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Über dieses Buch

Dieses kleine Buch liefert historisch belegte Fakten ungewöhnlicher Maßnahmen und raffinierter Ideen aus der langen Leidensgeschichte der Steuern und Abgaben, die Schlaglichter auch auf heutige Eigenwilligkeiten und empfundene Absurditäten der Steuergesetzgebung werfen. Die kurzen, leicht lesbaren Texte und ihr unterhaltsamer Charakter eignen sich perfekt, um sie als kleine Geschichten im Büro, in Reden oder in persönlichen Gesprächen aufzugreifen. Die übersichtliche, alphabetisch sortierte und mit vielen Illustrationen angereicherte Darstellung garantiert auch in der 2., durchgesehenen Auflage eine informative und unterhaltsame Lektüre. In der sonst oft trockenen Welt der Steuertexte ist das Werk eine erfrischende Abwechslung und ein wunderbares, handliches Geschenk für alle, die sich beruflich mit Steuern beschäftigen, sowie für alle, die sie mehr oder weniger freudig zu entrichten haben.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Von ablass bis ausplünderung

Die Papstkirche hatte über Jahrhunderte ein vielgestaltiges Abgabensystem geschaffen, das in erster Linie dafür sorgte, dass ein Teil der finanziellen Erhebungen direkt der Kammer des Papstes zufiel. Der größte Teil der Abgaben und Steuern – wie Palliengelder, Salvitien, Annaten, Kommenden, Verkauf von Ablassbriefen etc. – diente dazu, auf die weltlichen Angelegenheiten, wenn nötig mit militärischen Mitteln, Einfluss zu nehmen.
Reiner Sahm

Von bartsteuer bis böser pfennig

Eine besonders eigenwillige Steuer führte Peter I. 1699 ein. In seinem Bestreben, westliche Lebensformen in Russland heimisch zu machen, verlangte er nicht nur eine entsprechende Kleidung, sondern stieß sich auch an der religiös begründeten Sitte der Männer, lange Bärte zu tragen. Um dieses Ärgernis abzuschaffen, schnitt er nicht nur Männern eigenhändig die Bärte ab, sondern führte sogar eine Bartsteuer ein.
Reiner Sahm

Wie census

Während seiner Amtszeit hat Augustus im Jahre 8 v. Chr. zum ersten Mal auch in Syrien den „Census“ angeordnet. Der Schriftsteller Lactantius berichtet, wie es bei einer solchen Besteuerung zuging: „Die Zensoren erschienen allerorts und brachten alles in Aufruhr. Die Äcker wurden Scholle für Scholle vermessen, jeder Weinstock, jeder Obstbaum gezählt, jedes Stück Vieh.
Reiner Sahm

Von dachsteuer bis dummensteuer

Ende des 18. Jahrhunderts deckten die Österreicher die Dächer unbenutzter Häuser ab, nachdem Kaiser Josef II. die Größe der Dachfläche zur Grundlage der Steuerhöhe erklärt hatte. Dies hatte zur Folge, dass viele Burgen und Gebäude verfielen.
Reiner Sahm

Wie erntesteuer

Bereits im 3. Jahrhundert vor Christi wurde die Höhe der Nilüberschwemmung mit dem „Nilometer“ gemessen, um einen Faktor für die Berechnung der Erntesteuer zu erhalten. Je höher die Überschwemmung war, umso besser stellte sich die Ernte ein und entsprechend höher war die Erntesteuer. Besteuert wurde die Ernteleistung, nicht der Grundbesitz, denn der gehörte dem Pharao.
Reiner Sahm

Von fahrradsteuer bis fräuleinsteuer

Eine Fahrradsteuer wurde erstmals in Frankreich 1893 eingeführt, Italien folgte 1897 und Bremen und Hessen 1899. Andere Länder folgten diesem Beispiel. Besitzer von Fahrrädern hatten eine „Fahrkarte“ zu beantragen, auf die eine Stempelsteuer erhoben wurde.
Reiner Sahm

