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07.06.2018 | Verwaltungsmanagement | Nachricht | Onlineartikel

Kostenloser Nahverkehr hilft der Umwelt nicht

Autor:
Alexander Ebert

Würden in Berlin, Frankfurt oder München Busse und Bahnen kostenfrei fahren, hätte die Umwelt nichts davon. Zu diesem Ergebnis kommt eine Simulation der Technischen Universität Dortmund. 

Mitte April hatte sich Bundesumweltministerin Svenja Schulze erneut für "zumindest phasenweise kostenlosen ÖPNV" ausgesprochen. Diese Empfehlung gen EU-Kommission zur Verbesserung der stickstoffbelasteten Luft beleuchtete eine Forschungsgruppe aus dem Bereich Techniksoziologie der TU Dortmund. Und siehe da: Die erwarteten positiven Effekte auf die Umwelt bleiben aus. Andere Steuerungsinstrumente wären wirkungsvoller, wenn die Verkehrspolitik für bessere Luft in den Ballungsräumen sorgen will.

Simulator ermöglicht Zukunftsszenarien

Zu diesen beiden zentralen Aussagen kommt die Studie "Optionen der politischen Regulierung des Personenverkehrs", die im März 2018 veröffentlicht wurde. Soziologen der Forschungsgruppe hatten unter der Leitung von Johannes Weyer, Professor für Techniksoziologie an der Fakultät Wirtschaftswissenschaften, Experimente mit dem Simulator SimCo durchgeführt. Dieser ermöglicht auch, Zukunftsszenarien durchzuspielen.

Kostenlose Busse und Bahnen wäre Geldverschwendung

Die Studie hinterfragte die Wirksamkeit eines kostenlosen öffentlichen Nahverkehrsystems im Hinblick auf gesellschaftlichen Nutzen, Emissionen und Straßenauslastung einer deutschen Großstadt. Überraschenderweise ließen sich jedoch die erhofften positiven Effekte für die Umwelt nicht erreichen: Die Luft wurde nicht besser, überhaupt erwies sich ein kostenloser Nahverkehr als nahezu wirkungslos. Kurz: Er wäre Geldverschwendung.

Höhere Autokosten und mehr Fahrradkomfort wirksamer

Um den Klimawandel abzumildern, so die Studie, wäre eine "weitergehende politische Steuerung von Nöten". So könnten die Spritpreise erhöht, mehr Tempo-30-Zonen eingeführt und der Fahrradkomfort verbessert werden. All diese Maßnahmen wären "wesentlich effektiver". Eine Simulation zeigt beispielsweise: Würden sich die Kosten für die Fahrt mit dem Auto verdoppeln, wäre das Fahrrad plötzlich Verkehrsmittel Nummer eins (46 Prozent Anteil, Auto 45 Prozent). Zum Vergleich: Ohne Änderung liegt die Nutzung des Rades bei 32 Prozent, die des Autos bei 63 Prozent. Übrigens: Die ÖPNV-Nutzung würde im Falle höherer Auto-Kosten nur geringfügig von fünf auf neun Prozent steigen. Eine zweite Simulation ergibt: Stadtweites Tempo 30 (mit Ausnahme großer Hauptverkehrsadern) führt ebenfalls zu weniger Autoverkehr und somit zu weniger Emissionen.

Kluft zwischen Denken und Handeln bei Nachhaltigkeit

Die Autoren der Studie weisen auf reichlich Forschungsbedarf hin: Viele Menschen seien positiv gegenüber einem nachhaltigen Lebensstil eingestellt. Aber zwischen ihrem Denken und Handeln existiere eine Kluft. Dieses Konsumverhalten zu klären sei wichtig, um die Folgen des Klimawandels möglichst gering zu halten.

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