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22.05.2017 | Verwaltungsmanagement | Editor´s Pick | Onlineartikel | In Kooperation mit: Bund Deutscher Unternehmensberater e.V.

Wie viel digitale Kompetenz braucht die Gesellschaft?

Autoren:
Dr. Petra Wolf, Marc Reinhardt

Die Schlüsselkompetenz einer digitalen Gesellschaft, der bewusste Umgang mit und Beurteilungsfähigkeit von digitalen Medien und Diensten, ist in Deutschland zu wenig ausgeprägt. Staat und Gesellschaft sind aufgefordert, die Voraussetzungen für digitale Selbstbestimmtheit zu schaffen. 

Die aktuelle Ausgabe des D21 Digitalindex zeigt auf, dass die Anforderungen der Digitalisierung an die Gesellschaft sowie an den Einzelnen ständig wachsen. Nur gerade so halten die Deutschen mit den vielfältigen Herausforderungen Schritt, die die Bedienung von Endgeräten und Anwendungen an sie stellen. Das gilt auch für die Beurteilung von Risiken, die mit der Weitergabe von Daten im Netz verbunden sind. Ein Großteil der Bevölkerung verfügt lediglich über geringe Digitalkompetenzen. 

Die meisten nutzen zwar Suchmaschinen, um Angebote und Informationen im Internet zu finden. Häufig werden jedoch nur wenige Funktionen der Suche genutzt. Ergebnisse werden unreflektiert verwendet und die Mechanik hinter der Sortierung von Suchergebnissen nicht durchschaut. Weder Schule noch Medien vermitteln einen reflektierten oder informierten Umgang mit der ständig wachsenden Anzahl an Digitalangeboten. Dies bleibt in der Regel dem Selbststudium überlassen.

Es gibt zu wenig digitale Vorreiter

Die sogenannten digitalen Vorreiter machen nur knapp ein Drittel der Bevölkerung aus. Sie sind diejenigen, die nicht nur mit der Technik Schritt halten, sondern auch Trends verfolgen und beurteilen sowie an der Gestaltung von Digitalisierung aktiv mitwirken können.

Es ist zu befürchten, dass dieser Anteil nicht ausreicht, um die Digitalisierung in Wirtschaft, Verwaltung und Politik zu gestalten oder gar einen breiten gesellschaftlichen Diskurs über Fragen der Weiterentwicklung digitaler Lizenzrechte oder digitaler Grundrechte zu führen. Auch dass die Nutzung von komplexen Angeboten wie im Bereich von E-Government oder Open Government Data bislang kein Massenphänomen geworden ist, verwundert vor diesem Hintergrund nicht. Die Furcht vor einem Kontrollverlust über die eigenen Daten aus Mangel an Digitalkompetenz steht der Sorge vor einer innovationsfeindlichen Überregulierung und Einschränkung der digitalen Bewegungsfreiheit gegemüber. 

Dieser Konflikt kann nur gelöst werden, wenn die digitale Selbstbestimmtheit des Einzelnen gestärkt wird. Die Verantwortung liegt dabei sowohl beim Individuum, diese Selbstbestimmtheit zu leben, als auch beim Staat, der schulische sowie weiterführende Aus- und Weiterbildungsangebote schaffen und digitale "Kompetenzen" verstärken muss. Eine Diskussion um den Verzicht auf traditionelle Schulfächer zugunsten von IT-Unterricht führt an dieser Stelle allerdings in die Irre. Die Nutzung von Digitalmedien ist eine Zivilisationskompetenz wie Lesen und Schreiben und entfaltet erst in der Kombination mit Fachinhalten ihr Potenzial.

Der Beitrag ist erschienen in der innovativen Verwaltung 5/2017.

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