Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Namhafte Vertreterinnen und Vertreter aus den Fächern Medien- und Kommunikationswissenschaft, Soziologie, Geschichte und Politikwissenschaft tragen dazu bei, dass drei Grundfragen im Rahmen dieses Gedenkbands illuminiert werden: den Zusammenhang von Öffentlichkeit und Demokratie aus einer normativen Öffentlichkeitstheorie zu untersuchen; den gesellschaftlichen Wandel moderner Gesellschaften im Licht medienöffentlicher Kommunikationsprozesse zu erfassen; den neuen und digitalen Strukturwandel der Öffentlichkeit mitsamt seinen Rückwirkungen auf die moderne Gesellschaft zu analysieren. Prof. Dr. Kurt Imhof (17.1.1956 – 1.3.2015) hat zeitlebens an diesen grundlegenden Fragen der öffentlichkeitssoziologisch inspirierten Sozialwissenschaft gearbeitet.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Zur Einführung

Frontmatter

Eine öffentlichkeitssoziologische Theorie des sozialen Wandels in der digitalen Gesellschaft

Zusammenfassung
Inspiriert von seinem beeindruckenden Werk wagen wir in unserem Beitrag, eine breite Klammer um diejenigen beiden theoretischen Perspektiven, die Kurt Imhof zeitlebens am stärksten beschäftigten: den sozialen Wandel moderner Gesellschaften im Licht öffentlicher Kommunikation zu erschließen (Öffentlichkeit und sozialer Wandel) sowie den strukturellen Wandel der Öffentlichkeit selbst zu ergründen und im Hinblick auf seine gesellschaftlichen und demokratischen Folgen zu reflektieren (Strukturwandel der Öffentlichkeit). Weil Kurt Imhof immer daran gelegen war, seine Ideen nicht einfach zu replizieren, sondern kritisch weiterzuspinnen und auf aktuelle Transformationsprozesse anzuwenden, entwickeln wir in unserem Beitrag eine öffentlichkeitssoziologische Theorie des sozialen Wandels, die erstmals intendiert, die beiden genannten theoretischen Perspektiven zu einem Gesamtmodell zu verbinden. Ebenfalls bezweckt dieser Beitrag, die gewonnene theoretische Perspektive auf den jüngsten Wandel der modernen Gesellschaft anzuwenden. Wir wollen zeigen, wie der soziale Wandel im Gefolge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise in eine neue Gesellschaftsphase hineinführt, die wir als digital-solutionistische Ära bezeichnen wollen.
Mark Eisenegger, Linards Udris

Öffentlichkeit und Demokratie

Frontmatter

Öffentlichkeit und Demokratie unter Bedingungen eines radikalen medialen und sozialen Wandels

Zusammenfassung
Das zentrale Thema der empirischen und theoretischen Arbeit von Kurt Imhof war die (politische) Öffentlichkeit5F und deren Wandel. Dahinter stand die These, dass Öffentlichkeit eine unverzichtbare Grundvoraussetzung für ein demokratisches Zusammenleben der Menschen war und ist. Mit seiner im Anschluss an Jürgen Habermas’ Darstellung eines Strukturwandels der Öffentlichkeit (1990) entwickelten These von einem heute stattfindenden zweiten Strukturwandel hat Imhof in nachdrücklicher Weise darauf aufmerksam gemacht, dass Öffentlichkeit als aktueller und historischer Prozess zu verstehen ist und dass infolgedessen um die hinter Öffentlichkeit stehende Intention gerungen und sie in ihrer Art und Form gesellschaftlich verteidigt, gestaltet und weiter entwickelt werden muss. Denn Öffentlichkeit ist in ihrer Bedeutung für Demokratie keineswegs eine stabile und von allen akzeptierte Selbstverständlichkeit.
Friedrich Krotz

Starkes Internet, schwache Demokratie

Parasoziale Plattformen und ihre Folgen für die Kommunikation in der Demokratie
Zusammenfassung
Das Thema lohnt auch sechs Jahre später, genauer hinzuschauen. In der für ihn typischen Gelehrtensprache arbeitet sich Imhof an den als demokratieuntauglich identifizierten Social Media ab (ohne allerding den Begriff selbst zu problematisieren). Unter Verweis auf die Arbeiten der hinlänglich dafür gescholtenen frühen Apologeten des Internet (unter anderem Benkler 2006, Jenkins 2006) bildet eine behauptete «participatory culture», die uns das Internet und insbesondere die Social Media beschert hätten, seinen Ausgangspunkt (Imhof 2015: 17).
Josef Trappel

