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Über dieses Buch

Dieses Buch über Goethe konzentriert sich auf die anthropologischen und tiefenpsychologischen Themen und Motive in Goethes Leben und Werk. An den literarischen Figuren und an seiner Art der Lebensführung lassen sich Probleme und Fragestellungen allgemein-menschlicher Natur erörtern und in der Regel sind auch die Lösungsvorschläge,die der Dichter dafür unterbreitet hat, ausgesprochen überlegenswert. Eine etwas andere Sichtweise auf das Wirken des deutschen Dichterfürsten.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Goethe – Wie man wird, was man (mit 25 Jahren) ist

Wer Goethe zu verstehen versucht, wird nach seinem Woher und Wohin fragen, nach seiner Abstammung, Kindheit und Jugend ebenso wie nach seinen Plänen, Entwürfen, Zielsetzungen und Wertkonstellationen sowie nach der Pyramide seines Daseins, die er möglichst hoch spitzen wollte – so hat er es Johann Caspar Lavater gegenüber einst ausgedrückt.

Gerhard Danzer

2. Goethe, Schiller und das Abenteuer der Freundschaft

Wer je in Weimar war, wird bei der Erwähnung der Namen Goethe und Schiller unweigerlich das imposante Standbild der beiden vor Augen haben, das vor dem Deutschen Nationaltheater in Weimar zu bewundern ist: Wie Heroen stehen sie auf ihrem Sockel und umfassen gemeinsam einen Lorbeerkranz. Goethe legt Schiller seine linke Hand auf die Schulter und sieht scheinbar zu uns, auf das Fußvolk herab, indes Schillers Blick in die Ferne schweift. Der Dresdner Bildhauer Ernst Rietschel, der dieses Denkmal Mitte des 19. Jahrhunderts schuf, hat nicht nur darauf geachtet, dass die beiden Figuren etwa gleich hoch geraten sind, obwohl die Körperlänge von Goethe fast zwanzig Zentimeter (etwa 1,70 Meter) unter derjenigen von Schiller lag. Darüber hinaus hat er bei Goethe dessen naturverbundene Sinnlichkeit und bei Schiller dessen Idealismus als unterschiedliche Blickrichtungen entsprechend dargestellt.

Gerhard Danzer

3. Goethes Farbenlehre – Geschichte eines produktiven Irrtums

Bei der Frage, mit welchen Themen und Werken sich Goethe am längsten in seinem Dasein beschäftigt hat, werden in der Regel wiederholt der Faust-Stoff, Wilhelm Meister sowie seine Autobiographie Dichtung und Wahrheit genannt. Auch hinsichtlich des Umfangs sind nicht wenige gewillt, diese Texte als die voluminösesten zu taxieren. Noch deutlich länger allerdings als mit diesen Manuskripten hat sich Goethe mit einer Problematik auseinandergesetzt, die man nicht im Bereich der Kunst, sondern in demjenigen der Wissenschaft oder besser gesagt der Naturforschung respektive Naturphilosophie ansiedeln darf: die Farbenlehre, verknüpft mit Überlegungen zur Wahrnehmung generell und zur Psychologie und Metaphysik der Farben speziell.

Gerhard Danzer

4. Anthropologisch-psychologische Motive: Flucht, Inkognito, Entsagung

Die Biographie ebenso wie das literarische Werk Goethes sind überreich an tiefenpsychologisch-anthropologisch relevanten Themen und Motiven. Sie bedeuten einen embarras de richesse, einen Überfluss an Möglichkeiten, aus denen für dieses Kapitel nur wenige ausgewählt werden. Dazu zählen die Flucht, das Inkognito sowie die Entsagung.

Gerhard Danzer

5. Römische Elegien und andere Erotica

Goethe war – das gehört unter Goethe-Experten zu den unumstrittenen psychologischen Charakteristika seines Lebens – ein multipolarer Mensch: nobilitierter Minister und zugleich in der Regel ein guter Junge, unkomplizierter Freund und Zeitgenosse; einerseits ein hingabefähiger Dichter und Literat sowie andererseits ein zurückgezogen-vorsichtiger Mann und Geliebter; ein gravitätisch-würdevoller Grandseigneur sowie ein übermütiger Springinsfeld; ein Protagonist provinziell-überschaubarer Lebensverhältnisse (Weimar, Jena, Ilmenau, Marienbad, Dornburger Schlösser) wie zugleich ein überzeugter Europäer (Rom, Venedig, Neapel, Schweizer und Italienische Reise) und ein geistig-kultureller Weltbürger (West-östlicher Divan).

