Zum Inhalt

Vorwort der Herausgeber

  • Open Access
  • 22.07.2025
  • Editorial
Erschienen in:

Aktivieren Sie unsere intelligente Suche, um passende Fachinhalte oder Patente zu finden.

search-config
loading …
Download

Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Liebe Leserinnen und Leser,
Statistik ist weit mehr als nur das Erheben und Auswerten von Zahlen. Sie dient als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen, als Analyseinstrument und als Grundlage für politische Entscheidungen. Noch bevor Daten erhoben und analysiert werden können, besteht eine zentrale Aufgabe der Statistik darin, die komplexe Realität in eine zählbare Form zu überführen. Diese Herausforderung wird als Adäquationsproblem bezeichnet – ein Begriff, den Heinz Grohmann bereits 1985 in dieser Zeitschrift prägnant beschrieben hat (Grohmann 1985).
Heinz Grohmann zählt zu den bedeutendsten Statistikern Deutschlands. Zu seinen Ehren wird seit 2011 jährlich im Rahmen der Statistischen Woche die Heinz-Grohmann-Vorlesung gehalten, deren Inhalte traditionell im AStA – WiSoStA veröffentlicht werden.
Im Jahr 2024 wurde die Vorlesung von Walter Radermacher gehalten – einem ausgewiesenen Experten mit langjähriger Erfahrung, unter anderem als Präsident des Statistischen Bundesamts und Generaldirektor von Eurostat. In seinem Beitrag „Statistik und Gesellschaft – Adäquation heute“ (Radermacher 2025) zeigt er anschaulich auf, wie der ‚Dreiklang der amtlichen Statistik‘ – von der methodischen Entwicklung über die Datenerhebung bis hin zur nutzergerechten Aufbereitung, etwa für die Politikberatung – unter heutigen Bedingungen gelingen kann. Dabei werden neue Datenquellen, moderne Methoden und der Einfluss sozialer Medien berücksichtigt.
Die vorliegende Ausgabe des AStA – WiSoStA widmet sich darüber hinaus vieri hochaktuellen Themen, die zeigen, wie unterschiedliche statistische Ansätze unser Leben abbilden können: dem Mietwohnungsmarkt, den Gesundheitsausgaben in Deutschland und unsicherheiten in dynamischen Mikrosimulationsmodellen.
Im Beitrag werfen Michael Windmann, Adrian Reichert, Michael Fürnrohr und Göran Kauermann (2025) einen genauen Blick auf die Mietstruktur in München. Der Vergleich zwischen dem Mietspiegel 2023 und den Daten der Gebäude- und Wohnungszählung des Zensus 2022 offenbart deutliche Unterschiede – sowohl in der Höhe der Mieten als auch hinsichtlich der Art der Vermieter. Besonders spannend: Wohnungen von nicht gewinnorientierten Vermietern liegen teils deutlich unter dem Niveau des Mietspiegels, während Eigentumswohnungen im Besitz privater Wohnungseigentümergemeinschaften diesen überschreiten. Die Analyse beleuchtet, wie sehr die Eigentümerstruktur die Miethöhe beeinflusst – ein entscheidender Aspekt für die aktuelle wohnungspolitische Debatte.
Wolf-Dietmar Speich (2025) widmet sich der Gesundheitsausgabenrechnung – einem weniger bekannten, dennoch bedeutsamen Teil der amtlichen Statistik. Hier geht es um mehr als nur die Erfassung von Konsumausgaben: Die funktionale Abgrenzung nach internationalen Standards erlaubt einen umfassenden Blick auf alle Ausgaben im Gesundheitsbereich, inklusive Investitionen und erweiterter Leistungen. Der Beitrag erläutert die methodischen Unterschiede zur volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und stellt die Bedeutung dieser Zahlen für gesundheitspolitische Entscheidungen heraus. Besonders in Zeiten des demografischen Wandels liefert diese Gesamtrechnung wertvolle Erkenntnisse für eine evidenzbasierte Politikgestaltung.
Der vierte Artikel behandelt die Analyse von dynamischen Mikrosimulationen. Diese ermöglichen eine detailreiche Abbildung gesellschaftlicher Entwicklungen auf individueller Ebene – und eröffnen damit neue Perspektiven für evidenzbasierte Politik. Die zugrundeliegenden Annahmen bringen jedoch unterschiedliche Unsicherheiten mit sich. Jan Pablo Burgard und Simon Schmaus (2025) zeigen, dass varianzbasierte Sensitivitätsanalysen einen methodisch fundierten Zugang bieten, um die Effekte dieser Unsicherheiten zu analysieren. Zusätzlich schlagen sie Visualisierungen vor, mit denen leicht abgelesen werden kann, wie stark Modellannahmen die Ergebnisse beeinflussen. Gerade bei langfristigen oder regional differenzierten Maßnahmen erleichtert die dadurch gewonnene Transparenz die Analyse erheblich. Insbesondere trägt es dazu bei, mikrosimulationsbasierte gesellschaftspolitische Entscheidungen robuster und nachvollziehbarer zu gestalten.
Vier Artikel, vier Themen – und doch eint sie ein gemeinsames Ziel: ein besseres Verständnis für die Strukturen, die unseren Alltag prägen.
Die im letzten Vorwort versprochen Rezension des Buches von Walter Krämer (2024) „Statistik hautnah – 27 persönliche Einblicke in eine faszinierende Wissenschaft“ durch Ulrich Rendtel (2025) ist nun mit etwas verzögerung auch publiziert.
Die Herausgeber
Jan Pablo Burgard, Markus Zwick