Intimisierung und Postdemokratie

Zusammenfassung
Kurt Imhofs Auseinandersetzung mit der medienvermittelten Kommunikation ist immer auch eine Auseinandersetzung mit dem Zustand der Demokratie, seine Medienkritik immer auch Demokratiekritik. In diesem Beitrag sollen deshalb Imhofs Überlegungen zum Wandel der öffentlichen Kommunikation im Lichte einer Krisendiagnose der Demokratie interpretiert werden. Konkret möchte ich fragen: Inwiefern lässt sich die von Imhof konstatierte «Intimisierung» der öffentlichen Kommunikation innerhalb des Analyserahmens der Postdemokratie-Diagnose deuten?
Christian Caspar

Der Erfolg des politischen Populismus – eine Folge der Kommerzialisierung der Medien?

Zusammenfassung
Der Rechtspopulismus hat schon seit fast drei Jahrzehnten in verschiedenen Ländern in Europa wachsenden Erfolg. Trotzdem ist es der Forschung nicht gelungen, diese Entwicklung ausreichend zu erklären. Dieses Defizit hat mehrere Gründe. Erstens: Das Thema Populismus folgt auch in der Wissenschaft bestimmten Wellen.
Jens Lucht, Linards Udris

Aufklärung über Demokratie

Populismus, Aufklärung und die Krise der Öffentlichkeit
Zusammenfassung
Der Populismusbegriff wird inzwischen inflationär gebraucht und ist zur abwertenden Vokabel schlechthin geworden. Meistens wird er als Fremdkennzeichnung benutzt, denn nur starke Populisten nennen sich so und sind noch stolz darauf. In der Regel sind Populisten aber immer nur die anderen, niemals man selbst, obwohl es verschiedene Ursprünge, Formen und Varianten des Populismus gibt. Der lateinische Begriff ‹populus› bezieht sich auf das Volk, oft das sogenannte ‹gemeine Volk›. Damit steht er semantisch dem Begriff der Demokratie nahe.
Heinz Kleger

Ideenpolitik als intellektuelle Praxis

Zusammenfassung
In einem Interview, das Jürgen Habermas im März 2018 der Tageszeitung El Pais gegeben hat – der Anlass war die Auszeichnung des Philosophen mit dem französisch-deutschen Journalistenpreis –, steht gleich zu Beginn die Frage zur Diskussion, welche Rolle der Intellektuelle im ausdifferenzierten Mediensystem beziehungsweise im Universum der digitalisierten Welt spielt. Bei der Antwort, die Habermas gibt, ist auffällig, dass er das wechselseitige Bedingungs- und Abhängigkeitsverhältnis zwischen der Figur des Intellektuellen und einer politischen Öffentlichkeit pointiert. Politische Öffentlichkeit beschreibt er in diesem Interview als ein Publikum, das bestrebt ist, durch politische Partizipation auf die Gestaltung der Gesellschaft einzuwirken.
Stefan Müller-Doohm

Was die öffentliche Meinung erst zur Meinung macht – die Sensibilität der Massenmedien

Zusammenfassung
Ferdinand Tönnies’ Die Kritik der öffentlichen Meinung von 1922 ist ein Klassiker der Soziologie. Dies bedeutet – richtig verstanden, sind Klassiker doch identitätsstiftend für das Fach als solches –, dass keine Rede davon sein kann, Tönnies’ Werk sei in den Beständen der Soziologiegeschichte abgelegt. Auf das «Zweite» und auf das «Dritte Buch» von Die Kritik der öffentlichen Meinung, auf die «Empirische[n] Beobachtungen und Anwendungen» und auf die «Besondere[n] Fälle der Öffentlichen Meinung» trifft dies zwar zu, nicht jedoch auf das «Erste Buch»: «Begriff und Theorie der öffentlichen Meinung».
Peter-Ulrich Merz-Benz

