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Über dieses Buch

Aktuell werden Themen wie die gesetzliche Regelung der ärztlichen Suizidbeihilfe oder die Euthanasie immer wieder ins Zentrum gesellschaftlicher Debatten gerückt. Unterschiedliche Medien greifen die Frage der Suizidbeihilfe auf und diskutieren, wie ein „selbstbestimmtes Sterben“ aussehen kann. Welche medizinischen, rechtlichen, ethischen, philosophischen und theologischen Aspekte gilt es zu berücksichtigen? Dieses Buch macht die Frage der ärztlichen Suizidassistenz zum Thema. Experten unterschiedlicher Fachdisziplinen beleuchten kritisch die in der Sterbehilfe-Debatte vorgebrachten Argumente und beantworten die Frage, wie ein würdiges Sterben aussehen könnte.

Mit Beiträgen von Benedict Maria Mülder, Susanne Kummer, Axel W. Bauer, Günther Pöltner, Markus Rothhaar, Christian Hillgruber, Marcus Schlemmer, Andreas S. Lübbe, Christian Spaemann, Ulrich Eibach, Manfred Spieker, Marcus Knaup, Thomas Sören Hoffmann.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Zum Geleit

Zusammenfassung
Ein Freund, den ich allmorgendlich im Schwimmbad traf, empfahl Massagen, als ich ihm von meinen zunehmenden Wadenkrämpfen erzählte. Es folgten Stolpereien ohne Grund. Ich fiel hin. Muskelspiele, die unter die Haut gingen, Faszikulationen bildeten die nächste Etappe. Das war im Jahr 2008. Im Spätherbst diagnostizierte am Potsdamer Platz in Berlin ein Neurologe, der aus der Nachbargemeinde – ein Zufall – meines westfälischen Heimatortes kam, ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) und eine Lebenserwartung von drei bis fünf Jahren. Eine Freundin bahnte noch am gleichen Tag den Weg zu den ALS-Experten von der Charité. Am Abend fielen die entscheidenden Worte meiner Frau: „Das stehen wir zusammen durch.“ Worte von optimistischem Trost, für die ich meiner Frau ewig dankbar bin. Schwere und schöne Zeiten lagen vor uns, eine Herausforderung.
Benedict Maria Mülder

Politik und Recht

Frontmatter

Ex in the City

Zusammenfassung
Die meisten Menschen sterben im Bett. Sie sterben einen leisen Tod, ohne eine Mediennachricht wert zu sein. Sie sterben, weil ihr Leben zu Ende geht, privat, im Krankenhaus oder zu Hause, meist im Kreis ihrer Lieben. Bei einem gewaltsamen Tod entscheiden verschiedene Faktoren darüber, ob und wieviel Platz ihm in den Medien eingeräumt wird, auch der Grad der Betroffenheit spielt dabei eine Rolle. Besonders heikel ist die mediale Berichterstattung aber bei spezieller Gewalt: da, wo Menschen sich selbst das Leben nehmen. Bei Suiziden.
Susanne Kummer

Notausgang assistierter Suizid?

Die Thanatopolitik in Deutschland vor dem Hintergrund des demografischen Wandels
Zusammenfassung
Im medizinethischen und medizinrechtlichen Diskurszusammenhang handelt es sich bei dem aus der Würde des Menschen und dem Persönlichkeitsrecht abgeleiteten Recht auf Selbstbestimmung primär um ein individuelles Abwehrrecht, durch dessen Beachtung verhindert werden soll, dass – in der Regel ärztliche und pflegerische – Maßnahmen gegen den Willen eines Patienten vorgenommen werden. In dieser Form präsentierte sich jene Botschaft der ersten Jahre der modernen Medizinethik, die in der Öffentlichkeit am meisten wahrgenommen wurde, weil sie im Gegensatz zu den traditionellen Werten Fürsorge, Schadensvermeidung und Gerechtigkeit als der einzige „innovative“ moralische Wert erschien.
Axel W. Bauer

Das Problem einer gesetzlichen Regelung von Extremfällen

Zusammenfassung
An der nun schon einige Zeit in Deutschland andauernden Debatte um die Beihilfe zum Suizid fällt auf, daß es in ihr hauptsächlich um die Frage geht, wie sich die Beihilfe regeln läßt, weniger oder gar nicht darum, worin ihre Regelungsfähigkeit liegt. Das ist erstaunlich. Denn bevor man ans Regeln einer Sache geht, wäre doch die Vorfrage sorgfältig zu erörtern, ob die Sache überhaupt in der Weise geregelt werden kann, wie man das gerne hätte. Regelungskonformität und Gerechtigkeit sind nicht einfach dasselbe.
Günther Pöltner

Autonomie und Menschenwürde am Lebensende

Zur Klärung eines umstrittenen Begriffsfelds
Zusammenfassung
Die Begriffe der „Würde“ und der „Autonomie“ spielen in fast allen Debatten der Medizin- und Bioethik eine zentrale Rolle, ganz gleich, ob es sich um Fragen handelt, die den Lebensanfang betreffen oder Fragen, die das Lebensende betreffen. Beide Begriffe weisen damit immer auch über den Themenkomplex der sogenannten „aktiven Sterbehilfe“ und des assistierten Suizids hinaus und sind ebenso für die sogenannte „passive Sterbehilfe“, den Schwangerschaftsabbruch, die Präimplantationsdiagnostik etc. relevant. Der Schwerpunkt der folgenden Überlegungen soll gleichwohl auf der Problematik von „aktiver Sterbehilfe“ und assistiertem Suizid liegen.
Markus Rothhaar

Die Bedeutung der staatlichen Schutzpflicht für das menschliche Leben und der Garantie der Menschenwürde für eine gesetzliche Regelung zur Suizidbeihilfe

Zusammenfassung
Die Zahl der Suizide und Suizidversuche in Deutschland und auch die Beteiligung Dritter an ihnen nimmt seit einigen Jahren wieder zu. Daher stellt sich mit wachsender Dringlichkeit die Frage, was der Staat hier tun kann oder gar muss.
Christian Hillgruber

Medizin und Psychotherapie

Frontmatter

Assistierter Suizid durch Ärzte?

