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02.09.2022 | Verwaltungsmanagement | Nachgefragt | Online-Artikel | In Kooperation mit: Bund Deutscher Unternehmensberater e.V.

Droht der demografische Verwaltungskollaps?

verfasst von: Dr. Christian Höfeler, Thomas Geisel

2 Min. Lesedauer
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Der demografische Wandel wird den Arbeitsmarkt in Deutschland in den kommenden Jahren regelrecht auf den Kopf stellen: Vor allem im Zeitraum zwischen 2025 und 2030 werden die sogenannten Babyboomer in den Ruhestand gehen.

Besonders dramatisch stellt sich diese Situation für den öffentlichen Dienst dar, denn die Babyboomer-Generation ist hier im Vergleich zu anderen Branchen ganz besonders stark vertreten. Nicht wenige Kommunalverwaltungen werden in den kommenden zehn Jahren annähernd die Hälfte ihrer Beschäftigten verlieren. Sie vollständig zu ersetzen, dürfte schlechterdings unmöglich sein. Denn der schon heute vielfach beklagte Fachkräftemangel wird sich in den kommenden Jahren vor dem Hintergrund der demographischen Veränderungen noch deutlich verschärfen. 

Aufgaben mit weniger Personal erfüllen 

Die wohl größte Fragestellung, mit der sich die öffentliche Verwaltung in den kommenden Jahren auseinandersetzen muss, ist damit klar umrissen: Wie kann sich der öffentliche Dienst, insbesondere in den Kommunalverwaltungen, neu aufstellen, um mit weniger Personal in der Lage zu sein, seine Aufgaben zu erfüllen? Im Kern geht es dabei um eine Verwaltungsstrukturreform mit drei Themenkomplexen: 

  1. Welche Kernaufgaben müssen Kommunalverwaltungen heute erfüllen? 
  2. Wie können diese Aufgaben so effizient wie möglich erbracht werden? 
  3. Wie kann die Produktivität der öffentlichen Verwaltung insgesamt gesteigert werden? 

Das größte Steigerungspotenzial im Hinblick auf die Produktivität der einzelnen Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter dürfte der digitale Wandel aufweisen. Digitalisierung, Standardisierung und Automatisierung von heute noch größtenteils analogen Prozessen bergen ein signifikantes Optimierungspotenzial in dem Sinne, dass je Verwaltungsmitarbeiter wesentlich mehr Vorgänge bearbeitet werden können, als dies gegenwärtig der Fall ist. 

Es scheint also grundsätzlich möglich, auch mit wesentlich weniger Personal als heute die Leistungsfähigkeit der Verwaltung zu erhalten. Ein solches Verwaltungsstrukturreformprojekt ist naturgemäß komplex und bedarf einer aktiven Steuerung. Letztlich geht es ja darum, jedes Amt und jede kommunale Einrichtung einer Aufgaben-, Prozess und Produktivitätskritik zu unterziehen, um das Optimierungspotenzial zu heben. Dies ist zeitaufwändig und nicht selten auch konfliktbehaftet. Deshalb gilt es, das Ziel an sich nicht aus den Augen zu verlieren und die einzelnen Schritte auf dem Weg dorthin angemessen zu priorisieren Je früher aufseiten der Entscheider gehandelt wird, desto mehr Handlungsmöglichkeiten bestehen bei der Umsetzung der Reform. 

Ein Verwaltungskollaps droht demnach vor allem jenen Kommunen, die passiv bleiben und die Entwicklung auf sich zurollen lassen. Erfolgreich werden vor allem jene Kommunen sein, die innerhalb kurzer Fristen gegensteuern und frühzeitig geeignete Maßnahmen ergreifen.

Dieser Beitrag ist erschienen in der innovativen Verwaltung 9/2022.

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