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26.04.2019 | Verwaltungsmanagement | Nachgefragt | Onlineartikel

Smart Cities – Jahrhundertchance oder digitaler Irrweg?

Die Digitalisierung bietet Städten und Gemeinden große Zukunftschancen. Diese lassen sich jedoch nur nutzen, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen und die Smart-City-Aktivitäten am Bürgernutzen ausgerichtet sind.

Städte und Kommunen stehen am Scheideweg und müssen zeitnah eine Antwort auf die Frage finden: Wie nutzen wir intensiv die Möglichkeiten und Chancen der Digitalisierung? Wer keine passende Smart-City-Strategie verfolgt und die Chancen für Vernetzung und Innovationen brachliegen lässt, kann schon in naher Zukunft das Nachsehen haben und an Attraktivität verlieren. Smart City ist weit mehr als die Realisierung technischer Insellösungen, wie zum Beispiel die Erfassung des Verkehrsgeschehens durch intelligente Sensorik oder die bedarfsgesteuerte Leerung von Mülltonen. Der Nutzen von Smart Cities für Bürgerinnen und Bürger, aber auch für alle kommunalen Stakeholder, wird sich erst dann einstellen, wenn alle an einem Strang ziehen. Dazu muss in Zukunft viel stärker unternehmens- und fachbereichsübergreifend gearbeitet werden. Der Erfolg einer Smart-City-Strategie wird sich nur dann einstellen, wenn die Verwaltungsspitze die Idee, die Strategie und die Initiativen mit hoher Präferenz vertritt, vorantreibt und kommunale Infrastrukturfelder – zum Beispiel der Sektoren Energie, Verkehr, Umwelt, Entsorgung oder Wohnen – koppelt. Smart City muss zur Chefsache gemacht werden.

Zentrale gemeinsame Datenebene als Voraussetzung

Hierfür müssen alle städtischen Sektoren sowie alle öffentlichen und privaten Leistungsanbieter des kommunalen Systems durchgängig vernetzt sein. Wichtige Voraussetzung bei der Weiterentwicklung der Smart-City-Initiative ist dabei eine zentrale gemeinsame Datenebene. Damit soll gewährleistet sein, dass die Betriebsdaten der Systempartner, zum Beispiel für Analyse- und Steuerungszwecke, umfassend genutzt werden können. Auf dieser Basis lassen sich sowohl ökonomische als auch ökologische Vorteile erzielen. Wichtig dabei: Hoheit und Verantwortung über die Datenerfassung, -nutzung und -verwendung liegen in den Händen der Kommunen, die – wie Umfragen zeigen – in diesem Bereich einen hohen Vertrauensvorschuss genießen. Der zentrale Leitgedanke bei der Entwicklung von Smart Cities muss darin liegen, die Bürger mit ausgeprägter Nutzerfreundlichkeit und unmittelbar erkennbaren Mehrwerten zu überzeugen. Der Verbesserung der Verkehrssituation durch eine intelligente Verknüpfung von Bus, Bahn, Carsharing, Bikesharing, Ridesharing, und On Demand Shuttles über eine zentrale Plattform fällt dabei eine tragende Rolle zu. Neben den nutzerorientierten Mobilitätslösungen spielen verknüpfte Angebote bei Energie und Wohnen eine besondere Rolle. Vor dem Hintergrund von Energiewende, Umbau des Erzeugungs-Mix sowie technologischen Innovationen bieten sich neue Bürgerangebote und Geschäftsmodelle für die Anbieter im Zusammenspiel von Energie- und Wohnungswirtschaft an. Smart-Home-Lösungen in der kommunalen Wohnungswirtschaft, der gemeinsame Aufbau und Betrieb einer Ladesäuleninfrastruktur oder die dezentrale Energieerzeugung und Mieterstrommodelle sind nur einige Beispiele.

Dieser Beitrag ist erschienen in der innovativen Verwaltung 4/2019.

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