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20.12.2017 | Verwaltungsmanagement | Nachricht | Onlineartikel

Viele Städte leisten mehr mit weniger Personal

Autor:
Alexander Ebert

Je ärmer eine Stadt, um so weniger Personal beschäftigt sie pro Einwohner. Vor allem Kommunen in den neuen Bundesländern haben erheblich Beschäftigte abgebaut, zeigt eine neue KPMG-Studie.

Wer im Rathaus am Ruder sitzt, segelt gegen viele Winde. Knappe Finanzmittel, demografischer Wandel von Bürgern und eigenem Personal, Flüchtlingskrise. Das Personal ist knapp, die Aufgabenlast wächst. Im Jahr 2000 waren noch 305.000 Mitarbeiter (Vollzeitäquivalente) in den kreisfreien Städten beschäftigt, 2014 nur noch 270.000 – ein Minus von 12 Prozent in 15 Jahren.

Diese Zahlen nennt das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG. "Weniger Personal, mehr Aufgaben" heißt die Studie zur Entwicklung der Personaldichte kreisfreier Städte. Untersucht wurden die städtischen Kernverwaltungen (ohne Eigenbetriebe, keine Landkreise) von 1998 bis 2014. Als Basis dienten Statistiken und externe Studien.

Weniger Personal bedeutet häufig schlechtere Verwaltungsqualität

Die Studie aus 2017 zeigt regionale Brüche auf. Vor allem die Kommunen in den neuen Bundesländern haben ihr Personal im Verhältnis zur Einwohnerzahl von 1998 bis 2014 erheblich reduziert. So in Sachsen-Anhalt um 52,4 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern um 41,2 Prozent. In den alten Bundesländern verzeichnen Schleswig-Hostein mit 19,5 Prozent und Nordrhein-Westfalen sowie Niedersachen mit jeweils gut 12 Prozent den stärksten Abbau. Allerdings bleibt die Frage offen, wie viele Rathaus-Mitarbeiter in städtische Konzerntöchter wechselten. Dennoch halten die Autoren fest: Die Personaldichte korreliert deutschlandweit mit der ökonomischen Stärke. Je verschuldeter und ärmer eine Stadt, umso schlechter ist die Personalausstattung je Einwohner – und damit die Qualität der Verwaltung. Eine Stichprobe zeigt: Ein Mitarbeiter mehr pro 1.000 Einwohner verringert die Wartezeit auf einen Termin im Bürgeramt um einen halben Tag. Allerdings zeigen Dresden und Leipzig, dass es auch anders geht.

Mehr automatisierte Abläufe können Behörden neue Luft verschaffen

Trotz Personalabbau mussten die Städte mehr Aufgaben von Bund und Ländern bewältigen. Laut KPMG stieg der bundesweite Kommunalisierungsgrad von 1998 bis 2014 von 44,5 auf 48,3 Prozent. Auch hier zeigen sich nach Ländern große Unterschiede: In Brandenburg und Rheinland-Pfalz wuchs der Kommunalisierungsgrad um gut 20 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen um gut elf Prozent und in Baden-Württemberg um knapp vier Prozent. 

Welche Auswege gibt es? Die KPMG-Studie nennt Digitalisierung und E-Government, um die Verwaltungsproduktivität zu erhöhen. Automatisierte Abläufe setzen Ressourcen für Bürgerdienste frei. Digitale Verfahren und Kommunikationskanäle können ebenfalls Zeit sparen. Aber: Das alles erfordert "enormen Investitonsaufwand".

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