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Über dieses Buch

​Die in diesem Band versammelten Beiträge stellen eine praktische Arbeitshilfe dar. In einer ausführlichen Einleitung wird systematisch in die Schritte eines hermeneutisch-fallrekonstruktiven Forschungsprozesses eingeführt. Diese Schritte werden in den einzelnen Beiträgen exemplarisch veranschaulicht und diskutiert. Es werden u. a. folgende Fragen bearbeitet: Was ist meine Forschungsfrage? Was ist der Gegenstand meiner Untersuchung? Was ist der Fall? Worin besteht das Feld möglicher Fälle? Was sind die Kriterien für die Auswahl der Fälle? Welche Strukturebenen gehen in die Analyse ein? Welche Datentypen brauche ich? Wie komme ich von der Fallstruktur zu einer Strukturgeneralisierung und zu einer Typologie? Studenten und alle anderen, die hermeneutisch-fallrekonstruktiv arbeiten, erhalten so Unterstützung für die Durchführung ihrer eigene Forschung.
Der Inhalt• Von der Forschungsfrage über Feld und Fall zur Theorie• Fallstrukturhypothese• Gegenstandsbestimmung und Dimensionsanalyse• Arbeit mit einer konditionellen Matrix• Objektiv-hermeneutische Falldiagnostik• Analyse materieller Kultur mit der Methode der Objektiven Hermeneutik• Fotografien als Datentypus in der Untersuchung von Paarbeziehungen• Deutungsmusteranalyse anhand einer öffentlichen Diskussion• Zu einer Strukturtheorie des Unterrichts• Verlaufsformen fallrekonstruktiver Forschung
Die Zielgruppen• Studenten der Soziologie, Kulturwissenschaften, Erziehungswissenschaft, Politikwissenschaft• Wissenschaftler im Bereich der hermeneutisch-fallrekonstruktiven Sozialforschung
Herausgegeben von
Dr. Dorett Funcke ist Professorin am Institut für Soziologie der FernUniversität Hagen. Dr. Thomas Loer, habilitierter Soziologe, ist Gastdozent an der Privaten Universität Witten/Herdecke und Lehrbeauftragter an der International Psychoanalytic University Berlin.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Von der Forschungsfrage über Feld und Fall zur Theorie

Zur Einleitung

Im Folgenden soll zunächst der Pfad, den rekonstruktive Forschung in der Regel beschreitet, beschrieben werden. Dabei ergibt sich Erläuterungsbedarf, der einerseits durch Hinweise auf die Beiträge, die diesen Band ausmachen, andererseits in dem dann folgenden Teil dieser Einleitung, der sich konstitutionstheoretischen, methodologischen und methodischen Fragen ausführlicher widmet, befriedigt werden soll.

Dorett Funcke, Thomas Loer

Wie kommt man zu einer Fallstrukturhypothese?

Andreas Wernet veranschaulicht am Beispiel an einer Interaktionssequenz zwischen Vater, Mutter und Tochter anlässlich eines Weihnachtsmarktbesuchs den Prozess der Formulierung einer Fallstrukturhypothese. Es wird gezeigt, dass die allmähliche, fallrekonstruktive Erschließung einerseits in detaillierter Analyse des Interaktionsprotokolls erfolgt; der Interpretationsprozess erscheint so als fortschreitende Verdichtung einer Fallstrukturhypothese. Andererseits wird ausgeführt, dass in diesem Prozess zugleich eine Theoriebildung erfolgt, indem die empirischen Rekonstruktionen in einen Verweisungszusammenhang zu einer fallübergreifenden Theoriesprache gerückt werden, so dass die theoretischen Modelle ihrerseits wiederum zur sinnverstehenden Erschließung beitragen. Am Ende des Beitrages werden einige methodologische Implikationen der Beispielinterpretation diskutiert.

Andreas Wernet

Die gleichgeschlechtliche Inseminationsfamilie

Gegenstandsbestimmung, Dimensionsanalyse und Methodisches

In dem Beitrag von Dorett Funcke geht es um Forschungsschritte auf dem Pfad der rekonstruktiven Sozialforschung, die in der Regel eine erste Phase im Forschungsprozess ausmachen. Mit Bezug auf den Forschungsgegenstand „Familie“ werden Fragen behandelt, die die Gegenstandsbestimmung betreffen, die Bestimmung eines Feldes möglicher Fälle durch eine Dimensionsanalyse und die Auswahl von Datentypen auf dem Weg zur Fallrekonstruktion. Im Zentrum steht dabei eine alternative Lebensform, in der gleichgeschlechtliche Frauenpaare mit (einem) über anonyme Samenspende entstandenen Kind(ern) zusammenleben. Diese wird daraufhin untersucht, ob es sich bei der sogenannten Inseminationsfamilie um einen Typus von Familie handelt, um einen Fall von Familie.