Gerhard Danzer

6. Wilhelm Meisters Lehrjahre

Wilhelm Meister war nach Goethes eigenen Aussagen ein „armer Hund“, der treffender Wilhelm Schüler hätte heißen sollen. In seinen Lehrjahren mit Dutzenden von Lebensirrtümern versehen, wird er gerade deshalb zu einem Modell für Selbstentfaltung und Identitätssuche, mit dem wir uns Leser gerne identifizieren.

Gerhard Danzer

7. Die Wahlverwandtschaften

Die Wahlverwandtschaften erschienen 1809 und sind Goethes eigenem Urteil zufolge sein gelungenster Roman. So will es jedenfalls eine Anekdote wissen, der zufolge sich eine Dame im Umkreis des Dichters kurz nach dem Erscheinen des Textes über dessen große Unmoralität echauffierte, woraufhin Goethe nach einigem Schweigen mit großer Innigkeit gesagt haben soll: „Das tut mir leid, es ist doch mein bestes Buch.“

Gerhard Danzer

8. Faust I und II

In Knittlingen (im heutigen Baden-Württemberg gelegen) soll er um 1480 geboren sein, jener Wunderheiler, Alchemist und Magier Johann Georg Faust, der Jahrzehnte lang ob seiner sagenhaften Qualitäten für Aufsehen sorgte und 1540 in Staufen im Breisgau gestorben ist. Als Astrologe, Chiromant und Wahrsager machte er ebenso von sich reden wie als Zauberer und Goldmacher – wobei ihn die Versuche, edles Metall aus unedlen Materialien zu gewinnen, angeblich sein Leben gekostet haben. Im Staufener Hotel zum Löwen soll Faust bei Explosionen umgekommen sein, die er mit seinen Experimenten auslöste, und die ihn als Leiche in einem so missgestalteten Zustand zurückließen, dass die Zeitgenossen überzeugt waren, hier müsse der Teufel selbst seine Hand mit im Spiel gehabt haben.

Gerhard Danzer

9. Humanismus und Humanität: Erasmus von Rotterdam

Goethe war sich als Mensch wie als Autor seiner Herkunft und Wurzeln sowie der geistesgeschichtlichen Traditionen, die ihn geprägt hatten und denen er über die Jahrhunderte hinweg seine Referenz erwies, in vielerlei Hinsicht bewusst. Die griechische und römische Antike mit ihren historischen und mythologischen Figuren spielten in seinem Denken und Werk ebenso eine Rolle wie die Gedichte des altpersischen Lyrikers Hafis (1315–1390 n.Chr.), den er 1813 durch eine Übersetzung von dessen Gedichten so recht erst schätzen gelernt hatte, und mit dessen kulturellem Erbe er sich im West-östlichen Divan ausführlich befasste.

Gerhard Danzer

10. Pantheismus und Immanenz-Denken: Baruch de Spinoza

Spinoza? Das war für Goethe, welcher der Philosophie generell und den meisten Denkern vom Fach im Speziellen zeitlebens kritisch-distanziert oder zumindest indifferent gegenüber stand, die große Ausnahme: ein „alter Herr und Meister“ (so an den Dichter Christian Gottlob von Voigt im Februar 1816); ein Homo temperatissimus, den große Aufrichtigkeit und Menschenliebe auszeichneten, und von dem Goethe überzeugt war, dass er bei ihm sehen wolle, „wie weit ich dem Menschen in seinen Schachten und Erdgängen nachkomme“ (so an Ludwig Höpfner, einen Jugendfreund Goethes, im Mai 1773). Und obwohl Goethe Phasen sowohl der Distanz zu als auch der Wiederannäherung an Spinoza kannte, schrieb er in Dichtung und Wahrheit über den niederländischen Denker ausnehmend anerkennend und wertschätzend.

Gerhard Danzer

11. Aufklärung und Bildung: Immanuel Kant

Obwohl Goethe im siècle des Lumières, im Zeitalter des Lichts und der Vernunft aufgewachsen ist, beschäftigte er sich literarisch selten direkt mit der Aufklärung. In seinen Schriften begegnen uns die Begriffe Aufklärung und aufgeklärt kaum – wohl aber in seiner Gesinnung, in manchen seiner literarischen Figuren sowie in der Wertschätzung einzelner Philosophen, die sich als Aufklärer hervortaten.

