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Über dieses Buch

In den letzten Jahren hat die Verwendung psychologischer Theorien und Methoden in der Wahl- und Einstellungsforschung eine deutliche Verbreitung erfahren. Zentrale Fragen dieses Forschungsbereichs sind: Nutzen unterschiedliche Wählergruppen unterschiedliche Strategien der Informationsverarbeitung? Was kann die Nutzung unterschiedlicher Strategien erklären? Und welchen Einfluss haben unterschiedliche Wege der Informationswahrnehmung und -verarbeitung auf politische Einstellungen und Wahlentscheidungen? Der Band beschäftigt sich in acht Beiträgen unter anderem mit Wahrnehmungen politischer Akteure oder politischer Informationen, dem Einfluss der Persönlichkeit auf politische Einstellungen und politisches Verhalten, Bedrohungswahrnehmungen der Bürgerinnen und Bürger sowie mit Determinanten der Beurteilung politischer Akteure.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Die Politikpräferenzen der Wähler und die Wahrnehmung von Parteipositionen als Bedingungen für den Parteienwettbewerb um Wählerstimmen

Der Grad der Übereinstimmung zwischen den Politikangeboten der Parteien und der Politiknachfrage der Wählerinnen und Wähler bietet den Wählern Kriterien für die Wahlentscheidung und den Parteien Anhaltspunkte für ihren Wettbewerb um Wählerstimmen. Diese Übereinstimmung wird in der empirischen Wählerforschung mit ideologischen Skalen wie Links-Rechts oder mit Policy-Skalen zu wichtigen Themen der politischen Auseinandersetzung gemessen. Wenn Befragte über die Positionen der einzelnen Parteien auf den vorgegebenen Skalen urteilen und Angaben über ihren eigenen Standpunkt machen, besteht die Gefahr von Urteilsverzerrungen. Befragte neigen dazu, die Position von Parteien, die sie wertschätzen, näher an sich heranzurücken (Assimilationseffekt) und die Distanz zu den anderen Parteien zu überschätzen (Kontrasteffekt). Parteien benötigen für ihre Planung aber Positionsschätzungen, über die in der Wählerschaft große Urteilskonkordanz besteht. Die Mittelwerte sind als Positionsschätzer ungeeignet, da sie von gleichem Skalengebrauch der Befragten ohne Berücksichtigung des differential item functioning ausgehen. Wir wenden ein bayesianisches faktoranalytisches Messverfahren an, das aus den Befragtenangaben zu den Parteipositionen „wahre“ Positionen berechnet, die für die Befragten als „gleich wahrgenommen“ interpretiert werden. Wir demonstrieren das Verfahren mit den im Vorwahlquerschnitt der GLES abgefragten Skalen: Links-Rechts, sozialstaatliche Leistungen versus Steuern/Abgaben, Einwanderungspolitik und Klimaschutz. Die ursprünglichen Skalenangaben werden unter Annahme eines linearen Zusammenhangs in die „wahren“ Parteiwerte umgerechnet und die eigene Einstellung der Befragten wird mit den bei der Parteienwahrnehmung gewonnenen Koeffizienten an die gemeinsame Parteiskala angepasst. Die Häufigkeitsverteilungen der auf diese Weise erhaltenen Wähleridealpunkte fassen zusammen mit den entsprechenden Parteiwerten die zentralen Informationen zur Charakterisierung und Anwendung räumlicher Modelle des Parteienwettbewerbs zusammen.
Franz Urban Pappi, Anna-Sophie Kurella, Thomas Bräuninger