Dorett Funcke

Eine Fallgeschichte im Feld sozialer Hilfen

Karl Friedrich Bohler zeichnet in seinem Beitrag anhand einer Fallgeschichte im Feld sozialer Hilfen nach, wie differenziert sich die Praxis der Sozialen Arbeit in der rekonstruktiv-hermeneutischen Sozialforschung darstellt. Orientiert an der konditionellen Matrix von Anselm Strauss werden insgesamt acht Ebenen unterschieden, die als Bedingungsfaktoren in der Analyse zu beachten sind, um einen Hilfefall bzw. Hilfeprozess in der Kinder- und Jugendhilfe zur Gänze nachzeichnen zu können. Die im Beitrag im Durchgang durch einen Fall zur Anschauung gebrachte Form einer konditionellen Matrix im Feld sozialer Hilfen wird gezeigt einerseits als Resultat der fallrekonstruktiven Forschung; andererseits als strukturerschließende Heuristik, die – unmittelbar auf jeden Fall im selben Praxisfeld – einen neuen Untersuchungsgegenstand zu erschließen und bereits vorliegende Wissensbestände zu systematisieren vermag.

Karl Friedrich Bohler

Objektiv-hermeneutische Falldiagnostik im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe

Im Zentrum von Andreas Franzmanns Beitrag steht die Frage, wie in der Jugendhilfe ein Fall zum Fall wird und welche praxisgeleiteten Bedingungen die methodischen Operationen der Falldiagnose leiten. Geschildert werden die verschiedenen Erkenntnisinteressen an einer Falldiagnose, die aus den unterschiedlichen Zuständigkeiten von Jugendämtern, Trägern der Jugendhilfe und erzieherischem Personal, das mit den Kindern arbeitet, erwachsen und die daraus sich ergebenden Schwierigkeiten eines kooperativen Arbeitsbündnisses. Am Beispiel der Sequenzanalyse eines Briefes wird anhand einer konkreten Praxis eines Jugendhilfeträgers veranschaulicht, wie Falldiagnosen nicht nur bei der Erstaufnahme von Kindern, sondern in einer laufenden Betreuung im erzieherischen Alltag zum Einsatz kommen können.

Andreas Franzmann

Die Analyse materieller Kultur mit der Methode der Objektiven Hermeneutik

In dem Beitrag von Matthias Jung geht es um die Analyse von Zeugnissen materieller Kultur, also um konkrete Dinge. Diskutiert wird, wie der spezifischen Verfasstheit des Gegenstandsbereiches Rechnung getragen werden kann, wie sich Auswahl- und Entscheidungsparameter in ihm darstellen, und wie die sequenzanalytischen Interpretationsprinzipien berücksichtigt werden können. Als theoretische Anleihen hilfreich erweisen sich dabei der pragmatistische Bedeutungsbegriff von Charles Sanders Peirce, der die Bedeutung eines Gegenstandes als Generalisierung seiner möglichen praktischen Verwendungen konzipiert, sowie das Affordanzkonzept aus der Wahrnehmungspsychologie James Gibsons, das auf den „Aufforderungscharakter“ von Objekten Bezug nimmt und mittels dessen sich die Fülle der objektiven Möglichkeiten eines Gebrauchs auf diejenigen eingrenzen lässt, die sie tatsächlich von sich aus nahelegen. Als Fallbeispiel fungiert ein archäologisches Objekt, ein bronzenes Möbel aus dem eisenzeitlichen, im 6. Jahrhundert v.Chr. angelegten Grab von Eberdingen-Hochdorf (Kr. Ludwigsburg).

Matthias Jung

Stand by Me: Was können Fotografien über Paarbeziehungen aussagen?

In dem Beitrag von Kai-Olaf Maiwald wird exemplarisch anhand eines künstlerischen Paarportraits gezeigt, wie man Photographien für eine paarsoziologische Analyse methodisch nutzen kann. Dabei wird zunächst der „Protokollstatus“ dieses besonderen Datenmaterials bestimmt, um zu klären, welche soziale Praxis in ihm zum Ausdruck kommt. Um dem methodischen Fehlschluss zu entgehen, die Paarbeziehung sei auf einer Photographie irgendwie „unmittelbar“ abgebildet, ist es vor allem wichtig zu berücksichtigen, dass Fotografieren und Fotografiert-Werden eine Sozialbeziehung darstellt; eine Sozialbeziehung, die zudem in gewissermaßen doppelter Weise relevant wird: als Face-to-Face- und als Face-to-Lense-Beziehung, wie Maiwald das nennt. Vor diesem Hintergrund wird das vorliegende Paarportrait als Ausdruck der Auseinandersetzung mit einem besonderen Handlungsproblem interpretiert: dem Problem der Selbstdarstellung als (besonderes) Paar. In der sukzessiven Analyse der Positionierung der Personen, ihrer Positur, ihrer Gesten und Accessoires wird herausgearbeitet, in welcher spezifischen und zeitgebundenen Art und Weise die fotografierten Personen „zueinander stehen“.