Gerhard Danzer

12. Tiefenpsychologie, Unbewusstes, Dämonisches: Sigmund Freud

Neben Künstlern, Wissenschaftlern und Philosophen, die auf Goethe direkt oder indirekt eingewirkt und sein Denken und Werk geprägt haben (z.B. Erasmus von Rotterdam, Spinoza, Immanuel Kant), lassen sich auch umgekehrt Einflussnahmen Goethes auf Zeitgenossen wie auf Nachgeborene konstatieren. Am Begriff des Unbewussten kann man derlei zeigen, und zugleich kann man sich fragen, inwiefern im Terminus des Dämonischen, den Goethe recht häufig gebrauchte, etwas von dem vorweggenommen wurde, was das Konzept des Unbewussten charakterisiert.

Gerhard Danzer

13. Variationen über die Sehnsucht

„Kennst du das Land? wo die Zitronen blühn …“ Beinahe reflexartig denkt man an dieses Lied der Mignon aus Wilhelm Meisters Lehrjahre (1796), sobald man den Begriff Sehnsucht mit Goethe in Verbindung bringt. Die erste Zeile des Liedes, das Mignon – so will es der Roman – ungemein sehnsüchtig vorträgt, wurde beinahe zum Motto für jene Italiensehnsucht, die um 1800 und in den Jahrzehnten danach viele bildungsbeflissene Deutsche und Nordeuropäer befallen hatte.

Gerhard Danzer

14. Langeweile, Muße, dolce far niente

Fragt man mit Goethes Leben zumindest oberflächlich vertraute Personen nach einer Abbildung, die ihnen jählings als typisch für den Dichter einfällt, hat man zu gewärtigen, dass die meisten auf das Gemälde Goethe in der Campagna von Johann Heinrich Tischbein verweisen. Diese Abbildung fehlt in keiner Goethe-Biographie und keinem Bildband über ihn; darüber hinaus ziert sie alle möglichen Goethe-Devotionalien.

Gerhard Danzer

15. Schönheit ist ein Versprechen von Sinn

Die Schönheit war im 20. Jahrhundert eine Weile lang in Verruf geraten: Wer von ihr in einem naiv-selbstverständlichen Sinne sprach, geriet rasch in Verdacht, Theodor W. Adornos Verdikt von der Unmöglichkeit, nach Auschwitz weiterhin (schöne) Gedichte zu schreiben, nicht verstanden zu haben; oder man attestierte ihm eine bedenkliche Nähe zum Kitsch und damit zur Sentimentalität und Trivialität – Schönheit als Nippes und Massenware; oder der Betreffende sah sich dem Vorwurf des Eskapismus ausgesetzt – so, als ob er aus einer hässlichen Realität ins Imaginäre des Schönen fliehen wollte und sich dabei, wie Sigmund Freud es ausdrückte, des „milde berauschenden Empfindungscharakters“ der Schönheit bediente. In diesem Zusammenhang galten Künstler als unseriös, sobald sie unbedenklich und unreflektiert nur das Schöne in den Mittelpunkt ihres Schaffens rückten und damit Ästhetik, Kunst und Kultur eventuell als Alibi missbrauchten.

Gerhard Danzer

16. Man reist nicht, um anzukommen, sondern um zu reisen

Den Gedanken dieser Überschrift, den Goethe in Gesprächen mit Caroline Herder im September 1788 geäußert hat, bejahen wohl viele Reisende auch noch im 21. Jahrhundert. Anders als im 18. Jahrhundert, als Reisen das Vorrecht von einigen wenigen war, haben sich dieses Recht inzwischen Millionen Menschen erobert. Schätzungen sprechen weltweit von über einer Milliarde Reisen jährlich, wobei Anlass und Zweck von Aufbrüchen und Ankünften sehr unterschiedlich sind: Entdeckungs- und Forschungsreisen, Geschäfts- und Handelsreisen, Urlaubs-, Studien- und Bildungsreisen, Pauschal- und Individualreisen, Weltreisen und Betriebsausflüge, Städte-, Konzert-, Sprach-, Kunst- und Pilgerreisen, Abenteuer-, Wellness- und Sportreisen und viele weitere Varianten.

Gerhard Danzer

17. Aphorismen, bevorzugt von Goethe, über die Menschen und das Leben

Aphorismen sind kurze und prägnante Sprüche (im Griechischen bedeutet aphorizein so viel wie genau bestimmen und abgrenzen), die nicht selten eine witzige oder humorvolle Wendung nehmen. „Ein Aphorismus braucht nicht wahr zu sein,“ meinte Karl Kraus (1874–1936), „aber er soll die Wahrheit überflügeln. Er muss mit einem Satz über sie hinauskommen.“

Gerhard Danzer

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