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2022 | Buch

Volkswirtschaftslehre – mathematisch gedacht

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Über dieses Buch

Dieses Lehrbuch stellt die theoretischen Modelle der Volkswirtschaftslehre durch grundlegende mathematische Konzepte dar. Während eine wirtschaftswissenschaftliche akademische Karriere ohne fundierte Methodenkenntnisse undenkbar erscheint, sind in der akademischen Lehre die theoretischen Inhalte und die quantitativen Methoden zumeist relativ streng voneinander getrennt. Dieses Lehrbuch geht einen anderen Weg. Die Mathematik wird als lebendiger, integraler Bestandteil des wirtschaftswissenschaftlichen Studiums verstanden, ohne den weder ein tieferes theoretisches Verständnis noch eine empirische Anwendung möglich ist. Der Autor analysiert wesentliche Modelle aus der Mikro- und der Makroökonomik mit Hilfe mathematischer Ansätze. Der Anwendungsnutzen mathematischer Methoden steht dabei im Vordergrund und soll daher anhand von Musteraufgaben illustriert werden. Das vorliegende Lehrbuch richtet sich an Bachelorstudierende, die eine Einführung in die mathematische Modellierung grundlegender Modelle der Mikro- und Makroökonomik wünschen.
Für die 2. Auflage wurde ein neues Kapitel zu den mathematischen Grundlagen ergänzt, das gebündelt alle benötigten Methoden für ein wirtschaftswissenschaftliches Studium vorstellt. Im Kapitel zur Makroökonomik wurde zudem die Makroökonomik offener Volkswirtschaften neu aufgenommen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
1. Einführung in die Volkswirtschaftslehre
Zusammenfassung
Traditionell wird die Volkswirtschaftslehre in Mikroökonomik, Makroökonomik und Finanzwissenschaften bzw. Wirtschaftspolitik unterteilt. Die Mikroökonomik untersucht in erster Linie das individuelle Verhalten der Konsumenten und Produzenten und die Konsequenzen für Preisbildung und Allokation. Unter Allokation versteht man in diesem Zusammenhang die Zuordnung knapper Ressourcen auf verschiedene Verwendungsmöglichkeiten. Grundlage ist das Knappheitsproblem und die daraus resultierende Notwendigkeit des rationalen Handelns, um knappe Güter mit unbegrenzten Bedürfnissen in Einklang zu bringen. Analysegegenstand in der Mikroökonomik sind die Bestimmungsfaktoren des Angebots, der Nachfrage und die daraus resultierende Preisbildung in vollständigen Märkten. In einer Annäherung an die Realität werden die doch recht stringenten Annahmen des mikroökonomischen Ansatzes schrittweise „aufgeweicht“, um Marktschwächen und Marktunvollkommenheiten Rechnung zu tragen. Die mikroökonomischen Ansätze, die in diesem Buch präsentiert werden, sind der neoklassischen Ökonomik zuzurechnen. Die Makroökonomik abstrahiert von individuellem Verhalten zu den Aggregaten Haushalte, Unternehmen, Staat und Ausland und analysiert gesamtwirtschaftliche Phänomene, wie die Entstehung von Volkseinkommen, Zinsen, Inflation oder Beschäftigung. Die makroökonomischen Ansätze sind überwiegend der keynesianischen Ökonomik zuzurechnen. Während die mikroökonomischen Ansätze in der Regel statischer Natur sind, werden in der Makroökonomik die aggregierten Größen dynamisch im Zeitverlauf auf nationaler, regionaler und sektoraler Ebene betrachtet. Die Finanzwissenschaften betrachten die wirtschaftlichen Aspekte der öffentlichen Haushalte, der Staatsfinanzen und der Besteuerung. Die Finanzwissenschaften werden traditionell in die Ausgaben und Einnahmen des Staates unterteilt. Während auf der Einnahmenseite die Besteuerung und deren Wirkung, d. h. die Steuerinzidenz, betrachtet wird, beschäftigt sich die Ausgabenseite mit der Wirtschaftspolitik und deren Wirkung auf makroökonomische Größen.