Kai-Olaf Maiwald

„… ich möchte unabhängig sein …“

Autonomie in der öffentlichen Diskussion um ein Bedingungsloses Grundeinkommen. Eine exemplarische Deutungsmusteranalyse

Im Beitrag von Sascha Liebermann geht es um das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) und die Diskussion, die seit etwa 2004 in der Öffentlichkeit geführt wird und in der viele Fragen aufgeworfen werden. Eine jedoch steht im Zentrum der Auseinandersetzungen. Es ist diejenige um das Verständnis von Autonomie. Sie wird in der Diskussion nicht selten so beantwortet, als hänge die Haltung zum BGE vom Menschenbild ab, das jemand habe. Praktisch gedacht, mag dies naheliegen, erlaubt aber keine Erklärung dafür, woher eine solche Haltung rührt und wie sie sich zum einen zur Struktur von Lebenspraxis, zum anderen zur politischen Ordnung und ihren Voraussetzungen verhält. Letzteres herauszufinden ist Gegenstand dieses Beitrags, der auf der Basis einer Passage aus einem verschrifteten Vortrag der Bundesminsterin Andrea Nahles anlässlich der Konferenz re:publica ihr Deutungsmuster zu Autonomie herausarbeitet und es ins Verhältnis zur Struktur von Lebenspraxis sowie der in Deutschland geltenden politischen Ordnung setzt. Neben der erstaunlichen Diskrepanz zwischen Handlungsprämissen und Deutungsmuster, die sich in der Analyse zeigt, fällt Nahles‘ außerordentlich ambivalentes Verhältnis zum „Staat“ und politischen Handeln auf, das geradezu anarchistisch radikale Züge hat. Das vorherrschende, wenngleich durchaus widersprüchliche Deutungsmuster von Autonomie besteht darin, Autonomie als Verfügbarkeit über Geld zu begreifen, das sie von anderen unabhängig mache. Dieses abstrakte Verständnis von Autonomie richtet sich damit gegen jede lebenspraktische Verflochtenheit, die nicht hintergehbar ist; eine solche Verflochtenheit ist aber sowohl in gesellschaftlichen (Arbeitsteilung) wie in gemeinschaftlichen Sozialbeziehungen (Gattenbeziehung, Gemeinwesen) für Autonomie geradezu unabdingbar.

Sascha Liebermann

Über die Arbeit an einer Strukturtheorie des Unterrichts und die dabei auftretenden methodologischen Probleme

Der Beitrag von Johannes Twardella befasst sich mit methodologischen Fragen, die bei der Arbeit an einer Strukturtheorie des Unterrichts aufgetreten sind. Das Besondere an dieser Theorieentwicklung, deren Datengrundlage Notate von Unterrichtsstunden sind, ist, dass sie den Anspruch erheben kann – im Gegensatz zu einer Vielzahl von Theorien des Unterrichts – in dem Sinne empirisch fundiert zu sein, dass sie aus der Rekonstruktion des alltäglichen Unterrichts hervorgegangen ist. In dem Beitrag wird zunächst die Forschungsfrage expliziert. Dann wird der Frage nach der adäquaten theoretischen Modellierung von Unterricht nachgegangen und die Frage aufgegriffen, welche Methode für die Arbeit an einer Strukturtheorie des Unterrichts geeignet ist. Der Fokus liegt sodann auf der Frage, wie von der Rekonstruktion ausgewählter Fälle zu einer materialen Theorie des Unterrichts gelangt werden kann. Die Antwort wird in dem Entwurf einer Typologie gesehen, mit deren Hilfe schließlich auch die Ausgangsfrage nach der Möglichkeit einer allgemeinen Theorie des Unterrichts beantwortet werden kann.

Johannes Twardella

Verlaufsformen fallrekonstruktiver Forschung

Methodologische Reflexion einer Untersuchung zum Berufshabitus von Umweltmediatoren

Der Band schließt mit einem Beitrag von Peter Münte, in dem skizziert wird, wie sich die Umweltmediation – ein Verfahren, das in den USA entwickelt wurde und seit den 1990er Jahren auch in Deutschland bei der Auseinandersetzung über umstrittene Infrastrukturvorhaben angewendet wird – als Gegenstand fallrekonstruktiver Forschung einrichten lässt. In Anlehnung an den tatsächlichen Verlauf eines Forschungsvorhabens zum Berufshabitus von Umweltmediatoren wird gezeigt, wie sich eine (vorläufige) Ausgangshypothese entwickeln lässt, mit der die untersuchte Tätigkeit einem universalen Problemfokus humaner Sozialität zugeordnet und in einem bestimmten Kontext der Entwicklung der modernen Gesellschaft ansiedelt werden kann. Es wird außerdem gezeigt, inwiefern diese Ausgangshypothese bei der anschließenden Materialanalyse in Schwierigkeiten führt und wie diese behoben werden können. Ziel des Beitrags ist zu verdeutlichen, dass gerade das Scheitern einer den Forschungsprozess strukturierenden Ausgangshypothese für die Gegenstandserschließung fruchtbar sein kann.

Peter Münte

Backmatter

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