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Über dieses Buch

Andrea Hense entwickelt ein theoretisches Modell zur sozialen Erklärung subjektiver Ungleichheitswahrnehmungen, das eine theoriegeleitete Hypothesengenerierung anleitet und empirisch prüfbar ist. Ihr PFH-Modell kombiniert Lindenbergs Theorie sozialer Produktionsfunktionen mit Bourdieus Feld- und Habitustheorie und ergänzt ressourcenorientierte Ansätze mit einer relationalen und zeitlichen Analyseperspektive. Die Autorin wendet das Modell zur Analyse sozialer Einflussfaktoren selbst wahrgenommener Beschäftigungs- und Einkommensprekarität an und zeigt, wie es zur Hypothesengenerierung eingesetzt werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Konzeptionelle und empirische Grundlagen

Frontmatter

Kapitel 1. Prekarität: Expansion neuer sozialer Unsicherheit

„Prekarität“ kennzeichnet das Brüchigwerden von sozialer Sicherheit bzw. die Gefahr eines Verlusts der Teilhabe am Erwerbsleben und der dadurch vermittelten Teilhabe am Wohlstand einer Gesellschaft (vgl. Kapitel 1.1.2). Die Genese des Prekaritätsbegriffs korrespondiert mit sozialstaatlichen Veränderungen in den Industriestaaten, die zu einer Re-Kommodifizierung der Erwerbsarbeit und zu einer Reduktion substitutiver Sozialleistungen geführt haben. „Prekarität“ kann somit als Chiffre für die neue soziale Frage in gegenwärtigen Industriegesellschaften angesehen werden.

Andrea Hense

Kapitel 2. Wahrnehmung von Erwerbsprekarität

Die Prekaritätsforschung hat sich bislang primär auf objektive Indikatoren bezogen, um Erwerbsprekarität zu untersuchen (vgl. Kapitel 1.1.3, 1.1.4 und 1.2.4). Dieser Forschungszugang informiert über strukturelle Risiken, die auf eine potentielle Gefährdung der Teilhabe am Erwerbsleben und gesellschaftlichen Wohlstand hinweisen. Die strukturellen Bedingungen wirken sich auf die Erwerbsteilhabe sowie die Erwerbsverläufe unabhängig davon aus, ob dieses von den betroffenen Personen auch so eingeschätzt wird.

Andrea Hense

Theorie zur sozialen Erklärung von Ungleichheitswahrnehmungen: Entwicklung eines theoretischen Erklärungsmodells

Frontmatter

Kapitel 3. Intro: Anforderungen an geeignete Theorien

Theorien sozialer Ungleichheit fehlt zumeist eine theoriegeleitete Erklärung der sozialstrukturellen Beeinflussung vonWahrnehmungen sozialer Ungleichheit. Sie gehen zwar von einer sozialstrukturellen Prägung individueller Wahrnehmungen aus und unterstellen beispielsweise ein Klassenbewusstsein (Marx) oder Schichtmentalitäten (Geiger). Doch theoretisch bleiben diese Ansätze in der Regel bei der Annahme stehen, dass individuelle Wahrnehmungen durch klassen- oder schichttypische Lebensbedingungen beeinflusst werden, ohne eine theoretische Erklärung für die sozialstrukturelle Beeinflussung der subjektiven Wahrnehmung zu formulieren (vgl. z. B. Barlösius 2004: 38 f.; Burzan 2011; Solga et al. 2009; Grusky 2008).

Andrea Hense

Kapitel 4. Wahrnehmung aus Sicht des Methodologischen Individualismus von Lindenberg

Das Makro-Mikro-Makro-Modell des Methodologischen Individualismus (vgl. Coleman 1990: 10; Boudon 1980: 122 ff.; Lindenberg und Wippler 1978; McClelland 1961: 47 ff.; Esser 1993: 91 ff.) ist in der deutschsprachigen Soziologie insbesondere durch die Arbeiten von Hartmut Esser verbreitet worden und aufgrund seiner schematischen Darstellung auch unter den Bezeichnungen „Coleman boat“ bzw. „Essers Badewanne“ bekannt.