Mark Sellenthin
2. Rationale Entscheidung
Zusammenfassung
Die Volkswirtschaftslehre beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Analyse wirtschaftlicher Phänomene. Die Volkswirtschaftslehre als Teil der Sozialwissenschaften betrachtet dabei wirtschaftliches Handeln aus verschiedenen Blickwinkeln. So werden im Rahmen der Mikroökonomik Anreize und damit die Auswirkungen individueller Handlungen auf das Zustandekommen von aggregierten Gleichgewichtszuständen untersucht. Wichtige Grundfragen, die mit dem mikroökonomischen Ansatz behandelt werden, sind daher beispielsweise, wie Ordnung ohne eine zentrale Verwaltungsinstanz, quasi durch Adam Smiths „unsichtbare Hand“, zustande kommen kann oder wie Preise und die Konstellation von Inputs und Outputs erklärt werden können. Bei diesen Fragen werden Individuen quasi wie Atome aufgefasst, deren Zusammenwirken, analog zu den Naturwissenschaften, Naturgesetzen folgt, so dass am Ende individuelle Wahlhandlungen das „große Ganze“ erklären. Bei dieser Sichtweise ist das Individuum eine stabile Einheit und der einzige Handlungsträger in einer Gesellschaft. Das Verhalten der aggregierten Gesellschaft ist somit restlos durch individuelle Entscheidungen erklärt. Methodologisch ist diese Position dem methodologischen Individualismus zuzuordnen. Die Kontraposition ist der methodologische Holismus, der in den Sozialwissenschaften eine breite Anwendung gefunden hat. Bei Anwendung dieses Ansatzes bestimmt die Gesellschaft als Aggregat das individuelle Verhalten. In der Konsequenz ist das Individuum nicht länger für seine Handlungen verantwortlich, sondern durch gesellschaftliche Zwänge determiniert. Dies bedeutet, die Umwelt bzw. Gesellschaft bestimmt das individuelle Verhalten und entwickelt sich selbst nach über-individuellen Gesetzen. Als Illustration beider Ansätze kann die „Entscheidung“ dienen, statt eines „ordentlichen“ wirtschaftswissenschaftlichen Studiums eine kriminelle Karriere einzuschlagen. Nach dem methodologischen Individualismus ist die Entscheidung für eine kriminelle Karriere eine rein individuelle Abwägung von Kosten- und Nutzenaspekten. So vergleicht ein potenzieller Bankräuber den Nutzen eine Bank auszurauben, sprich den möglichen Gewinn in Form des Tresorinhalts, mit den Kosten des Banküberfalls. Die Kosten des Banküberfalls sind die Jahre, die man beim „Erwischtwerden“ im Gefängnis verbringen muss, d. h. den möglichen diskontierten Verdienstausfall, bewertet mit der Wahrscheinlichkeit „geschnappt“ zu werden. Dies bedeutet, es wird ein Erwartungswert ermittelt. Bei den Kosten können natürlich noch mögliche Alternativkosten berücksichtigt werden. Wenn die Kosten-Nutzen-Analyse positiv zu Gunsten eines Banküberfalls ausfällt, wird der vorher unbescholtene Bürger kriminell werden und die Bank überfallen. Die Entscheidung, kriminell zu werden, ist also restlos durch individuelle Anreize und Entscheidungen determiniert. Umgekehrt wird im Rahmen des methodologischen Holismus die kriminelle Karriere ausschließlich über gesellschaftliche Zwänge determiniert. So wird kriminelles Verhalten nicht als echte Wahlhandlung begriffen, sondern als logische Konsequenz gesellschaftlicher Phänomene, wie Sozialisation und lokales Umfeld. Ein Bankräuber trifft nach diesem Ansatz keine Entscheidung, sondern die kriminelle Karriere ist durch das kriminelle Umfeld, wie ebenfalls kriminelle Freunde, Eltern und Milieus determiniert. Nach dem individualistischen Ansatz ist also das Aggregat die Folge individueller Entscheidungen, während getreu dem holistischen Ansatz das Aggregat individuelles Verhalten bestimmt. In den Wirtschaftswissenschaften wird grundsätzlich Verhalten nach dem methodologischen Individualismus erklärt. Dennoch zeigt die Realität, dass häufig sowohl individuelle Anreize, aber auch gesellschaftliche Zwänge in der Form von Regeln, Normen, Konventionen, die sowohl gesetzlich verankert sind, aber auch durch Erziehung und Sozialisation „gelernt“ wurden, wichtig sind, um reale Entscheidungen und Verhalten erklären zu können. Eine Integration beider grundsätzlich konträren Ansätze erscheint schwierig, ist aber wichtig, um reale Phänomene, wie Kritische-Masse-Phänomene oder das Entstehen von gesellschaftlichen Normen, einigermaßen befriedigend analysieren zu können.
