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05.03.2018 | Verwaltungsmanagement | Nachricht | Onlineartikel

Rechte Kritiker sind keine homogene Gruppe

Autor:
Alexander Ebert

Bürger die populistische Meinungen vertreten, lassen sich in vier Typen einteilen. Dabei erfordert der Umgang mit dieser Herausforderung differenziertere Strategien, so eine Studie der Bertelsmann-Stiftung.

Jeder fünfte Bürger in Deutschland hat ausländische Wurzeln. Durch die Flüchtingskrise erhöhte sich der Migrantenanteil auf 22,5 Prozent. In den vergangenen Jahren nahm die Fremdenfeindlichkeit zu. Die Debatte über Vielfalt in der Gesellschaft wird vor diesem Hintergrund immer schärfer geführt. Wer sind die Anhänger von Rechtspopulisten? Die Gruppe derjenigen, die Vielfalt eher skeptisch bis ablehnend gegenübersteht, ist bei weitem nicht homogen. Deswegen ist ein gemeinsames Label für sie unangemessen.

Vom Unbehagen an der Vielfalt

Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie "Vom Unbehagen an der Vielfalt" des Infas-Instituts für angewandte Sozialwissenschaft im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. Die repräsentative Untersuchung aus Januar 2018 stützt sich auf über 5.000 Telefoninterviews zu Themenbereichen wie "Nachbarschaft", "soziales Leben" und "politische Einstellungen". Sie untersucht, welche Bevölkerungsgruppen in Deutschland skeptisch bis ablehnend auf Vielfalt blicken.

Vier Typen von Vielfaltskritikern

Die Gruppe von  Bürgern, die eine überdurchschnittliche Affinität zu antipluralistischen Einstellungen aufweist, besteht aus unterschiedlichen Typen, mit je eigenem sozialstrukturellen Hintergrund und verschiedenen Motiven. Insgesamt identifiziert die Untersuchung vier Teilgruppen, die sich entlang ihrer Einstellungsmuster, Konfliktlinien und Sozialstruktur deutlich unterscheiden. Auch die Intensität der antipluralistischen Einstellung variiert erheblich: die Zweifler (Anteil der Befragten: 10,5 Prozent), die Verunsicherten (16,3 Prozent), die Frustrierten (7,9 Prozent) und die Ausgegrenzten (4,2 Prozent).

Spektrum von benachteiligten bis zu gut etablierten Bürgern

Zusammengefasst besteht die Gesamtgruppe einerseits aus Personen, die sozial etabliert und gut eingebunden sind. Deshalb glauben sie, etwas verlieren zu können. "Diese sind vor allem aufgrund ihres konservativen Wertegerüsts gesellschaftlicher Vielfalt gegenüber skeptisch", so die Studienautoren. Auf der anderen Seite stehen laut Studie tief überzeugte Vertreter antipluralistischer Ansichten, die ihr Lebensumfeld überwiegend als sehr benachteiligend erleben und sozial kaum vernetzt sind.

Insofern folgern die Autoren der Studie, dass auch der Umgang mit der populistischen Herausforderung generell differenziertere Strategien erfordere. Dazu gehöre auf der einen Seite die Bereitschaft, sich auf eine offene politische Auseinandersetzung einzulassen, anstatt das Gespräch zu verweigern. Auf der anderen Seite sei eine achtsame Sozialpolitik sowie Stadt- und Regionalplanung gefordert, die objektive Ursachen von Benachteiligung angeht.


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