Öffentlichkeit und Sozialer Wandel

Frontmatter

Die Schweiz vermessen

Zusammenfassung
Mit dem Ziel, die krisenhafte Dynamik der gesellschaftlichen Entwicklung der Schweiz zu erfassen, begann Kurt Imhof schon im Wendejahr 1989 mit einem größer und größer werdenden Team, die schweizerische Pressepublizistik des 20. Jahrhunderts – «alte Zeitungen» – quantitativ wie qualitativ zu erfassen beziehungsweise zu «vermessen» (Imhof 1993).
Georg Kreis

Zur Ökonomisierung gesellschaftlicher Verhältnisse

Zusammenfassung
Kurt Imhof inspirierte mehrere Kongresse der Schweizerischen Gesellschaft für Soziologie. Krisen des sozialen Wandels standen in den Jahren 2005 in St. Gallen und 2007 in Basel im Vordergrund. Die Debatten fokussierten den Triumph des Neoliberalismus mit seinen nicht intendierten (Neben-)Folgen und neue Kriege.
Ueli Mäder

Qualität der Medienberichterstattung über Muslime in der Schweiz

Ein ergänzender Beitrag zu Kurt Imhofs Krisentheorie
Zusammenfassung
Die öffentliche Kommunikation über Minderheiten ist ein zentrales Thema der frühen wissenschaftlichen Arbeiten Kurt Imhofs (vgl. Imhof 1993, 1996). Die Themenwahl mag durch seinen akademischen Lehrer Hans-Joachim Hoffmann-Novotny beeinflusst sein (vgl. Hoffmann-Novotny 2001) – aber sie ist nicht zufällig. Denn die Problematisierung von Minderheiten ist eine spezifische Form der Problematisierung des «Fremden» und diese wiederum stellt ein zentrales Element der Krisentheorie dar, die Kurt Imhof zusammen mit Gaetano Romano in dieser Zeit formuliert (Imhof/Romano 1996).
Patrik Ettinger

Migration und Medien – Ausländer und Minderheiten als Fremde

Zusammenfassung
Der Beitrag analysiert und diskutiert die theoretische Auseinandersetzung mit der Semantik des Fremden durch Kurt Imhof und seinen Beitrag zu einer Soziologie der Minderheiten, und zwar in Fortführung der soziologischen Beschäftigung mit dem Fremdarbeiterproblem durch Joachim Hoffmann-Nowotny Anfang der 1970er Jahre am Soziologischen Institut der Universität Zürich. Daran anschließend werden die empirischen Medienanalysen zur Problematisierung der Ausländer und speziell der Muslime in den Schweizer Medien dargestellt, die Kurt Imhof mit seinen Mitarbeitenden am fög – Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft realisiert hat, zusammen mit der kommunikationswissenschaftlichen Perspektive auf das Thema «Migration und Medien».
Heinz Bonfadelli, Annelies Debrunner

Warum die Schweiz ihr Bankgeheimnis verlor

Eine Erklärung auf der Basis einer öffentlichkeitssoziologischen Theorie sozialen Wandels
Zusammenfassung
Als der streitbare Soziologieprofessor Kurt Imhof diesen Satz mit seinem unwiderstehlichen Grinsen 2002 im Grand Hotel Dolder einer versammelten Schar führender Bankenvertreter entgegenwarf, dachte er nicht an die Bußen, welche die Schweizer Banken einmal für diese Rechtskonstruktion zahlen sollten. Im Sinn hatte er das, was linke Kritiker im Inland und ausländische Regierungen den Schweizer Banken und der Schweiz seit Jahrzehnten vorwarfen: dass sie nämlich ausländischen Steuerflüchtlingen einen moralisch fragwürdigen, aber bis vor kurzem rechtlich legalen Dienst anboten, an dem die Banken und die Schweiz gut verdienten (Guex 2000, Hug 2002, Vogler 2005, Farquet 2018). Imhof glaubte damals, mitten während der Auseinandersetzungen der Schweiz mit der EU um das Zinsbesteuerungsabkommen und den Forderungen der OECD für einen Informationsaustausch zu Steuerzwecken zu wissen, dass es die westlichen Demokratien früher oder später nicht mehr akzeptieren würden, dass die Schweiz ausländische Steuerflüchtlinge schützt.
Stefan Tobler

