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02.03.2021 | Verwaltungsmanagement | Nachricht | Onlineartikel

Ist Deutschland ein digitales Entwicklungsland?

Autor:
Alexander Ebert
2 Min. Lesedauer

Die Bevölkerung in Deutschland sind mit der Digitalisierung des Staates deutlich unzufriedener als Bürgerinnen und Bürger anderer Staaten. In letzter Zeit fielen hiesige Behördenangebote sogar noch weiter zurück, zeigt eine aktuelle Studie.

Indien, Saudi-Arabien und Dänemark führen die Top-Ten-Länder in Sachen Digitaler Staat an. Deutschland hingegen gehört zu den schlechtesten zehn bis 15 Prozent. 

Zu diesem Ergebnis kommt die Boston Consulting Group (BCG) in ihrem aktuellen "Digital Government Citizen Survey Deutschland 2021 - was jetzt zu tun ist". Der internationale Vergleich wird alle zwei Jahre durchgeführt. Er zeigt, wie stark die Bürgerinnen und Bürger in ihren jeweiligen Ländern mit den digitalen Verwaltungsdienstleistungen zufrieden sind. Für die aktuelle Erhebung wurden Ende vergangenen Jahres 24.500 Bürger aus 36 Ländern befragt, davon 2.000 Personen hierzulande. Sie wurden gebeten, 26 Dienste zu bewerten – von Bildung und Gesundheit über Melderegister bis zu Steuern und Justiz.

Größerer Rückstand zu den Besten

Die Diagnose fällt für das Industrieland Deutschland blamabel aus: "In den Top-10-Ländern ist es der Verwaltung gelungen, den privaten Sektor im Hinblick auf Bürgernutzen und -zufrieden­heit zu überholen. Für Deutsch­land gilt das allerdings nicht", heißt es in der Studie. Deutschland sei zurückgefallen, der Rückstand habe sich vergrößert, die Zufriedenheit abgenommen. Auch stagniere seit 2018 die Nachfrage nach digitales Services – im Ausland steige sie.

Den richtigen Weg einschlagen 

Die Studie warnt inzwischen vor einem generellen Verlust von "Vertrauen in den Staat und die Regierung insgesamt". Als Ursache für die aktuellen Resultate macht BCG aus, "dass viele große Digitalprojekte der öffentlichen Verwaltung in Deutschland nicht planmäßig gelingen", "ins Stocken geraten oder sogar ganz scheitern". Das gelte beispielsweise für die IT-Konsolidierung der Bundesverwaltung, das Projekt "Polizei 2020" oder die Registermodernisierung. Dabei bilden diese Großprojekte gleichsam das Rückgrat für die Digitalisierung und sind die Voraussetzung dafür, dass Bürger­services funktionieren. Wir sei Deutschland noch nicht auf dem richtigen Weg. Es werde jedoch höchste Zeit, ihn jetzt einzuschlagen.

Neue Digitalisierungsstrategie entwickeln

Digitalisierung müsse mehr denn je Chefsache werden. Zudem benötige das Land eine neue Strategie für die flächendeckende Einführung der 575 Dienstleistungen. Weiter spricht sich BCG für ein Digitalministerium auf Bundesebene und eine Bundesakademie für Digitalisierung aus, die das nötige Personal ausbildet. Dänemark schon vor etwa habe vor zehn Jahren damit begonnen und profitiere  längst davon: Rund 70 Prozent aller Behördengänge ließen sich dort online abwickeln – mehr als in jedem anderen Industrieland.

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