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14.10.2022 | Verwaltungsmanagement | Nachgefragt | Online-Artikel | In Kooperation mit: Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen e.V.

Warum ist ein Kulturwandel in den Verwaltungen dringend erforderlich?

verfasst von: Peter Pächnatz

2:30 Min. Lesedauer
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Die digitale Transformation, die Dynaxität, die Krise als Regelbetrieb und die zunehmende Unverfügbarkeit erfordern einen deutlichen Kulturwandel in den Verwaltungen. 

Jede Organisation hat eine Kultur. Die entscheidende Frage ist: Fördert oder behindert sie die notwendigen Entwicklungen einer Organisation und der Menschen? Die dominante Kultur der Verwaltung ist die vertikale Silo- und Fachkultur. Sie ist geeignet für Veränderungen von "gut" auf "besser". 

Sie ist ungeeignet, sich von "besser" auf "anders" zu entwickeln. Die Silokultur ist eine tayloristische Aufbau- und Ablauforganisation, die von bestimmten Fachspezialistinnen beziehungsweise -spezialisten beherrscht wird. Sie ist für die heutigen Problemlösungen eher nicht geeignet, weil sie ausschließlich vertikal von Oben nach Unten organisiert ist. Sie ist in ihren Entscheidungen zu langsam und neigt durch ihre umständlichen Abstimmungsprozesse zur Komplexität.

Echte Teamarbeit erforderlich

Komplex und dynamisch sind auch die aktuellen gesellschaftlichen und technologischen Anforderungen. Es gibt in dieser Welt keine eindeutig richtigen oder falschen Ereignisse. Sie erfordert eine eigenverantwortliche, multiprofessionelle und themenübergreifende echte Teamarbeit. Die Ergebnisse der horizontalen Teamarbeit werden für alle verbindlich umgesetzt.

Die Krise als Regelbetrieb

Eine weitere Anforderung ist die Krise als Regelbetrieb. Dafür sind Verwaltungen denkbar schlecht aufgestellt. Die Krise als Regelbetrieb bedeutet, dass es keine bewährten Lösungen gibt. Es ist eine Welt voller nicht eindeutiger Optionen. Entscheidungen bedeuten immer das Risiko von Fehlentscheidungen. Das erfordert einen anderen Umgang mit Fehlern. Dabei kommt es entscheidend darauf an, schnell und konstruktiv aus Fehlern zu lernen und nicht den Schuldigen zu suchen.

Klarheit in der Sache und wertschätzend zu den Menschen, die einen Fehler gemacht haben, ist kein Widerspruch. Die soziale Ächtung von Menschen, denen ein Fehler passiert ist, führt zu enormen Produktivitätsverlusten und schafft zusätzliche Probleme. Niemand traut sich mehr Verantwortung zu übernehmen. Wir brauchen aber für die Lösung heutiger Probleme mehr Mut und Eigenverantwortung anstatt Angst. Das altdeutsche Wort für Angst ist "Enge". Zukunft braucht Weite.

Wir erleben aktuell eine neue Dimension der Unverfügbarkeit (Anmerkung der Redaktion: Ein Beitrag dazu wird in einer der kommenden Ausgaben erscheinen). Seit dem Kolonialismus baut die europäische Lebensweise auf dem Irrtum auf, die Welt stehe uns unbegrenzt zur Verfügung. Die Klimakrise, die Krise der globalen Wertschöpfungsketten, der Fachkräftemangel und unsere enorme Abhängigkeit von fossilen Energien sind nur vier Beispiele, die uns vor unauflösliche Dilemmata stellen. 

Intelligenter Umgang mit Dilemmata

Weitermachen wie bisher geht nicht mehr. Der intelligente Umgang mit Dilemmata ist eine zentrale aktuelle Anforderung nicht nur an die Verwaltungen. Zwei bedeutsame emotionale und soziale Kompetenzen spielen beim intelligenten Umgang mit Dilemmata eine Rolle: Vorübergehende Lösungslosigkeit und Ambiguitätstoleranz, das heißt, ich muss aushalten, dass es nicht so läuft, wie ich es mir vorstelle.

Dieser Beitrag ist erschienen in der innovativen Verwaltung 10/2022.

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