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Liebe Leserinnen und Leser,
Statistik ist weit mehr als nur das Erheben und Auswerten von Zahlen. Sie dient als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen, als Analyseinstrument und als Grundlage für politische Entscheidungen. Noch bevor Daten erhoben und analysiert werden können, besteht eine zentrale Aufgabe der Statistik darin, die komplexe Realität in eine zählbare Form zu überführen. Diese Herausforderung wird als Adäquationsproblem bezeichnet – ein Begriff, den Heinz Grohmann bereits 1985 in dieser Zeitschrift prägnant beschrieben hat (Grohmann 1985).
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Heinz Grohmann zählt zu den bedeutendsten Statistikern Deutschlands. Zu seinen Ehren wird seit 2011 jährlich im Rahmen der Statistischen Woche die Heinz-Grohmann-Vorlesung gehalten, deren Inhalte traditionell im AStA – WiSoStA veröffentlicht werden.
Im Jahr 2024 wurde die Vorlesung von Walter Radermacher gehalten – einem ausgewiesenen Experten mit langjähriger Erfahrung, unter anderem als Präsident des Statistischen Bundesamts und Generaldirektor von Eurostat. In seinem Beitrag „Statistik und Gesellschaft – Adäquation heute“ (Radermacher 2025) zeigt er anschaulich auf, wie der ‚Dreiklang der amtlichen Statistik‘ – von der methodischen Entwicklung über die Datenerhebung bis hin zur nutzergerechten Aufbereitung, etwa für die Politikberatung – unter heutigen Bedingungen gelingen kann. Dabei werden neue Datenquellen, moderne Methoden und der Einfluss sozialer Medien berücksichtigt.
Die vorliegende Ausgabe des AStA – WiSoStA widmet sich darüber hinaus vieri hochaktuellen Themen, die zeigen, wie unterschiedliche statistische Ansätze unser Leben abbilden können: dem Mietwohnungsmarkt, den Gesundheitsausgaben in Deutschland und unsicherheiten in dynamischen Mikrosimulationsmodellen.
Im Beitrag werfen Michael Windmann, Adrian Reichert, Michael Fürnrohr und Göran Kauermann (2025) einen genauen Blick auf die Mietstruktur in München. Der Vergleich zwischen dem Mietspiegel 2023 und den Daten der Gebäude- und Wohnungszählung des Zensus 2022 offenbart deutliche Unterschiede – sowohl in der Höhe der Mieten als auch hinsichtlich der Art der Vermieter. Besonders spannend: Wohnungen von nicht gewinnorientierten Vermietern liegen teils deutlich unter dem Niveau des Mietspiegels, während Eigentumswohnungen im Besitz privater Wohnungseigentümergemeinschaften diesen überschreiten. Die Analyse beleuchtet, wie sehr die Eigentümerstruktur die Miethöhe beeinflusst – ein entscheidender Aspekt für die aktuelle wohnungspolitische Debatte.
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Wolf-Dietmar Speich (2025) widmet sich der Gesundheitsausgabenrechnung – einem weniger bekannten, dennoch bedeutsamen Teil der amtlichen Statistik. Hier geht es um mehr als nur die Erfassung von Konsumausgaben: Die funktionale Abgrenzung nach internationalen Standards erlaubt einen umfassenden Blick auf alle Ausgaben im Gesundheitsbereich, inklusive Investitionen und erweiterter Leistungen. Der Beitrag erläutert die methodischen Unterschiede zur volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und stellt die Bedeutung dieser Zahlen für gesundheitspolitische Entscheidungen heraus. Besonders in Zeiten des demografischen Wandels liefert diese Gesamtrechnung wertvolle Erkenntnisse für eine evidenzbasierte Politikgestaltung.
Der vierte Artikel behandelt die Analyse von dynamischen Mikrosimulationen. Diese ermöglichen eine detailreiche Abbildung gesellschaftlicher Entwicklungen auf individueller Ebene – und eröffnen damit neue Perspektiven für evidenzbasierte Politik. Die zugrundeliegenden Annahmen bringen jedoch unterschiedliche Unsicherheiten mit sich. Jan Pablo Burgard und Simon Schmaus (2025) zeigen, dass varianzbasierte Sensitivitätsanalysen einen methodisch fundierten Zugang bieten, um die Effekte dieser Unsicherheiten zu analysieren. Zusätzlich schlagen sie Visualisierungen vor, mit denen leicht abgelesen werden kann, wie stark Modellannahmen die Ergebnisse beeinflussen. Gerade bei langfristigen oder regional differenzierten Maßnahmen erleichtert die dadurch gewonnene Transparenz die Analyse erheblich. Insbesondere trägt es dazu bei, mikrosimulationsbasierte gesellschaftspolitische Entscheidungen robuster und nachvollziehbarer zu gestalten.
Vier Artikel, vier Themen – und doch eint sie ein gemeinsames Ziel: ein besseres Verständnis für die Strukturen, die unseren Alltag prägen.
Die im letzten Vorwort versprochen Rezension des Buches von Walter Krämer (2024) „Statistik hautnah – 27 persönliche Einblicke in eine faszinierende Wissenschaft“ durch Ulrich Rendtel (2025) ist nun mit etwas verzögerung auch publiziert.
Die Herausgeber
Jan Pablo Burgard, Markus Zwick
Interessenkonflikt
J. Burgard und M. Zwick geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
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