Zur Wahrnehmung politischer (Wahlkampf-)Aussagen als Wahlversprechen

Vertreter/innen der Programme-to-Policy-Linkage-Forschung konnten zeigen, dass die Kongruenz von in Wahlprogrammen gegebenen und tatsächlich zu Regierungszeiten umgesetzten Wahlversprechen im Langzeitvergleich und systemunabhängig hoch ausfällt. Die Bevölkerung etablierter demokratischer Staaten nimmt dagegen mehrheitlich an, dass Wahlversprechen in der Regel gebrochen werden. Zum Teil wird diese negative Evaluation von Wahlversprechen darauf zurückgeführt, dass die menschliche Urteilsbildung motivational und kognitiv bedingten Verzerrungen unterliegt. Denkbar ist aber auch, dass die Evaluationen von Wahlversprechen in Forschung und Bevölkerung systematisch divergieren, weil sie auf unterschiedlichen Definitionen von Wahlversprechen basieren. Die Ergebnisse unserer Studie (N = 705) weisen darauf hin, dass die Definition von Wahlversprechen bei Bürger/innen teilweise von derjenigen der Forschung abweicht und dadurch bereits die Wahrscheinlichkeit erhöht werden kann, dass Bürger/innen Wahlversprechen häufiger als gebrochen wahrnehmen.
Julia Dupont, Evelyn Bytzek, Melanie C. Steffens, Frank M. Schneider

Zum Zusammenhang zwischen Offenheit und politischer Involvierung – Eine Analyse mit SOEP – Daten

Anhand des Sozio-Ökonomischen Panels aus den Jahren 2005, 2009 und 2013 wird mit linearen Strukturgleichungsmodellen untersucht, ob es ein- oder wechselseitige kausale Effekte zwischen dem Big-5-Persönlichkeitsmerkmal Offenheit für Erfahrungen und politischer Involvierung gibt. Die Ergebnisse sprechen nicht für einen wechselseitigen Kausaleffekt zwischen Offenheit und politischer Involvierung. Vielmehr erscheint ein Latent-State-Trait-Modell am geeignetsten, das davon ausgeht, dass sowohl Offenheit als auch politische Involvierung stabile Traits sind, die sich über den achtjährigen Messzeitraum nicht systematisch ändern. Die positive Korrelation zwischen beiden Konstrukten deutet darauf hin, dass sich politische Involvierung bereits in frühen Lebensjahren herausbildet oder dass eine gemeinsame Ursache vorliegt.
Anja Mays, Steffen Kühnel

Wertvorstellungen, nationale Identifikation, gruppenbezogene Ausgrenzung und Bedrohungswahrnehmung als Determinanten von Einstellungen zu Immigration

Vor dem Hintergrund anhaltender Migrations- und Flüchtlingsbewegungen in die Europäische Union sind Parteien des national-konservativen Spektrums auf dem Vormarsch. Negative Einstellungen gegenüber Immigranten sowie die generelle Ablehnung von Einwanderung sind zunehmend auch in der Mitte der Gesellschaft zu beobachten. Anknüpfend an frühere Arbeiten wird für Deutschland untersucht, welche Effekte relativ stabile Wertvorstellungen auf eher volatile Meinungen und Einstellungen gegenüber Immigration und Immigrationspolitik ausüben. Wir nehmen an, dass internalisierte Wertvorstellungen Einstellungen gegenüber Immigration vorhersagen, insbesondere wenn damit verbundene motivationale Ziele durch Immigration begünstigt oder aber behindert werden. Dabei gehen wir im Gegensatz zu früherer Forschung davon aus, dass dieser Einfluss über weitere kausal verknüpfte Erklärungsfaktoren moderiert wird. Die vermuteten Zusammenhänge werden mittels Strukturgleichungsmodellierung und Daten der siebten Welle (2014/2015) des European Social Survey (ESS) analysiert.
Pascal Anstötz, Bettina Westle

Stereotype Threat und Politisches Wissen

Männer verfügen über ein größeres politisches Wissen als Frauen. Dieser geschlechtsspezifische Unterschied gehört zu den am besten gesicherten Erkenntnissen der empirischen Politikwissenschaft. Als Erklärung für das gender gap im politischen Wissen lassen sich mit dem sozialisationstheoretischen, dem strukturellen und dem biologischen Ansatz drei traditionelle Erklärungsansätze unterscheiden. In diesem Beitrag testen wir einen weiteren Erklärungsansatz, der situative Faktoren der Testsituation als erklärende Größe betont und als Stereotype Threat bezeichnet wird. Auf Basis einer Online-Befragung (N = 603) und eines Online-Experiments (N = 377) mit Studierenden der FernUniversität in Hagen können wir erstens die Existenz eines Stereotyps belegen, welches Frauen ein geringeres politisches Wissen zuschreibt als Männern, und zweitens den Einfluss des Stereotyps auf die Leistungsfähigkeit bei einem politischen Wissenstest nachweisen. Bei der experimentellen Aktivierung des Stereotyps schneiden Frauen bei einem politischen Wissenstest signifikant schlechter ab als Männer. In der Bedingung ohne Stereotype Threat lassen sich keine geschlechtsspezifischen Unterschiede im politischen Wissen nachweisen.
Toni Alexander Ihme, Markus Tausendpfund