Mark Sellenthin
3. Mathematische Grundlagen
Zusammenfassung
Dieses Buch versteht sich als Lehr- und vor allem Arbeitsbuch im Hinblick auf die wesentlichen mathematischen Ansätze in der Volkswirtschaftslehre. In den folgenden Kapiteln dieses Buches werden die Analyseansätze der Volkswirtschaftslehre mit Hilfe von Beispielaufgaben dargestellt. Die mathematischen Grundlagen, die für wirtschaftswissenschaftliche Analysen unumgänglich sind, werden kurz und knapp vorgestellt. Die jeweiligen mathematischen Verfahren werden im weiteren Verlauf dieses Buches im Anwendungskontext anhand von Musteraufgaben ausführlich präsentiert und erläutert. Dieses Kapitel dient daher in erster Linie der Auffrischung wesentlicher Rechentechniken. Es wird in erster Linie Übungsmaterial zu den elementaren Rechentechniken bereitgestellt. Dabei wurde darauf geachtet, verschiedenen Schwierigkeitsniveaus Rechnung zu tragen. Im vorliegenden Kapitel finden sich vor allem Aufgaben mit niedrigerem Schwierigkeitsgrad, die den Einstieg in die schwierigeren Modelle ermöglichen sollen, die dann im Laufe des Buches behandelt werden. Damit dieser Einstieg aus mathematischer Sicht möglichst zielführend ist, wurden die Übungsaufgaben nach mathematischen Gesichtspunkten sortiert. Die Übungsaufgaben zu den elementaren Grundlagen dienen daher der Auffrischung wesentlicher Rechentechniken. Um zeitaufwendiges Hin- und Herblättern zu vermeiden, werden die Lösungen zu den einzelnen Übungsaufgaben direkt nach den Aufgaben abgedruckt. Als Wiederholung werden zu den einzelnen mathematischen Themenbereichen die wichtigsten Rechenregeln kurz dargestellt. Dabei ist die Darstellung bewusst knapp gehalten und soll keine ausführlicheren Darstellungen in grundlegenden Mathematik-Lehrbüchern ersetzen, sondern ist auf den Einsatz in einführenden Veranstaltungen des Bachelor-Studiums in den ersten Semestern ausgelegt. Eine möglichst verständliche Darstellung geht daher vor mathematischer Präzision!
Mark Sellenthin
4. Mikroökonomik
Zusammenfassung
Die Mikroökonomik untersucht in erster Linie das individuelle Verhalten der Konsumenten und Produzenten und die Konsequenzen für Preisbildung und Allokation. Der Preis bzw. die Preisbildung spielt eine zentrale Rolle in der Organisation und Koordination wirtschaftlicher Aktivitäten. Das Preis-Mengen-Diagramm, wie in Abb. 4.1 dargestellt, kann daher auch überspitzt als das „Totem“ der Mikroökonomik aufgefasst werden, anhand dessen die Vorgehensweise in diesem Kapitel illustriert werden kann. Im Rahmen der Haushaltstheorie wird zunächst auf Basis der individuellen Nutzenfunktion das Haushaltsoptimum ermittelt. In der Folge wird die aggregierte volkswirtschaftliche Nachfragekurve hergeleitet (Abschn. 4.3.2). Im Rahmen der Unternehmens- und Produktionstheorie wird über den optimalen Einsatz der Produktionsfaktoren und die Ermittlung des Gewinnmaximums das Betriebsoptimum individueller Unternehmen hergeleitet. Über das Betriebsoptimum wird die aggregierte volkswirtschaftliche Angebotsfunktion hergeleitet (Abschn. 4.4.2). Wenn Angebots- und Nachfragefunktionen vorliegen, kann die Preisbildung in verschiedenen Marktformen ermittelt und analysiert werden (Abschn. 4.5). In Abschn. 4.2 werden die Vorteile der Arbeitsteilung analysiert, während in Abschn. 4.6 die mikroökonomische Analyse um die Betrachtung von Marktschwächen erweitert wird.
Mark Sellenthin
5. Makroökonomik
Zusammenfassung
Die Makroökonomik beschäftigt sich vorwiegend mit der Analyse von Produktion, Arbeitslosigkeit und Inflation auf aggregiertem Niveau. Während im Rahmen der mikroökonomischen Analyse Konsum- und Produktionsentscheidungen aus individueller Perspektive betrachtet wurden, werden nun die Ergebnisse der kumulierten und aggregierten Entscheidungen der Gesamtheit der Konsumenten und Produzenten untersucht. Die makroökonomische Analyse fokussiert dabei auf der kurzen, der mittleren und der langen Frist. Während die Mikroökonomik Konsum- und Produktionsentscheidungen überwiegend statisch untersucht, werden nun in der Makroökonomik die dynamischen Aspekte und die zeitliche Entwicklung im Vordergrund stehen.
Mark Sellenthin
Backmatter
Metadaten
Titel
Volkswirtschaftslehre – mathematisch gedacht
verfasst von
Prof. Dr. Mark Sellenthin
Copyright-Jahr
2022
Electronic ISBN
978-3-658-36071-9
Print ISBN
978-3-658-36070-2
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-36071-9

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