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03.07.2018 | Verwaltungsmanagement | Nachricht | Onlineartikel

Wie Städte mit Migration umgehen sollten

Autor:
Alexander Ebert

Flüchtlinge zu integrieren gehört zu den größten Herausforderungen vor Ort. Je aktiver eine Stadt mit der Aufgabe umgeht, desto besser kann sie gelingen, zeigt eine aktuelle Studie.

Es gibt Dörfer und kleine Städte, mittelgroße Kommunen und Großstädte. Keine Stadt ist wie die andere. Entsprechend unterschiedlich fallen die Erfahrungen mit kultureller Vielfalt vor Ort aus: Metropolen wie Frankfurt oder Stuttgart reagierten schon früh auf Einwanderung. Sie lernten, migrationsbedingte kulturelle Vielfalt zu managen. Das Gegenbeispiel kommt aus Neubrandenburg. Dort leben nur wenige Migranten, es gibt kaum Erfahrungen mit Vielfalt, die Bevölkerung schrumpft und die wirtschaftliche Lage ist eher schlecht. Das Spektrum macht deutlich: Damit das Zusammenleben in kultureller Vielfalt hier wie dort gelingen kann, sind keine Patentrezepte, sondern spezifische Strategien notwendig.

Das zeigt die wissenschaftliche Studie "Kulturelle Vielfalt in Städten" aus Juni 2018. Die Arbeit entstand beim Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung in Kooperation mit der Technischen Universität Berlin im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Die Studie basiert auf Literaturstudien und Eigenklassifizierungen.

Sechs Städtetypen

Um zu analysieren, auf welche Herausforderungen Städte reagieren müssen, entwickelten die Wissenschaftler eine Typologie für bundesdeutsche Städte. Dazu gehören beispielsweise Kriterien wie Migrationserfahrung, Größe der Kommune und Arbeitsmarkt. Die insgesamt sechs Städte-Typen liefern wertvolle Hinweise auf die Kompetenzen im Umgang mit kultureller Vielfalt. Per Saldo zeigt die Studie: Kulturelle Vielfalt gelingt leichter dort, wo sie eingeübt ist und wo Konflikte bereits in der Vergangenheit bearbeitet wurden.

Gesellschaftlichen Sprengstoff entschärfen

Doch wie lässt sich der gesellschaftliche Sprengstoff durch Migration entschärfen? Hier hält die Studie fünf Handlungsansätze für sinnvoll:

  1. In den Kommunen sollten Stadtentwicklung und Einwanderungspolitik stärker verzahnt werden durch ressortübergreifende Zusammenarbeit.
  2. Städte sollten voneinander lernen durch stärkeren Austausch (national wie EU-weit).
  3. Kommunale Integrationsleistungen sollten von Bund und Länder finanziert werden.
  4. Vor Ort sollten mehr niedrigschwellige politische Beteiligungsformate für Migranten entstehen. Dazu gehört auch das kommunale Wahlrecht für Nicht-EU-Bürger.
  5. Außerdem braucht es nachhaltiges zivilgesellschaftliches Engagement – ohne jedoch staatliche Aufgaben aus Kostengründen auf das Ehrenamt abzuwälzen.

Die Studie zeigt auch, dass es viele Beispiele für produktive Orte migrationsbedingter Vielfalt gibt. Das Spektrum reicht von Museen und Bibliotheken über Paraden und Feste bis zu gesamtstädtischen Stadtentwicklungsprozessen.


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