Zum Inhalt

Wie Bürger das Corona-Krisenmanagement bewerten

Aktivieren Sie unsere intelligente Suche, um passende Fachinhalte oder Patente zu finden.

search-config
loading …
print
DRUCKEN
insite
SUCHEN

Der deutsche Föderalismus gilt im Prinzip als hinderlich, um effektiv in der Corona-Krise zu agieren. Andererseits bietet er aus Sicht der Bürger auch Vorteile, so eine aktuelle Studie.

Der Föderalismus hilft bei der Bewältigung der Corona-Krise nicht, meinen die meisten Deutschen laut einer aktuellen Studie. 


In Bayern, Baden-Württemberg und NRW gibt es die meisten Corona-Fälle, in Brandenburg, Hamburg und Sachsen am wenigsten. Somit stellt sich die Frage: Sollte Deutschland in der Krisenbewältigung zentral agieren? Oder sollten die einzelnen Bundesländer situationsangepasst jeweils eigene Maßnahmen treffen?

Antworten gibt eine repräsentative Studie "Die öffentliche Wahrnehmung des Krisenmanagements in der Covid-19 Pandemie" der Universität Konstanz zur öffentlichen Wahrnehmung des Corona-Krisenmanagements. Von Ende März bis Anfang April wurden gut 3.000 Bürgerinnen und Bürger bundesweit nach ihrer Einschätzung befragt; der Altersdurchschnitt betrug 50 Jahre. Danach gilt der Föderalismus aus Sicht der Bürger im Prinzip als hinderlich für effektives Krisenmanagement; andererseits wird implizit das individuelle Vorgehen der Bundesländer wertgeschätzt. "Dieses situationsangepasste Handeln scheint von der Bevölkerung honoriert zu werden", so Studienleiter Prof. Dr. Steffen Eckhard am Lehrstuhl für öffentliche Verwaltung und Organisationstheorie der Uni Konstanz.

Wirrwarr befürchtet

Zu Beginn der Corona-Krise wurde befürchtet, dass der Verwaltungsföderalismus zu einem Kompetenz-Wirrwarr und zu großen Disparitäten führen würde. Vertrauen und Akzeptanz standen danach auf dem Spiel. Die Ergebnisse der Studie spiegeln laut Eckhard diese kritische Haltung wider: Nur rund ein Viertel der Befragten beurteilt das föderale System als hilfreich in der Corona-Bewältigung; 40 Prozent bewerten den Föderalismus hingegen als klar kontraproduktiv.

Auf den zweiten Blick ergibt sich aber ein differenzierteres Bild: Die Studie zeigt, dass die Corona-Verordnungen in Bundesländern mit niedriger Infektionszahl kritischer bewertet werden als in stärker betroffenen Ländern. Hier ließe sich der Föderalismus für regionale Maßnahmen nutzen, so die Studie.

Meinungswandel sichtbar

Weiter zeigen die Analysen, dass sich die Akzeptanz der Maßnahmen im Verlauf der Krise wandelte: Während zu Beginn der Krise die Maßnahmen zwar eine hohe Akzeptanz erfuhren, waren die Bürgerinnen und Bürger zeitgleich wesentlich skeptischer gegenüber dem zukünftigen Krisenmanagement. Insbesondere Personen, die ihre wirtschaftliche Existenz bedroht sahen, fühlten sich ungleich behandelt. 

Werden die Befragten jedoch direkt auf ein potenzielles Dilemma zwischen Gesundheitsschutz und dem Schutz der Wirtschaft angesprochen, so ist das Votum in der deutschen Bevölkerung eindeutig. Selbst in der Gruppe der wirtschaftlich am stärksten bedrohten Personen sprechen sich noch rund 62 Prozent für die Priorisierung der Gesundheit aus.

print
DRUCKEN

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Neue Strukturen im Katastrophen- und Bevölkerungsschutz

Im vorliegenden Beitrag werden – aufbauend auf den Erfahrungen und Erkenntnissen des Autors aus verschiedenen Einsätzen in Bayern – neue Konzepte vorgestellt, die eine strukturierte Zusammenarbeit diverser Einsatzorganisationen im Sinne einer erfolgreichen Einsatzdurchführung ermöglichen.

Schleichender Abschied vom Föderalismus?

Nach schwierigen Verhandlungen ist es in den letzten Wochen der 18. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages zu einer Reform der Bund-Länder-Finanzbeziehungen gekommen, die infolge des bevorstehenden zeitlichen Auslaufens der einschlägigen …

Bildnachweise
Föderalismus_Deutschland/© vegefox.com / stock.adobe.com