Andrea Hense

Kapitel 5. Wahrnehmung aus Sicht des Methodologischen Relationalismus von Bourdieu

Bourdieu unterscheidet zwei Existenzweisen des Sozialen (vgl. Bourdieu 1991: 69): (1) objektivierte soziale Strukturen, die soziale Existenzbedingungen, Institutionen und kollektive Schemata betreffen, und (2) inkorporierte soziale Strukturen, die sich auf erlernte Dispositionen bzw. Schemata von Individuen beziehen und als „Habitus“ bezeichnet werden. Diese beiden Existenzweisen des Sozialen bedingen sich gegenseitig bzw. stehen in einem komplementären Verhältnis zueinander (vgl. Abbildung 3). Mit dieser relationalen Sichtweise, die sozialstrukturelle Bedingungen und verinnerlichte Dispositionen fortlaufend aufeinander bezieht, beabsichtigt Bourdieu die Nachteile einer objektivistischen (strukturalistischen) sowie einer subjektivistischen (z. B. phänomenologischen) Erkenntnisweise zu überwinden (vgl. z. B. Bourdieu 1976: 146 ff.).

Andrea Hense

Kapitel 6. Fazit: Soziales Erklärungsmodell der Ungleichheitswahrnehmung

Die von Pierre Bourdieu und Siegwart Lindenberg vertretenen Theoriekonzepte ermöglichen, subjektive Wahrnehmungen sozialstrukturell zu erklären, ohne in einen Sozialdeterminismus zu verfallen. Das soziale Erklärungsmodell subjektiver Ungleichheitswahrnehmungen, das in den Kapiteln 4 und 5 sukzessive hergeleitet wurde, kombiniert Lindenbergs Theorie sozialer Produktionsfunktionen mit Bourdieus Feld- und Habitustheorie, um hierüber zu einer sozialen Erklärung von Ungleichheitswahrnehmungen zu gelangen. Das Modell setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen, die dadurch zum ersten Mal auf die Erklärung von Wahrnehmungen angewendet werden: Produktions- (P), Feld- (F) und Habitustheorie (H).

Andrea Hense

Untersuchung sozialer Einflussfaktoren der Prekaritätswahrnehmung: Eine empirische Überprüfung des PFH-Modells

Frontmatter

Kapitel 7. Untersuchungsdesign

Die theoretischen Überlegungen und die bisherigen Forschungsergebnisse verlangen zur empirischen Überprüfung des PFH-Modells sowie zur Untersuchung sozialer Einflussfaktoren der Prekaritätswahrnehmung folgende Daten (vgl. Kapitel 2.4 und 6): Es werden Daten benötigt, die sowohl Veränderungen auf der Individual- und Haushaltsebene (Beschäftigungs- und Erwerbssituation von Individuen und ihren Haushaltsmitgliedern) als auch auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene (Wandel des Arbeitsmarkts und Wohlfahrtsstaats) berücksichtigen. Des Weiteren besteht Bedarf an Längsschnitt- und repräsentativen Massendaten, mit denen Veränderungen der Prekaritätswahrnehmung und ihrer Einflussfaktoren – möglichst im Rahmen von Panelstudien – über einen längeren Zeitraum untersucht werden können. Im Detail ergeben sich nachfolgende Anforderungen an die zu verwendenden Daten.

Andrea Hense

Kapitel 8. Ergebnisse

Die deskriptiven Analysen zum Ausmaß und zur Entwicklung der Prekaritätswahrnehmung seit 1984 zeigen, dass Prekarität kein Randphänomen darstellt und sich zahlreiche Erwerbstätige um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes bzw. ihre ökonomische Situation sorgen. Die Prekaritätswahrnehmung ostdeutscher Erwerbstätiger ist insgesamt höher als diejenige der westdeutschen Erwerbstätigen. Doch im Zeitverlauf erfolgt eine Annäherung an das westdeutsche Niveau, so dass die hohe Prekaritätswahrnehmung der Wendezeit allmählich reduziert wird.

Andrea Hense

Kapitel 9. Gesamtfazit und Ausblick

Ziel der Monographie war die theoretische Entwicklung und empirische Überprüfung eines sozialen Erklärungsmodells für subjektive Ungleichheitswahrnehmungen im Allgemeinen und subjektive Prekaritätswahrnehmungen im Speziellen, das eine theoriegeleitete Hypothesengenerierung anleitet. Das damit verbundene empirische Ziel bestand in der Analyse der sozialen Einflussfaktoren von selbst wahrgenommener Beschäftigungs- und Einkommensprekarität. Die Forschungsfrage, die den empirischen Analysen zugrunde lag, lautete: Welche sozialstrukturellen Bedingungen beeinflussen die selbst eingeschätzte Teilhabe am Erwerbsleben und Wohlstand einer Gesellschaft bzw. die Wahrnehmung potentieller Job- und Einkommensverluste?

Andrea Hense

Backmatter

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