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16.03.2021 | Verwaltungsmanagement | Im Fokus | Onlineartikel

Zwischen Wachstum und Schrumpfung

Autoren:
Alexander Ebert, Anja Schüür-Langkau
3 Min. Lesedauer

In vielen Regionen sind die Wohnungsmärkte angespannt, in anderen stagniert die Wohnungsnachfrage oder ist sogar rückläufig, zeigt eine aktuelle Studie für Deutschland. Wohnungsbau, Kräne_Baustelle © PANORAMO - Fotolia

Großstädte und deren Speckgürtel wachsen und es herrschen weiterhin Wohnungsengpässe, begleitet von steigenden Mieten und Baupreisen. Daran ändert auch die starke Neubautätigkeit kaum etwas. 

Einen gegenläufigen anderen Trend erleben kleinere, ländliche Kommunen in strukturschwachen Gegenden. Hier schrumpfen die Städte und Gemeinden. Viele Menschen zieht es in die größeren Städte oder in deren Umgebung.

Diese zentralen Ergebnisse liefert die Studie "Wohnungs- und Immobilienmärkte in Deutschland 2020" des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Der 200-seitige Bericht wurde im Februar 2021 vorgestellt und basiert auf einer Vielzahl von amtlichen und nicht-amtlichen Statistiken.

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2021 | OriginalPaper | Buchkapitel

Stadtentwicklung und Wohnungspolitik – vom Nutzen einer Einbettung und Weitung wohnungspolitischer Ziele

Im Beitrag wird untersucht, wie wohnungspolitische Ziele durch stadtentwicklungspolitische Anstrengungen ergänzt werden und welchen Beitrag sie zur Bewältigung wohnungspolitischer Herausforderungen leisten können. Basierend auf der Idee, dass sich …

Menschen ziehen in die Stadt

Großstädte wuchsen von 2010 bis 2019 um 1,7 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner (plus 7,5 Prozent). Mitunter siedeln sich die Menschen aber auch im Umland an, wie in den Räumen München, Frankfurt am Main und Dresden. Andere Großstädte wie Potsdam, Leipzig und Ingolstadt wuchsen durch vermehrte Zuzüge besonders aus dem Inland. Die Bevölkerungsverluste in strukturschwachen Räumen konnten verringert werden, dennoch gibt es Leerstände. Laut BBSR standen im Jahr 2018 etwa 1,7 Millionen Wohnungen leer. Das entspricht 4,2 Prozent des Wohnungsbestands.

Die positive Nachricht: Die Wohnungsbautätigkeit ist seit 2009 deutlich gestiegen. Das Niveau konnte auf gut rund 300.000 Einheiten (plus 84 Prozent) erhöht werden. Die Baugenehmigungen verdoppelten sich zwischen 2009 und 2019 sogar (knapp 361.000 Wohnungen). Der Trend dürfte weiter anhalten, so das BBSR.

Mehr Geschosswohnungen

Zur Dynamik bei den Neubauten trägt der Geschosswohnungsbau bei. Mit rund 153.000 Wohnungen wurden 2019 fast dreimal so viele Wohnungen in neu errichteten Mehrfamilienhäusern fertiggestellt wie 2009. Für 2020 zeichnen sich rund 161.000 Wohnungen in neuen Mehrfamilienhäusern (inkl. Wohnheime) ab.  Damit hat der Geschosswohnungsbau fast 60 Prozent Anteil an allen Neubauten.  

Die Mietpreisunterschiede in Deutschland sind groß. Je nach Region kostet ein Quadratmeter zwischen 4,69 Euro im Landkreis Lüchow-Dannenberg und 19,21 Euro in München. Der Bund fördert den Sozialen Wohnungsbau 2021 bis 2024 mit jährlich einer Milliarde Euro. Die Förderung sei mancherorts "unverzichtbar, um Haushalte mit niedrigem Einkommen und Marktzugangsschwierigkeiten angemessen zu versorgen", so das BBSR.

Wohnungspolitische Ansätze

Das Thema Wohnen steht seit Jahrzehnten mit unterschiedlicher Priorität auf der politischen Agenda. Wie wohnungspolitische Ziele durch stadtentwicklungspolitische Anstrengungen ergänzt werden und welchen Beitrag sie zur Bewältigung wohnungspolitischer Herausforderungen leisten können, zeigen die Springer-Autoren Uwe Altrock und Gerhard Kienast auf.

In ihrem Beitrag "Stadtentwicklung und Wohnungspolitik – vom Nutzen einer Einbettung und Weitung wohnungspolitischer Ziele" kommen sie zu dem Schluss, "dass erhebliche Verzögerungen und Handlungsblockaden der lokalen Wohnungspolitik der letzten Jahre durch frühzeitiges und strategisches Handeln möglicherweise auflösbar gewesen wären" (Seite 33.) Die Immobilienpreisexplosionen in Ballungsräumen wie Berlin würden zeigen, dass auf die sich abzeichnende Renaissance der Kernstädte teilweise nicht entschlossen genug reagiert wurde. 

Als Lösungsansatz wird ein Mix vorgeschlagen, der unter anderem folgende aus verschiedenen Bausteinen enthält (Seite 33):

  • wohnungspolitische Instrumente wie zum Beispiel Belegungsbindungen, moderate Herabsetzung von Standards und differenzierte Bestandspolitik
  • ressortübergreifende Integration der Wohnungsfrage 
  • Planung und Bau von sozialer und technische Infrastruktur
  • Dauerhafte Sicherung von wohnungspolitischen Sanierungszielen in Stadtumbau und Stadterneuerung
  • Bearbeitung raumstruktureller Fragen auf der Ebene der Stadtentwicklungsplanung (strategische Flächenmobilisierung,
  • Aktive Begleitung des Generationswechsel in Einfamilienhausgebieten, Attraktivierung schwieriger Lagen

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