Skip to main content

17.08.2016 | Wärmeschutz | Schwerpunkt | Online-Artikel

Aufdoppelung älterer Wärmeverbundsysteme

verfasst von: Christoph Berger

2:30 Min. Lesedauer

Aktivieren Sie unsere intelligente Suche um passende Fachinhalte oder Patente zu finden.

search-config
print
DRUCKEN
insite
SUCHEN
loading …

In einer aktuellen Studie beschäftigten sich Wissenschaftler mit der Nachdämmung bereits gedämmter Außenwände. Demnach gibt es in Deutschland 417 Millionen Quadratmeter Wandfläche, die aufgedoppelt werden kann.

Würde dies bis zum Jahr 2030 geschehen, könnten gegenüber 2015 Energieeinsparungen von etwa 9,2 Terawattstunden pro Jahr erreicht werden. Das geht aus der aktuellen Studie "Nachdämmung ("Aufdoppelung") alter Wärmedämmverbundsysteme an Wohngebäuden" durch das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM hervor.

Das Institut hat im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung und vier Industrieunternehmen die Potenziale, Erfahrungen sowie die Wirtschaftlichkeit der Aufdoppelung älterer Wärmedämmverbundsysteme untersucht. Zudem wurden Kriterien zur Berücksichtigung und Beurteilung von Aspekten der Nachhaltigkeit, Technik und Gestaltung bei der Nachdämmung erarbeitet.

Eine zweite Dämmschicht und ein neuer Putz

Mit der Studie wird auf die Tatsache reagiert, dass viele Gebäude bereits vor Jahrzehnten gedämmt wurden. Viele der damals gedämmten Häuser entsprechen aber heute nicht mehr dem Stand der Technik eines guten Wärmeschutzes. "Die sehr gute wärmeschutztechnische Ausführung der Gebäudehülle mit Wärmedurchgangskoeffizienten von rund 0,15 W/(m²·K) ist im Neubaubereich mit gedämmten Konstruktionen seit vielen Jahren baupraktisch umsetzbar", heißt es im Kapitel "Baulicher Wärmeschutz" des Springer-Fachbuchs "Lehrbuch der Bauphysik". Dem gegenüber steht der Altbau. So schreiben die Autoren des Kapitels "Fassaden – Mauerwerk – Wände" im Springer-Fachbuch "Bausanierung": "Auch die Instandsetzung älterer Gebäude sollte heute nach Möglichkeit mit einer energetischen Verbesserung der Gebäudehülle einhergehen. In vielen Fällen darf oder kann die Fassade jedoch nicht verändert werden, sodass eine Außendämmung nicht infrage kommt."

Empfehlung der Redaktion

2015 | OriginalPaper | Buchkapitel

Fassaden – Mauerwerk – Wände

Wände Wand sind vertikale Bauteile werden nach ihrem Standort, der Konstruktion, der Funktion, nach der Nutzung und nicht zuletzt nach dem verbauten Material eingeo


Die Forscher des IFAM kommen in ihren Untersuchungen zu dem Schluss, dass einst und aus heutiger Sicht unzureichend gedämmte Wände ein weiteres Mal gedämmt werden sollten. Sei bisher ein sogenanntes Wärmedämmverbundsystem (WDVS) verwendet worden, so könne die Verbesserung durch eine Aufdoppelung erfolgen. Dabei werden im Wesentlichen eine zweite Dämmschicht und ein neuer Putz aufgebracht.

U-Wert ist Grundlage der Entscheidung

Grundsätzlich sei der U-Wert, der Wärmedurchgangskoeffizient, des Alt-Systems eine Entscheidungsgrundlage für die Aufdoppelung. Wie dieser errechnet wird, wird im Kapitel "Wärmetransport" des Springer-Fachbuchs "Lehrbuch der Bauphysik" ab Seite 29 beschrieben.

Bei Gebäuden gelten Außenwände laut dem IFAM mit Dämmschichtdicken von weniger als zehn Zentimetern bei einer Wärmeleitfähigkeit von 0,040 W/(m*K) beziehungsweise einem Wärmedurchgangskoeffizienten von mehr als 0,35 W/(m²*K) als nicht mehr zukunftsfähig. Damit ein zeitgemäßer U-Wert von höchstens 0,20 W/(m²*K) erreicht wird, können die Häuser problemlos mit einem zweiten Wärmedämmverbundsystem nachgerüstet werden. Ist beispielsweise ein Alt-WDVS mit einer Dämmschichtdicke von sechs Zentimetern auf einem üblichen Mauerwerk vorhanden, so wird die genannte U-Wert-Anforderung mit einer zweiten zehn Zentimeter dicken Dämmschicht mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,035 W/(m*K) erreicht.

Die Wissenschaftler kamen zudem nach den Untersuchungen an vier Modellgebäuden zu dem Ergebnis, dass in Bezug auf die Außenwandfläche durch die Aufdoppelung eine Endenergieeinsparung von 19,4 bis 27,2 kWh/(m²*a) erzielt werden kann. Im Durchschnitt könnten dadurch etwa 22,0 kWh/(m²Wand*a) erreicht werden.

print
DRUCKEN

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2013 | OriginalPaper | Buchkapitel

Baulicher Wärmeschutz

Quelle:
Lehrbuch der Bauphysik

2013 | OriginalPaper | Buchkapitel

Wärmetransport

Quelle:
Lehrbuch der Bauphysik

2015 | OriginalPaper | Buchkapitel

Mauerwerk und Putz

Quelle:
Wendehorst Bautechnische Zahlentafeln

2015 | OriginalPaper | Buchkapitel

Wände

Quelle:
Frick/Knöll Baukonstruktionslehre 1

Das könnte Sie auch interessieren

30.10.2014 | Baustoffe | Schwerpunkt | Online-Artikel

Innendämmung an historischen Gebäuden

20.01.2016 | Dämmung | Schwerpunkt | Online-Artikel

Wärmedämmung ist wichtiger als der Preis

06.10.2014 | Baustoffe | Schwerpunkt | Online-Artikel

Dämmen mit Stroh

12.05.2015 | Baukonstruktion | Schwerpunkt | Online-Artikel

Klett-Befestigung für recycelbares Fassadensystem