Große Versicherungslücken bei kommunalen Gebäuden
- 11.11.2025
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Ob Schulen, Bürgerhäuser oder Sporthallen – viele kommunale Immobilien sind nicht ausreichend gegen Naturgefahren versichert. Das zeigt eine Studie des Gesamtverbands der Versicherer.
Eine Studie zeigt große Versicherungslücken bei kommunalen Gebäuden im Fall von Naturgefahren auf.
Christian / stock.adobe.com
Trotz steigender Risiken durch Starkregen oder Überschwemmungen klafft bei kommunalen Gebäude wie Kindergärten oder Feuerwehrhäusern eine Versicherungslücke. Führen Schäden zu einem Ausfall, treffe das die Bürgerinnen und Bürger, heißt es in einer Studie der Universität Hohenheim im Auftrag des Gesamtverbands der Versicherer (GDV).
Die Studie "Naturgefahrenversicherung für kommunale Gebäude" basiert auf einer Befragung von Gemeinden in Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen, die im Frühjahr und Sommer 2024 vorgenommen wurde. Insgesamt wurden 1.711 Gemeinden kontaktiert. Der Rücklauf je Bundesland bewegte sich zwischen 16 und 21 Prozent.
Versicherungsquote nur zwischen 50 und 70 Prozent
Die Gemeinden wurden befragt, ob sie ihre Gebäude gegen erweiterte Elementarschäden versichert haben – etwa gegen Hochwasser oder Überschwemmungen durch Starkregen. In Baden-Württemberg gaben 70 Prozent der Kommunen an, für ihre Gebäude eine erweiterte Elementarschadenversicherung abgeschlossen zu haben. In Thüringen lag die Quote nur bei 55 Prozent und in Hessen sogar nur bei 50 Prozent.
Der vergleichsweise hohe Wert in Baden-Württemberg dürfte historisch durch die frühere Elementar-Versicherungspflicht in dem Bundesland bedingt sein. Auch bei Wohngebäuden liegt die Elementar-Versicherungsquote hier mit 94 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 57 Prozent, so der GDV.
Befragt wurden die Gemeinden auch, ob sie im Ernstfall auf die Hilfe von Bund und Land setzen. "In Hessen haben 31 Prozent der antwortenden Kommunen angegeben, unversicherte Schäden durch Zahlungen von Land oder Bund finanzieren zu wollen", erklärt Dr. Jörg Schiller, Professor für Versicherungswirtschaft und Sozialsysteme an der Uni Hohenheim sowie Mitautor der Studie. In Baden-Württemberg waren es 48, in Thüringen sogar 60 Prozent. Schiller mahnt: "Mit staatlicher Hilfe ist jedoch nur bei größeren Naturkatastrophen zu rechnen – sich darauf zu verlassen, ist riskant."
Versicherer vermissen Bewusstsein für Risiken
Die Studie verdeutliche exemplarisch die Versorgungslücke im Hinblick auf Naturgefahren, so der GDV. Zu wenige Gebäude – kommunale wie private – seien gegen Elementarschäden versichert. Es fehle an Bewusstsein, welches Risiko die Eigentümerinnen und Eigentümer damit eingingen. GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen macht auf den verbandseigenen Hochwasser-Check aufmerksam. Hier können sich Kommunen kostenlos über ihre individuelle Risikosituationen informieren.
Der Umgang mit Gebäuderisiken ist Städten und Gemeinden im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung selbst überlassen, heißt es in der Studie unter Verweis auf das Grundgesetz und auf Landesverfassungen. Und die jeweiligen Gemeindeordnungen der Länder hielten die Gemeinden dazu an, "sparsame und wirtschaftliche Haushaltspläne aufzustellen und Gemeindevermögen pfleglich und wirtschaftlich zu behandeln", ist in dem Papier zu lesen. Diese Pflichten erstreckten sich auch auf die Vorsorge für unvorhersehbare finanzielle Schäden im eigenen Vermögen.