‚Ist die Liebe zu sich selbst der Beginn einer politischen Romanze?‘

Soziale Ähnlichkeit als Determinante der Beurteilung politischer Akteure
In diesem Beitrag wird der Effekt sozialer Kongruenz auf die Bewertung der Kanzler- und Spitzenkandidaten im Vorfeld der Bundestagswahl 2013 untersucht. Soziale Kongruenz bezeichnet die Übereinstimmung zwischen Politiker/in und Bürger/in in verschiedenen soziodemografischen Merkmalen. Die Bewertung der Politiker bezieht sich zum einen auf die Kanzlerpräferenz und zum anderen auf die Gesamtbewertung des Politikers. Genutzt wurden zwei verschiedene Datensätze, die Daten des GLES-Vorwahlquerschnitts und Daten aus dem Projekt „Wahlrelevantes politisches Wissen“ an der Philipps-Universität Marburg. Berechnet werden Regressionsanalysen. Es zeigen sich signifikante Effekte sozialer Kongruenz auf die Politikerbewertung, die Übereinstimmungen in einzelnen soziodemografischen Eigenschaften sind aber nicht gleichermaßen für jede Politikerbewertung relevant. Es finden sich Moderationseffekte durch politisches Wissen und politisches Interesse.
Astrid De Souza

Der Einfluss multipler Parteibindungen auf das Wahlverhalten

Dieser Beitrag untersucht, wie multiple Parteibindungen das Wahlverhalten beeinflussen. Nach einer Operationalisierung der Parteiidentifikation auf Basis der reduzierten IDPG-Skala nach Mael und Tetrick (1992) kann auf repräsentativer Datenbasis gezeigt werden, dass sowohl die Art mehrfacher Parteibindungen, d. h. innerhalb (konvergierend) oder zwischen politischen Lagern (konfligierend) als auch die Stärkendifferenz der Bindungen, die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Wahlintention und die Wahlwahrscheinlichkeit selbst beeinflussen. Der Anteil derer, die auf die Frage nach der Wahlintention mit „Weiß nicht“ antworten, liegt bei Anhängern mit gleichstarken Parteibindungen zwischen politischen Lagern signifikant über dem Anteil für Anhänger einer einzelnen Partei. Mehrfache Anhänger mit unterschiedlich starken Bindungen wählen in nahezu gleichem Maß wie Anhänger einer einzelnen Partei die (stärkere) Identifikationspartei, während der totale Effekt der Parteiidentifikation bei mehrfachen Anhängern mit konfligierenden Identifikationen und/oder gleichstarken Bindungen geringer ausfällt.
Sabrina Jasmin Mayer

Trust in Politicians—Understanding and Measuring the Perceived Trustworthiness of Specific Politicians and Politicians in General as Multidimensional Constructs

Our chapter introduces theory-based measures for the assessment of trust in specific politicians and politicians in general. In Study 1 (N = 317), the dimensionality, reliability, and relatedness to other concepts of trustworthiness of specific German politicians and politicians in general are investigated. In Study 2 (N = 248), the prediction of our scales for voting behavior in the 2013 German national election is examined. The empirical results provide evidence that trustworthiness of a specific politician and all politicians, respectively, can be understood and measured as three-dimensional concepts comprising benevolence, integrity, and competence. Our results furthermore suggest that both scales are useful in the prediction of citizens’ voting decisions and electoral participation.
Anna Halmburger, Tobias Rothmund, Anna Baumert, Jürgen Maier
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