sonderuntersuchung befasst sich nun auch die reguläre JIM-Studie 2020 mit dem Medieneinsatz in der Schule beziehungsweise für die Schule unter den Voraussetzungen der Pandemie. Dafür wurden 1.200 Jugendliche zwischen zwölf und 19 Jahren in ganz Deutschland von Juni bis Juli 2020 telefonisch oder online befragt.

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Viele Jugendliche haben Motivationsprobleme  

Für die Jugendlichen selbst, sind jedoch die äußeren Bedingungen wie technische Probleme beispielsweise eine schlechte Internetanbindung (16 Prozent) oder das Fehlen einer entsprechenden IT-Ausstattung (sechs Prozent) nur von untergeordneter Bedeutung für den eigenen Lernerfolg. Denn fast jeder Jugendliche gibt an, dass er Problem mit dem selbstorganisierten Lernen hat und sich schlecht für das Lernen außerhalb der schulischen Normalität motivieren kann. Für 36 Prozent ist es zudem schwer, die Übersicht über die verschiedenen Lernplattformen zu behalten.

Überraschend: Bei der Bewertung nach Schulnoten für den digitalen Unterricht in der Corona-Krise geben die meisten Befragten eine Bewertung zwischen "gut" und "befriedigend".

Alltagsbegleiter Smartphone  

Jugendliche wachsen heutzutage in Haushalten mit vielen Mediengeräten auf. Smartphones, ein WLAN-Anschluss sowie Computer oder Laptops sind in nahezu allen Haushalten vorhanden. Ein Drucker ist bei 92 Prozent der Familien vorhanden. 94 Prozent der Jugendlichen haben ein eigenes Smartphone. Auch Computer/Laptops sind mit 72 Prozent bei fast drei Viertel der Jugendlichen im Besitz. Das Smartphone ist mit 93 Prozent der tägliche Begleiter der Zwölf- bis 19-Jährigen. 89 Prozent nutzen täglich das Internet, dicht gefolgt vom Musikhören (80 Prozent) sowie dem Konsum von Videos im Internet (60 Prozent) und dem klassischen Fernsehen (45 Prozent). Die Hälfte der Jugendlichen hat einen eigenen Fernseher im Zimmer.

Nachholbedarf bei digitaler Bildung

Doch trotz der täglichen Nutzung von Smartphone und Co. haben deutsche Schülerinnen und Schüler bei der digitalen Bildung Nachholbedarf. Die Relevanz der digitalen Bildung bringt Springer-Autor Ronny Alexander Fürst in seinen zehn Thesen zur Zukunft der digitalen Bildung (Seite 339) auf den Punkt. Demnach bedeutet digitale Bildung unter anderem:

  • Von der physischen Lernpräsenz zur virtuellen und asynchronen Interaktion und Autonomie
  • Von starren Studienangeboten zur flexiblen und individuellen Lernnachfrageunterstützung
  • Vom vorgegebenen Bildungsfahrplan zu individualisierten Lernpfad und Lerntempo
  • Von gleichgeschalteten Lernprozessen zu Potenzialausschöpfung von Lernfreiräumen
  • Vom lokalen Hausherr der Lehranstalt zum ortsunabhängigen mobilen Lernreisebegleiter

Um das Thema bundesweit schneller voranzubringen, schlägt Peter Liggesmeyer  in seinem Beitrag "Digitale Lehrkonzepte flächendeckend etablieren" in der "innovativen Verwaltung" eine "länderübergreifende Bildungs-Cloud gemäß dem Baukasten-Prinzip" vor (Seite 23). "Jede Lehrerin und jeder Hochschulprofessor könnte dabei je nach Unterrichtsfach und Lehrinhalt genau das Konzept aussuchen, das sie gerade benötigen. Die Lehrinhalte selbst müssten dafür nur einmal erstellt werden – und nicht für jedes Bundesland und für jede Bildungseinrichtung einzeln", so der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering IESE in Kaiserslautern.

Alle tagesaktuellen Beiträge rund um die Corona-Krise finden Sie hier.

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