Wie galgensteuer

Das war eine Abgabe, die die Gerichtsherrschaft den Gerichtsuntertanen zur Deckung der Kosten für die Errichtung des Galgens auferlegte. Im Amt Medingen bei Uelzen wurde 1670 aus erzieherischen Gründen die Einwohnerschaft zum Bau des Galgens herangezogen. „Was das Gericht zu bawen gekostet, haben solches die Semptlichen Medingischen Ambt- Untertanen unter sich aufbringen müssen…“ (zitiert in Schomburg, Walter 1992, S. 113) Beim Celler Hochgericht wurden im 17. und 18. Jh. alle holzverarbeitenden Meister aufgefordert, unentgeltlich zu arbeiten; nach Fertigstellung des Galgens wurden ein paar Fass Bier spendiert.
Reiner Sahm

Von hagestolzsteuer bis hundesteuer

Diese Sondersteuer auf Ehelosigkeit wurde nach den Verlusten des 30jährigen Krieges als bevölkerungspolitische Maßnahme angewandt. In Thüringen wurden z.B. Junggesellen, sofern sie das fünfundzwanzigste Lebensjahr überschritten hatten, zur Hagestolzsteuer herangezogen. Einige Jahre steuerfrei waren diejenigen, die vor Erreichung des zwanzigsten Lebensjahres heirateten.
Reiner Sahm

Wie inflation

Die gefährlichste Steuer der Welt steht in keinem Gesetzbuch – es ist die Inflation. Von der normalen Steuer unterscheidet sich die Inflation durch die Tatsache, dass die Erträge dieser Steuer nicht an das Finanzamt gehen, sondern über die Staatsverschuldung den Weg in den Staatssäckel finden. Die Schulden von heute sind die Steuern von morgen, denn alle Wohltaten, die der Staat den Bürgern heute auf Pump gewährt, müssen später bezahlt werden, die Steuerkeule folgt auf dem Fuß.
Reiner Sahm

Von judenbegräbnisgeld bis judenvermögensabgabe

Ein Judenbegräbnisgeld war als städtische Gebühr für die Erlaubnis des Rates festgelegt, den Verstorbenen zu begraben oder einen eigenen Friedhof zu unterhalten. Für eine solche Erlaubnis mussten die Juden in Quedlinburg um 1480 eine Gebühr von einem Gulden entrichten. In Baden-Durach wurde 1672 bestimmt, dass, ohne Rücksicht auf das Geschlecht von schirmverwandten Juden für einen jungen drei, für einen alten sechs Gulden, bei Fremden aber das Doppelte zu bezahlen sei.
Reiner Sahm

Von kaffeesteuer bis kriegssteuer

Erste Kaffeehäuser wurden 1683 in Wien und 1694 in Leipzig eröffnet, später kamen solche Häuser auch in Nürnberg, Regensburg und Frankfurt am Main hinzu, wobei die Leipziger Messen für eine schnelle Entwicklung, aber auch Auswüchse sorgten. Mehrere Landesherren gingen mit Strenge gegen den Kaffeegenuss vor. Die bischöfliche Regierung von Hildesheim empfahl 1780 den „deutschen Männern“ den Genuss von Bier und Branntwein: „Wer sich untersteht, Bohnenkaffee zu verkaufen, dem wird der ganze Vorrat konfiscirt.“
Reiner Sahm

Von lämmerzehnt bis luxussteuern

Der Pfarrer holte sich zu Ostern Zehntlämmer als Naturalabgabe. Dazu musste er alljährlich auf die Höfe gehen und die Zehntlämmer zwischen Ostern und Pfingsten aussuchen und „verzeichnen“. Das Auszeichnen „soll sein niet van den besten und auch niet van den snoetsten…“.
Reiner Sahm

Von mahl- und schlachtsteuer bis musikinstrumentensteuer

Mahl- und Schlachtsteuer nannte man eine in Preußen 1820 eingeführte Steuer auf in die Stadt eingebrachtes Fleisch und Getreide, die wegen ihrer unsozialen Wirkung starker Kritik ausgesetzt war. Die Mahlsteuer wurde auf das zur Mühle gebrachte Getreide und die in das Steuergebiet eingeführten Fertigwaren erhoben, die Schlachtsteuer auf die zum Schlachten angelieferten Tiere bzw. die eingeführten Fleisch- und Fettwaren. Nicht der Steuer unterlag hingegen das Wildbrett, das wohlhabende Jäger von der Jagd mitbrachten; diese konnten unbehelligt und unkontrolliert vor den Augen der Bevölkerung das Stadttor passieren.
Reiner Sahm