Interessenkonflikt

J. Burgard und M. Zwick geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Open Access This article is licensed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License, which permits use, sharing, adaptation, distribution and reproduction in any medium or format, as long as you give appropriate credit to the original author(s) and the source, provide a link to the Creative Commons licence, and indicate if changes were made. The images or other third party material in this article are included in the article's Creative Commons licence, unless indicated otherwise in a credit line to the material. If material is not included in the article's Creative Commons licence and your intended use is not permitted by statutory regulation or exceeds the permitted use, you will need to obtain permission directly from the copyright holder. To view a copy of this licence, visit http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/.

Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Download
Titel
Vorwort der Herausgeber
Verfasst von
Jan Pablo Burgard
Markus Zwick
Publikationsdatum
22.07.2025
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Erschienen in
AStA Wirtschafts- und Sozialstatistisches Archiv / Ausgabe 1-2/2025
Print ISSN: 1863-8155
Elektronische ISSN: 1863-8163
DOI
https://doi.org/10.1007/s11943-025-00357-5
Zurück zum Zitat Burgard JP, Schmaus S (2025) Sensitivitätsanalysen zur Quantifizierung von Unsicherheiten in zeitdiskreten dynamischen Mikrosimulationsmodellen. AStA Wirtsch Sozialstat Arch. https://doi.org/10.1007/s11943-025-00356-6CrossRef
Zurück zum Zitat Grohmann H (1985) Vom theoretischen Konstrukt zum statistischen Begriff – Das Adäquationsproblem‘. Allg Stat Arch 69:1–15MathSciNet
Zurück zum Zitat Krämer W (Hrsg) (2024) Statistik hautnah: 27 persönliche Einblicke in eine faszinierende Wissenschaft. Springer Gabler, Berlin https://doi.org/10.1007/978-3-662-69596-8CrossRef
Zurück zum Zitat Radermacher WJ (2025) Statistik und Gesellschaft – Adäquation heute. AStA Wirtsch Sozialstat Arch. https://doi.org/10.1007/s11943-025-00355-7CrossRef
Zurück zum Zitat Rendtel U (2025) Rezension: Walter Krämer „Statistik hautnah – 27 persönliche Einblicke in eine faszinierende Wissenschaft“. AStA Wirtsch Sozialstat Arch. https://doi.org/10.1007/s11943-025-00354-8CrossRef
Zurück zum Zitat Speich WD (2025) Konsumausgaben und Gesundheitsökonomische Gesamtrechnungen. AStA Wirtsch Sozialstat Arch. https://doi.org/10.1007/s11943-025-00351-xCrossRef
Zurück zum Zitat Windmann M, Reichert A, Fürnrohr M, Kauermann G (2025) Mietwohnungen in München – Ein Vergleich von Zensusdaten und Mietspiegeldaten. AStA Wirtsch Sozialstat Arch. https://doi.org/10.1007/s11943-025-00353-9CrossRef

Premium Partner

    Bildnachweise
    Salesforce.com Germany GmbH/© Salesforce.com Germany GmbH, IDW Verlag GmbH/© IDW Verlag GmbH, msg for banking ag/© msg for banking ag, Governikus GmbH & Co. KG/© Governikus GmbH & Co. KG, Horn & Company GmbH/© Horn & Company GmbH, EURO Kartensysteme GmbH/© EURO Kartensysteme GmbH, Jabatix S.A./© Jabatix S.A., Doxee AT GmbH/© Doxee AT GmbH