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08.08.2022 | Verwaltungsmanagement | Nachricht | Online-Artikel

Geschlechtsspezifische Diskriminierung in Städten abbauen

verfasst von: Alexander Ebert

2:30 Min. Lesedauer
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Beim Thema Gleichstellung von Mann und Frau liegt Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern gerade mal im Mittelfeld, so ein aktueller Bericht der Europäischen Union. 

Im öffentlichen Nahverkehr, in der Stadtplanung oder auf dem Arbeitsmarkt  –Geschlechtergerechtigkeit betrifft einem EU-Bericht zufolge wesentlich mehr Themen als allgemein angenommen. So spiele Geschlechtergerechtigkeit auch  bei der Gestaltung lebenswerter Städte eine wichtige Rolle und Städte haben hier eine große Verantwortung, zum Beispiel bei der Vergabe öffentlicher Aufträge, dem Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln oder der Förderung in den naturwissenschaftlichen sowie Pflegeberufen.

Der neueste EU-Bericht "Gender Equal Cities", der im Rahmen des EU-Programms "Urbact" seit 2019 erstellt wird, basiert auf Workshops mit Expertinnen und Experten für Gleichstellung, ihren Netzwerken sowie Recherchen in verschiedenen EU-Staaten. "Urbact" wird von den 28 EU-Mitgliedsstaaten sowie Norwegen und der Schweiz finanziert. Hauptziel ist die Förderung einer integrierten, nachhaltigen Stadtentwicklung. Themen sind unter anderem Innovation, Umweltschutz oder Beschäftigungsförderung.

Mittelmaß in der EU

Dem Bericht zufolge hat Deutschland durchaus Nachholbedarf und liegt 68,6 von 100 Punkten im EU-Gleichstellungsindex auf Platz zehn und damit 0,6 Punkte über dem Wert der EU. Immerhin: Deutschland habe sich seit 2018 um 1,1 Punkte und sein Ranking um einen Platz verbessert. EU-weit zeigt der Index nur geringe Verbesserungen bei den Gleichstellungsfaktoren im Vergleich zu 2019. In einigen EU-Ländern sind die Werte in diesem Zeitraum dem Bericht zufolge sogar gesunken.

Verschenkte Potenziale

Beurteilt wurde, wie sich Frauen und Männer im Stadtraum bewegen, arbeiten und leben. Mit dem Bericht soll vermittelt werden, dass Gleichstellung kein isoliertes Thema sei, sondern ein Treiber für den Wandel. Dies gelte insbesondere für neue und zukunftsweisende Themen wie Nachhaltigkeit, Notfallmanagement und Smart Cities. Für diese Bereiche bietet das Gender Mainstreaming – also die Auswirkungen von Entscheidungen auf Männer und Frauen –, "ein erhebliches Potenzial, das bisher zu wenig genutzt wird", heißt es in einer deutschen Übersetzung.

Synergien durch Gleichstellung

Durch Geschlechtergleichstellung könne es erhebliche und unerwartete Synergieeffekte geben, so der Bericht. Die schwedische Stadt Umeå hat beispielsweise berechnet, dass die Stadt mehr CO2 einsparen könnte, wenn Männer ebenso häufig wie Frauen den öffentlichen Nahverkehr nutzen würden statt auf Elektrobusse umzurüsten. In Barcelona wird der Pflegebedarf rund um das Älterwerden und die Rolle der Frauen neu gedacht: So kümmern sich Fachkräfte, Pflegebedürftige und Nachbarn in einem Netzwerk um das kollektive Wohlergehen. Die niederländische Stadt Tilburg will Jugendarmut mit einem Kulturprojekt begegnen: Darstellende Künste sollen als Plattform für den multikulturellen Austausch dienen und jungen Menschen helfen, ihre eigene Kultur auszudrücken und sich dadurch in ihrem Umfeld wohler zu fühlen.

Nach Schätzungen des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen können die Berücksichtigung von Gleichstellung in der Haushaltsplanung und die Analyse öffentlicher Ausgaben im Hinblick auf unbeabsichtigte Ungleichheiten bis 2050 zu einem Anstieg des Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukts in der EU führen – zwischen 6,1 bis 9,6 Prozent beziehungsweise 1,95 bis 3,15 Billionen Euro.

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