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28.01.2019 | Verwaltungsmanagement | Nachricht | Onlineartikel

Deutsche Lebensverhältnisse driften auseinander

Autor:
Alexander Ebert

Die Mehrzahl der deutschen Großstädte konnte ihren Schuldenberg in jüngster Zeit leicht abbauen. Die Gesamtsumme sank um 1,7 Prozent. Doch vielen Kommunen geht es schlechter, so eine aktuelle Studie.


Licht und Schatten zeigt die Deutschlandkarte: 43 Großstädten gelang es 2017, insgesamt 1,7 Prozent ihres Schuldenberg abzutragen. Allen voran Städte in Bayern und Ostdeutschland: Von den acht bayerischen Großstädten konnten sieben ihre Schulden in Summe um 13,4 Prozent reduzieren. Acht der zehn ostdeutschen Großstädte konnten ihre roten Zahlen ebenfalls verkleinern – dort um insgesamt 2,0 Prozent.

NRW erreichte Schuldenhöchststand

Allerdings meldeten Städte in Niedersachsen (um 8,2 Prozent), Hessen (0,8 Prozent) und NRW (0,2 Prozent) mehr Schulden. In NRW erreichte die Gesamtverschuldung der Großstädte einen neuen Höchststand. Insgesamt wies fast jede zweite Großstadt in den alten Bundesländern (47 Prozent) Ende 2017 eine höhere Gesamtverschuldung auf als ein Jahr zuvor.

Das zeigt die Studie "Verschuldung der deutschen Großstädte 2012 bis 2017" der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) aus Dezember 2018. EY analysierte die Verschuldung aller deutschen Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern (ohne Stadtstaaten). Dafür wurden unter anderem die Daten der Statistischen Landesämter sowie des Zensus zugrunde gelegt.

Kluft zwischen Arm und Reich wächst

2017 konnten reichere Städte ihre Schulden nochmals reduzieren und wichtige Zukunftsinvestitionen tätigen. Andernorts verharrte die Verschuldung auf dem hohen Niveau des Vorjahres.  "Die insgesamt leicht positive Entwicklung bei der kommunalen Verschuldung darf nicht darüber hinweg täuschen, dass viele Städte gerade im Westen Deutschlands finanziell mit dem Rücken zur Wand stehen", so Prof. Dr. Bernhard Lorentz, Partner bei EY.

Diese Entwicklung spalte die Lebensverhältnisse in Deutschland immer weiter, so Lorentz: Der Süden könne seine Infrastruktur modernisieren und in die  Bildung investieren. Das Sparen der hoch verschuldeten Kommunen führe allerdings dazu, dass die Lebensqualität dort weiter sinke und die Lebensverhältnisse zwischen reichen und armen Städten immer weiter auseinander gehen, "was erheblichen gesellschaftlichen Sprengstoff birgt."

Riesige regionale Unterschiede

Wie groß die regionalen Unterschiede sind, zeigt der Vergleich der Pro-Kopf-Verschuldung. Diese liegt bei den NRW-Städten bei fast 5.100 Euro und in Rheinland-Pfalz sogar bei mehr als 6.800 Euro. In Niedersachsen (2.563 Euro), Baden-Württemberg (2.869 Euro) und Bayern (3.089 Euro) ist sie nicht einmal halb so hoch.

Kommunalfinanzierung reformieren

Lorentz rät dazu, die Kommunalfinanzierung neu zu ordnen: Arme Städte bräuchten eine Reform, "die einerseits haushaltspolitische Disziplin belohnt, andererseits aber auch Entwicklungschancen und Perspektiven bietet."

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