Strukturwandel der Öffentlichkeit

Frontmatter

Von den Diskontinuitäten der Moderne zu den Paradoxien mediatisierter Gesellschaften

Anmerkungen zum Strukturwandel der Öffentlichkeit
Zusammenfassung
Das Siegel der Öffentlichkeitstheorie ist wohl jenes, das der Wirkungsgeschichte von Kurt Imhof am deutlichsten eingeprägt ist. Wie auch der Titel des zu seinen Ehren tragischerweise posthum erscheinenden Sammelbandes deutlich macht, las er die Geschichte des Strukturwandels der Öffentlichkeit als Geschichte ihrer Krise (Imhof 2014b, 2011): als (funktionale, stratifikatorische und segmentäre) Differenzierung (Imhof 2006b, 2014a), als eine Entwicklung, die zu einer Abkehr vom öffentlichen Vernunftgebrauch, zu Desintegration und der Dominanz von (meist ökonomisch motivierten) Partikulärinteressen führt und die dafür verantwortlich sei, dass Öffentlichkeit ihre seismografische Funktion (Bonfadelli/Blum/Imhof/Jarren 2008) nicht mehr angemessen wahrnehmen könne. Auch wenn sich Imhof in seiner Analyse eher an der Empirie12F und den «Klassikern» (Imhof 2008) orientierte und von daher Termini wie «Medialisierung» bzw.
Matthias Karmasin

Aufklärung neben Barbarei

Die Ambivalenzen öffentlicher Kommunikation in heterogenen Gesellschaften
Zusammenfassung
Mit Blick auf autoritäre nationalistische Bewegungen wie in Ungarn, Polen, der Türkei, den USA, den Niederlanden oder Frankreich, die – sofern sie an die Macht gelangen – illiberale Regime etablieren, stellt der Partizipationsforscher van Deth fest: «Offensichtlich gelingt es Populisten, die Demokratie mit demokratischen Mitteln zu gefährden» (van Deth 2017). Das institutionelle Gefüge demokratischer Systeme allein vermag nicht sicherzustellen, was den Geist dieser Herrschaftsform ausmacht: der Schutz der Freiheit des Einzelnen, auch und gerade vor der «Tyrannei der Mehrheit», das Ringen um die Gleichheit, nicht allein vor dem Gesetz, sondern auch in der sozialen Teilhabe an der Wohlfahrt des arbeitsteiligen Gemeinwesens, der «brüderliche» Zusammenhalt, der jenseits des Konflikts von Interessen und Positionen alle Gruppen der Gesellschaft als Mitglieder einer Rechtsgenossenschaft respektiert, die ihre innere Ordnung nach den Prinzipien von Kompromiss und Toleranz gestaltet. Diese geistig-moralischen Grundlagen für das Gelingen einer Demokratie müssen unablässig erneuert werden. Darin können – wie van Deth feststellt – Demokratien scheitern.
Ralph Weiß, Olaf Jandura, Raphael Kösters

The Press and Local Politics

Measuring the effects of media structure on political performance in German territorial communities
Zusammenfassung
Democratic politics requires informed citizens who are motivated and able to participate actively in decision-making processes governing public affairs and to monitor effectively those whom they have entrusted to make decisions on their behalf. It is only under such conditions that we can expect politics to accommodate the interests of citizens and to develop appropriate solutions to their problems. The most important provider of information in modern societies is the news media.
Frank Marcinkowski, Christian Strippel

Medien- und Öffentlichkeitswandel durch Social Media als gesellschaftliche Herausforderung wie als Forschungsfeld

