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06.11.2017 | Verwaltungsmanagement | Nachricht | Onlineartikel

"Zwei Seiten derselben Medaille"

Autor:
Holger Albers
Interviewt wurde:
Philipp Freiherr zu Guttenberg

ist Land- und Forstwirt und Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW - Die Waldeigentümer), Vorsitzender des Aktionsbündnisses Forum Natur (AFN) sowie Vizepräsident des Europäischen Waldbesitzerverbandes (CEPF).

Der Schutz der Wälder liegt sowohl im Interesse der Waldbesitzer als auch von Umweltschützern. Welche Konflikte es dennoch gibt, erläutert Philipp zu Guttenberg, Präsident des Verbandes der Waldbesitzer. 

Worin sehen Sie die größte Dissonanz zwischen den Waldbesitzern und den Umweltschützern? 

Philipp zu Guttenberg: So weit sind wir nicht auseinander. Wir wünschen uns vitale, stabile und artenreiche Wälder. Allerdings ist der Wald für rund zwei Millionen Menschen auch Lebensgrundlage, Arbeitsplatz und Einkommenssicherung. Das darf man nie vergessen. Mit unserer nachhaltigen Forstwirtschaft können wir alle Waldfunktionen optimal vereinbaren. Dies belegt auch der aktuelle Waldbericht der Bundesregierung. Darüber hinaus leisten wir einen Beitrag zum Klimaschutz. Wir sorgen dafür, dass der Rohstoff Holz zur Verfügung steht, und dass sich die Menschen im Wald erholen können. Bei all dem tragen wir neben der Verantwortung jedoch immer auch das finanzielle Risiko. Wir sind gerne Dienstleister, verwehren uns aber gegen entschädigungslose Bewirtschaftungseinschränkungen. 

Was haben die Waldbesitzer bislang getan, um Konflikte beizulegen oder erst gar nicht entstehen zu lassen?

Es gibt auf lokaler Ebene in unzähligen Projekten viele Kooperationen mit Natur- und Umweltschützern, die wir ausdrücklich unterstützen und befördern. Forstwirtschaft und Naturschutz sind immer zwei Seiten derselben Medaille. Auch suchen wir immer wieder das Gespräch mit den Spitzenvertretern der Umweltseite, sowohl in der Politik wie auch in den Verbänden, um die verschiedenen Aspekte unserer nachhaltigen Forstwirtschaft zu erklären und Gemeinsamkeiten auszuloten. Unser Wald ist immer für alle offen begehbar. Wir sind völlig transparent und damit die einzigen Unternehmer, die über gläserne Betriebsstätten verfügen. 

Können Sie konkrete Beispiele für Konflikte nennen?

Konflikte entstehen, wenn wir nicht in Entscheidungsprozesse einbezogen werden, die unseren Grund und Boden betreffen. Beispiele sind  Schutzgebietsausweisungen wie Natura2000 und andere. Als Eigentümer wurden wir weder von der Gebietsausweisung unterrichtet, noch in die Erstellung der Managementpläne für unsere Grundstücke einbezogen. Ein akutes Problem sind zudem die Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Wälder wie extreme Unwetter, Trockenheit und Schädlingsbefall. Daher müssen wir das Risiko minimieren und zum Beispiel in der Mischung auf klimatolerante Baumarten wie die Douglasie setzen. Ein Teil der Umweltpolitik aber verteufelt diese Baumart als „invasive, ausländische“ Art und möchte ihre Verbreitung ohne sachlichen Grund verhindern. Wenn es danach geht, dürften auch keine Tomaten oder Kartoffeln angepflanzt werden, die ihren Ursprung in Südamerika haben. Hier brauchen wir Offenheit, Realitätsnähe und einen sachlichen Dialog statt Scheuklappen und Ideologie. 

Wieweit darf ohnehin nur eine Bürgerbeteiligung in die wirtschaftlichen Interessen der Waldbesitzer eingreifen?  

Verfassungsrechtlich darf die Eigennutzung durch die Fremdnutzung oder Fremdansprüche nicht unzumutbar beeinträchtigt werden. So steht es im Grundgesetz, obwohl in der Praxis dieses rechtsstaatliche Prinzip meist umgekehrt wird. Ausschlaggebend bei öffentlichen Interessensbekundungen ist der fachliche Diskurs und der finanzielle Ausgleich bei wirtschaftlichen Einschränkungen. Es liegt jedoch im Aufgabenbereich der Politik, eben diesen Ausgleich herzustellen. Wir setzen auf freiwilligen Vertragsnaturschutz statt auf Ordnungsrecht. Denn so wie wir als Bürger Vertrauen in unsere Rechtsstaatlichkeit setzen müssen, so fordern wir dieses Vertrauen auch vom Staat zurück. 

Gibt es dabei Unterschiede zwischen privaten oder öffentlichen Waldbesitzern? 

Der Unterschied zwischen privaten und öffentlichen Waldbesitz liegt lediglich beim Eigentümer und dessen Verantwortlichkeit. Im privaten Waldbesitz sind wir durch die Familienbindung im höheren Maße den künftigen Generationen verpflichtet. Staats- und Landeswälder sind hier natürlich erheblich mehr den regelmäßigen politischen Veränderungsprozessen ihrer Eigentümer ausgesetzt.

 

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