Von nachtigallensteuer bis nachtsteuer

Zu welch merkwürdigen Blüten die Besteuerungssucht der deutschen Bürokratie im 19. Jh. führte, zeigt die im Jahre 1853 im Großherzogtum Hessen eingeführte Nachtigallensteuer, die als eine Luxussteuer für diejenigen gedacht war, die eine Nachtigall in einem Käfig, vergleichbar mit einem Kanarienvogel, hielten. Gem.
Reiner Sahm

Von papiersteuer bis prinzessinnensteuer

In England wurde seit 1697 und – nach zwischenzeitlicher Abschaffung – wieder ab 1710 eine Steuer auf alles im Inland produzierte Papier erhoben. Es mehrten sich die Proteste, in erster Linie wehrten sich die Schriftsteller, die Buchhändler und die Leser gegen diese Steuer. Als diese Papiersteuer 1861 aufgehoben wurde, führte dies zu einer erheblichen Steigerung der Papierproduktion.
Reiner Sahm

Von rebellionssteuer bis römermonate

Die Rebellionssteuer war eine Sondersteuer in der Grafschaft Glatz/Schlesien, die von den Untertanen zu zahlen waren, die es wagten, die katholische Glaubenshaltung des „Landesvaters“ abzulehnen. „Die Rebellionsgroschen haben ihren Ursprung aus dem 30jährigen Krieg, wie diese ganze Grafschaft der evangelischen Religion zugetan war. Zur Strafe wegen angeschuldigter Rebellion ist diese Abgabe dem Lande auferlegt, und nach völliger Ausrottung der protestantischen Einwohner noch immer bis auf die jetzigen Zeiten beibehalten und bei der Landrentei eingenommen worden.
Reiner Sahm

Von saladinszehnt bis steuersystem

Als es Sultan Saladin 1187 gelungen war, Jerusalem einzunehmen, rief Papst Gregor VIII. zu einem weiteren Kreuzzug auf. Um ihn finanzieren zu können, ließen die beiden Könige Heinrich II. und Ludwig VII. die berühmteste Kreuzzugssteuer, den „Saladinszehnten“, ausschreiben.
Reiner Sahm

Von tabaksteuer bis türkensteuer

Der Dreißigjährige Krieg war auslösendes Moment für die Verbreitung des Rauchens mit steigender Nachfrage nach Tabak und größer werdenden Anbauflächen. Damit begann der Tabakanbau 1620 in Straßburg, 1660 im Elsaß und 1681 in Brandenburg. Die weltlichen und geistlichen Regierungen belegten das Tabakrauchen mit Strafen, um den als Laster angesehenen Tabakgenuss einzudämmen.
Reiner Sahm

Wie ungläubigensteuer

Der Türkensteuer stand auf der islamischen Seite die „Ungläubigensteuer“/Dschizya gegenüber. Diese war eine Kopfsteuer, die den unter islamischer Herrschaft stehenden Juden und Christen auferlegt wurde. Durch die im Koranwort Sure 9, Vers 9 festgelegte Steuer wurden die „Ungläubigen“, die unter muslimischer Obrigkeit Schutz ihres Lebens und ihres Eigentums sowie das Recht auf die freie Ausübung ihrer religiösen Bräuche genossen, zu „Schutzbefohlenen“.
Reiner Sahm

Von wallfahrtsteuer bis whiskeysteuer

Gelegentlich wurde in mittelalterlichen Städten eine Wallfahrtsteuer gefordert, um der „frommen Wanderlust“ ihrer Bürger Schranken zu setzen, „denn die Pilgerfahrten konnten bei den unruhigen Zeiten die Gemeinwesen leicht in politische und gar kriegerische Verwicklungen stürzen.“ 1468: „In diesem Jahr war abermalen eine Aken-Fahrt. Es ward den Bürgern von Göttingen ganz heftig verboten, Frauen und Mannen, dann es noch viele Krieges war hin und wider in allen Landen…“.
Reiner Sahm

Wie zehnt

Mit dem Zehnten fing es an: „Alle Zehnten im Lande, beides vom Samen des Landes und von den Früchten der Bäume, sind des Herrn und sollen dem Herrn heilig sein.
Reiner Sahm

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