Zusammenfassung
Der Beitrag nimmt Überlegungen zum neuen Strukturwandel von Öffentlichkeit von Kurt Imhof auf, die er im Kontext des Wandels der Massenmedien formuliert hat. Massenmedien werden verstanden als jene universellen, aktuellen Medien, die vor allem bezogen auf die Herstellung von politischer Öffentlichkeit Relevanz beanspruchen – so auch, weil sie eine öffentliche Aufgabe wahrnehmen wollen. Durch den Zutritt insbesondere von Social-Media-Plattformen ist nun – so die These dieses Beitrages – ein weiterer Strukturwandel von Öffentlichkeit zu erwarten: Dank Social-Media-Plattformen haben nicht mehr allein oder dominant – wie zu Zeiten der Massenmedien – kollektive wie korporative Akteure einen privilegierten Zugang zur Öffentlichkeit, sondern auch Individuen und gering organisierte soziale Verbünde, Netzwerke sowie Gruppen. Die Plattformen verfolgen kein publizistisches, kein normatives, kein politisches Programm und auf ihnen nehmen keine Kommunikationsprofis, wie Journalistinnen und Journalisten, Selektionsentscheidungen vor.
Otfried Jarren

Neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit durch Informationsintermediäre: Wie Facebook, Google & Co. die Medien und den Journalismus verändern

Zusammenfassung
Der Begriff der Filterblase hat es in den Duden geschafft. Alle drei bis fünf Jahre entscheidet die Duden-Redaktion über die Aufnahme neuer Wörter. In der aktualisierten Auflage, die im August 2017 erschienen ist, findet sich die Filterblase in den Bereichen «Technologisches» bzw.
Birgit Stark, Melanie Magin

Strukturwandel von Öffentlichkeit

Wie tragen Individuen durch ihre Mediennutzung zum Strukturwandel von Öffentlichkeit bei?
Zusammenfassung
Ausgangspunkt der folgenden konzeptionellen Überlegungen sind die zum Teil massiven Verschiebungen der Medienumgebungen, die sich in den letzten Jahren im Zuge der Digitalisierung und der damit verbundenen technischen Konvergenz der Übertragungswege und Endgeräte sowie der Ausdifferenzierung der Medienund Kommunikationsdienste beobachten lassen (z. B. Couldry 2012, Deuze 2011, Hepp 2016, Napoli 2011). Kurt Imhof gehörte zu denen, die angesichts dieser Entwicklungen bereits zu einem frühen Zeitpunkt von einem «neuen Strukturwandel der Öffentlichkeit» (2003, siehe auch Imhof 2011) sprachen und einen wesentlichen Beitrag dazu leisteten, diesen Strukturwandel theoretisch und empirisch fassbar zu machen und im Hinblick auf seine Konsequenzen für Gesellschaft und Demokratie zu diskutieren. Dabei war ihm wichtig, den Prozess der Ausdifferenzierung des Mediensystems nicht isoliert zu betrachten, sondern auch parallele gesellschaftliche und politische Entwicklungen zu berücksichtigen (Imhof 2013: 81 f.): die Entflechtung der Handlungssysteme Politik und Ökonomie; die Zunahme transnationaler Entscheidungsprozesse bei weiterhin überwiegend nationalstaatlich ausgerichteten Öffentlichkeiten; verstärkte gesellschaftliche Segmentierungsprozesse, im Zuge derer sich Teile der Bevölkerung nicht mehr an Formen der politischen Öffentlichkeit beteiligen wollen oder können.
Uwe Hasebrink

Service public: zur Mediennutzung junger Zielgruppen und erodierenden Legitimität des öffentlichen Rundfunks

Zusammenfassung
Kurt Imhof hat zeit seines Lebens unermüdlich und zunehmend mahnend betont, dass die Qualität der öffentlichen Kommunikation die Qualität der demokratischen Verfassung unserer Demokratien bestimmt und spiegelt. Er ist in seiner Monografie «Krise der Öffentlichkeit» (2011) zum einen auf die Geschichte der Medien eingegangen, um die Verankerung der öffentlichen Kommunikation und letztlich des Qualitätsjournalismus in der Aufklärung hervorzuheben; zum anderen hat er die vier zentralen Funktionen der bürgerlichen Öffentlichkeit, nämlich deren Forums-, Legitimations-, Kontroll- sowie Integrationsfunktion, herausgearbeitet. Die in der Tradition der Kritischen Theorie stehende Konstruktion dieses Idealtypus der Öffentlichkeit wurde von Kurt Imhof kontinuierlich mit Daten zur empirischen Wirklichkeit dieser Öffentlichkeit(en) konfrontiert.
Ulla Autenrieth, Matthias Künzler, Klaus Neumann-Braun

Backmatter

Weitere Informationen