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08.03.2021 | Verwaltungsmanagement | Interview | Onlineartikel

Innenstädte im Spannungsfeld von Strukturwandel und Corona

Autor:
Anja Schüür-Langkau
3 Min. Lesedauer
Interviewt wurde:
Michael Kolmer

ist seit 2005 Leiter des Amts für Wirtschaft und Stadtentwicklung der Wissenschaftsstadt Darmstadt.

Durch den Strukturwandel und die Corona-Pandemie werden zukunftsfähige Konzepte für kommunale Zentren immer wichtiger. Michael Kolmer, Leiter des Amts für Wirtschaft und Stadtentwicklung, spricht über die Konzepte in Darmstadt.  

Herr Kollmer, immer mehr Bürgerinnen und Bürger kaufen Online statt in den Geschäften vor Ort. Die Corona-Pandemie verstärkt diesen Strukturwandel. Wie schätzen Sie die Situation insgesamt ein? 

Michael Kolmer: Die Auswirkungen des Onlineshoppings auf den stationären Handel sind seit Jahren zu beobachten. Es stimmt, dass Corona als Katalysator wirkt. Städte und Kommunen müssen hier gegensteuern, damit Innenstädte attraktiv bleiben, der Handel ist dabei ein zentraler Baustein. Die funktionale Palette wird sich jedoch weiter auffächern müssen. Vielfalt und neue nicht-kommerzielle Orte sind die Maßgabe für die Zukunft.

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Welche Bausteine zählen noch dazu?

Zum Beispiel Gastronomie, kulturelle und städtische Einrichtungen, gerade in Universitätsstädten, aber auch wissenschaftliche Institutionen. Anders als beispielsweise in den USA, wo das Downtown-Quartier heute oft ein verödetes Bürozentrum ist, sind die Zentren der europäischen Städte die Seele und das Herz einer Stadt. 

Welche Priorität räumen Sie in Darmstadt der Innenstadtentwicklung ein? 

Für unseren Oberbürgermeister Jochen Partsch ist die Innenstadtentwicklung das zentrale Thema der nächsten Jahre und er treibt die Diskussion im Rahmen seiner Tätigkeit im Präsidium des Deutschen Städtetages schon seit Längerem voran.  Wir haben uns daher auch schon weit vor der Corona-Pandemie mit dem Thema beschäftigt und sind für diese Fragestellung hoch sensibel.  

Welche Maßnahmen haben Sie in Darmstadt schon auf den Weg gebracht? 

Die Darmstädter Innenstadt hat sich bisher gegenüber dem Onlinehandel relativ robust gezeigt. Das liegt daran, dass sie räumlich immer kompakt geblieben ist und die Verkaufsfläche nicht ausgewuchert ist. Der Strukturwandel hat schon vor einigen Jahren begonnen. Eine Mischnutzung aus Handel, Gastronomie, auch Wohnen in den Obergeschossen sowie kulturellen und öffentlichen Einrichtungen begann sich vermehrt zu etablieren. Sowohl das Staatstheater als auch das Kulturzentrum Centralstation sind dabei feste Bestandteile der Innenstadt. Zudem hat die TU Darmstadt ihren Campus am Rand der Innenstadt gestärkt. Last, but not least haben sich in den vergangenen Jahren zwei Gastronomiepole in der Innenstadt gebildet. Davon hat auch der Handel profitiert. Die Innenstadt war also schon auf einem sehr guten Weg. Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Lockdowns haben die Entwicklung natürlich stark beeinträchtigt.

Es ist absehbar, dass nicht alle Einzelhändler die aktuelle Krise überleben werden. Wie reagiert die Stadt darauf?

Bisher hatten wir in Darmstadt mit unter drei Prozent eine sehr niedrige Leerstandsquote. Diese wird aber in 2021 sicher steigen. Wir haben schon in 2020 eine Taskforce gegründet, die Konzepte entwickelt, um Leerstände mit Kultur und temporären Nutzungen zu bespielen. Unter der Regie des Stadtmarketings haben wir zudem einen Zukunftsworkshop initiiert, in dem wir mit allen Stakeholdern die Situation und die Herausforderungen diskutiert haben. Darüber hinaus wurde der Beschluss gefasst, dass das Stadtplanungsamt, das Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung und das Citymarketing gemeinsam ein umfassendes Innenstadtkonzept entwickeln.

Worum geht es dabei konkret?

Es geht um funktionierende Strukturen, stadträumliche, stadtökologische und gestalterische Fragen, die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, aber insbesondere um mehr funktionelle Vielfalt. Die Themen Smart City und Digitalisierung spielen dabei eine natürlich eine wichtige Rolle. Der Magistrat hat beispielsweise schon entschieden, ein neues Bürgerzentrum am zentralsten Platz in der Stadt anzusiedeln. Zudem planen wir ein Stadtlabor, um die Bürgerinnen und Bürger an den Diskussionen zu beteiligen.

Was ist Ihre Vision einer smarten Stadt?

Eine smarte Stadt unterstützt soziale, ökonomische und ökologische Lösungen für die reale Stadt.  

Weitere Antworten zu den Themen Smart City, den Stand der Digitalisierung in Darmstadt, die Vorteile vernetzter Strukturen und der Relevanz von Kommunikation lesen Sie im Interview der innovativen Verwaltung 3/2021

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