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09.07.2018 | Verwaltungsmanagement | Nachricht | Onlineartikel

Politiker risikofreudiger als Bürger

Autor:
Alexander Ebert

Abgeordnete aus Bund und Ländern verhalten sich risikofreudiger als Bürger – auch risikofreudiger als hohe Beamte. Das zeigt eine wissenschaftliche Studie zum Verhalten von Volksvertretern.

Wie risikofreudig sind Politiker? Dieser Frage ist das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung gemeinsam mit den Universitäten Berlin und Dortmund sowie dem Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in einer Studie nachgegangen. Auf einer Skala von 0 bis 10 (gar nicht bis sehr risikobereit) stuften sich Abgeordnete aus dem Deutschen Bundestag und fünf Landtagen selbst ein. Die Politiker kamen auf einen Durchschnittswert von 6,2, die Bürger auf 4,7. Die höhere Risikobereitschaft zieht sich durch sämtliche Risikobereiche – vom Autofahren über die Geldanlage bis zum Vertrauen in die Mitmenschen.

Die Untersuchung basiert auf Umfragen unter den Parlamentariern und Daten der repräsentativen Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP). Die Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift "Palgrave Communications" veröffentlicht.

Risiko-Typen von Helmut Kohl bis Richard Nixon

Auch unter Politikern gibt es höchst unterschiedliche Typen. Die Studie erinnert an Ex-Kanzler Helmut Kohl, dem nachgesagt wurde, er habe Probleme ausgesessen. Dagegen hätten mutige Führer wie Fredrik Willem de Klerk die Apartheid in Südafrika beendet. Und Richard Nixon soll gesagt haben: "If you take no risks, you win no victories." Unter dem Strich schätzen sich die Volksvertreter deutlich risikofreudiger ein als Normalbürger sowie Ministerialbeamte, wie eine ergänzende Studie derselben Forscher aus 2014 zeigt.

Keine Gefahr durch risikofreudige Volksvertreter

Geht eine Gefahr von risikofreudigen Politikern aus? Nein, meint der Soziologe und Hauptautor der Studie Moritz Heß von der TU Dortmund. "Andernfalls würden wichtige gesellschaftliche Entscheidungen angesichts der kaum überschaubaren Risiken und Gefahren oft nicht getroffen. Die Folge wären Stagnation und gesellschaftlicher Stillstand."

Demokratischer Politik-Betrieb bremst Risiken aus

Andere Forscher schließen sich dieser Einschätzung an: "Das Ergebnis zeigt eine gelungene sinnvolle Arbeitsteilung zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Wählerinnen und Wählern sowie Politikerinnen und Politikern", so der Berliner Ökonom Gert G. Wagner am DIW Berlin. Denn die individuelle Risikofreude der Abgeordneten werde durch demokratische Strukturen und parlamentarische Abläufe gebremst. Hinzu komme, dass höhere Beamte in Ministerien zur Kontrolle von risikofreudigen Politikern beitragen würden.

Die Politiker wurden bewusst nicht nach ihrer parteipolitischen Zugehörigkeit gefragt. Damit sollte ausgeschlossen werden, dass die Ergebnisse der Studie für parteipolitische Zwecke genutzt werden.

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Umgang mit Risiken

Quelle:
Risikopolitik

01.12.2017 | Steuerung | Ausgabe 12/2017

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