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18.10.2018 | Verwaltungsmanagement | Nachgefragt | Onlineartikel | In Kooperation mit: Bund Deutscher Unternehmensberater e.V.

Warum war externe Beratung in der Flüchtlingskrise notwendig?

Autor:
Kai Haake

Die Anlässe, bei denen sich der Öffentliche Sektor durch externe Berater unterstützen lässt, nehmen zu. ­Umso wichtiger sind ein funktionierender Wettbewerb und ein transparenter Auswahlprozess. 

Im Zuge der Flüchtlingskrise beauftragte insbesondere das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) seit Ende 2015 verschiedene Beratungsunternehmen, darunter auch Consultingfirmen. Diese Mandate waren auch Gegenstand der politischen Diskussion. So befragten Oppositionsfraktionen im Bundestag die Bundesregierung zu Anlass, Inhalt und Höhe der Beratung. Die Bundesregierung definiert dabei Unternehmensberatung wie folgt: "Gegenstand externer Beratung ist eine entgeltliche Leistung, die dem Ziel dient, im Hinblick auf konkrete Entscheidungssituationen des Auftraggebers praxisorientierte  Handlungsempfehlungen zu entwickeln und zu bewerten, den Entscheidungsträgern zu vermitteln und gegebenenfalls ihre Umsetzung zu begleiten" (BT-Drs 19/1949, S. 2 f.). 

Warum ist sie nötig? Auch das begründet die Bundesregierung: "Die Zahlen [der Beauftragungen] spiegeln eine gestiegene Komplexität der Fragestellungen in einer Vielzahl von Politikfeldern und Aufgaben wider. Hiermit geht ein erhöhter Beratungsbedarf einher. Die Bundesregierung wird durch die Nachfrage nach externer Beratung ihrer Verantwortung gerecht, ihre Entscheidungen auf eine breite, fundierte und aktuelle Wissensbasis zu stützen. (…) Eine Aufbereitung einschlägiger Forschungsliteratur und -daten erfordert in vielen Fällen Ressourcen, die in den Ressorts oder den nachgeordneten Behörden nicht verfügbar sind beziehungsweise aus Effizienzgründen nicht intern vorgehalten werden" (BT-Drs 19/2448, S. 2).

Beratungsbedarf wächst

Inhaltlich erfolgte der BAMF-Einsatz von Consultingfirmen auf einer Vielzahl von Gebieten, so zum Beispiel von McKinsey. Der "Asylprozess und die Perfomance-Verbesserung" des BAMF als "Flächenorganisation", die "Prozessdarstellung und das Aufzeigen von Optimierungsmöglichkeiten" im Bereich „Rückkehr“ waren ebenso Teil der Beratung wie die "Untersuchung der Integrationskurse" und deren "Schnitt­stellen zur „berufsbezogenen Sprachförderung" (BT-Drs 19/1949, S. 16 ff.). 

Diese drei Beispiele sind nur ein kleiner Ausschnitt der erfolgten Beratungsleistungen. Grundsätzlich gilt: Die Anlässe, sich durch externe Berater unterstützen zu lassen, werden so wie in der freien Wirtschaft auch im Öffentlichen Sektor weiter zunehmen. Allein die digitale Transformation bringt eine Vielzahl von neuen Herausforderungen mit sich. Umso wichtiger ist aus Sicht des BDU, einen sorgfältigen und transparenten Auswahlprozess aufzusetzen. Eine direkte Beauftragung einzelner Consultingfirmen durch Verwaltungen oder Ministerien ohne Betrachtung konkurrierender Angebote schließt sich dabei weitestgehend aus. Ein funktionierender Wettbewerb muss gewährleistet sein, zumal es eine große Anzahl an Beratungsunternehmen in Deutschland gibt, die auf den Öffentlichen Sektor spezialisiert sind.

 Dieser Beitrag ist erschienen in der innovativen Verwaltung 10/2018.

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