Die Sicht eines Palliativmediziners
Zusammenfassung
Palliativmedizin ist die älteste medizinische Disziplin der Welt. Vor tausenden von Jahren war aufgrund der mangelnden Kenntnisse von physiologischen Zusammenhängen, der Funktion von Organen und der Ursache von Krankheiten, gar nicht zu sprechen von einer technischen oder medikamentösen Behandlungsmöglichkeit von Erkrankungen, ausschliesslich eine „Palliation“, also eine Linderung möglich. Je mehr die medizinische Forschung Zusammenhänge verstand und Ärzte segensreich für die Kranken handeln konnten, je mehr hat die moderne Medizin diese palliativen Fähigkeiten in den Hintergrund gestellt.
Marcus Schlemmer

Palliativmedizin als Angebot gegen eine Normalisierung des Tötens

Zusammenfassung
Zu den wichtigsten ethischen Fragestellungen gehören Fragen, das Leben und den Tod betreffend. Das Gebot, Leben zu erhalten und das Verbot zu töten, durchziehen die Menschheitsgeschichte und beides findet sich in unterschiedlichen Kulturen und Regionen dieser Welt. Doch es gibt Ausnahmen zu dieser Regel. Soll das werdende Leben im Leib der Mutter unter allen Umständen erhalten werden und wenn nicht, ab welchem Zeitpunkt sollte der Schutz dann beginnen? Oder etwa die Notwehr als einzige Möglichkeit, sein eigenes Leben zu erhalten auf Kosten eines anderen.
Andreas S. Lübbe

Patientenautonomie und unerträgliches Leid

Sterbehilfe auf tönernen Füßen
Zusammenfassung
Die in den letzten 150 Jahren anhaltende Euthanasiediskussion in Deutschland begann in den siebziger und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, nach einer Anstandspause gegenüber der Nazizeit, wieder Fahrt aufzunehmen, nahm in der Folge einen wellenartigen Verlauf und steht nun wieder weit oben auf der tagespolitischen Agenda. Offensichtlich in Folge der Erfahrungen im Dritten Reich, zeigte sich in den bisherigen Debatten eine besondere Sensibilität der Juristen, der Ärzteschaft und der politischen Entscheidungsträger für die Argumente, die gegen jedwede Aufweichung des Verbots der Tötung auf Verlangen und gegen die Erlaubnis assistierten Suizids vorgebracht wurden.
Christian Spaemann

Theologische und philosophische Grundlagenfragen

Frontmatter

Von der Beihilfe zum Suizid zur Tötung auf Verlangen?

Eine Beurteilung aus seelsorgerlicher und ethischer Sicht
Zusammenfassung
Zu keiner Zeit mussten Menschen so wenig an schweren Krankheiten leiden wie in der Gegenwart, nicht zuletzt dank der Fortschritte der Palliativmedizin. Im Antoniter-Hospital zu Isenheim, für das Matthias Grünewald das bekannte Altarbild malte, wurden im Mittelalter die an Mutterkornvergiftung schwer leidenden, gleichsam bei lebendigem Leibe „verfaulenden“ Menschen palliativmedizinisch behandelt, gepflegt und seelsorglich begleitet. Vor dem Altar wurden z.B. Amputationen ohne wirksame Narkotika durchgeführt. So gesehen gibt es keine Notwendigkeit, gerade heute die Geltung des Tötungsverbots aufzuheben, um Menschen durch eine Beihilfe zur Selbsttötung oder eine Tötung auf Verlangen von schwerem Leiden zu „erlösen“.
Ulrich Eibach

Sterbehilfe?

Selbstbestimmung und Selbsthingabe am Lebensende. Eine katholische Perspektive
Zusammenfassung
In der Debatte um Sterbehilfe werden in der Regel vier Formen der Sterbehilfe unterschieden: die aktive, die passive, die indirekte Sterbehilfe und die Beihilfe zum Suizid. Die aktive Sterbehilfe ist die bewusste und gezielte Tötung eines Patienten durch ein tödliches Gift. Sie ist eine Tat, die sittlich verwerflich ist und die in den Rechtsordnungen der meisten Staaten als Straftat sanktioniert wird, in Deutschland in § 216 StGB. Für den Christen ist die aktive Sterbehilfe als vorsätzliche Tötung einer menschlichen Person eine „schwere Verletzung des göttlichen Gesetzes“ und deshalb „sittlich nicht zu akzeptieren“. Sie ist Symptom einer Kultur des Todes.
Manfred Spieker

Wie wollen wir sterben?

Zur Frage der ärztlichen Suizidassistenz
Zusammenfassung
Auf dem 66. Deutschen Juristentag im Jahr 2006 wurde die Empfehlung unterbreitet, man solle auch in Zukunft den § 216 StGB – also das Verbot der Tötung auf Verlangen – unverändert beibehalten. Im gleichen Atemzuge allerdings wurde die Tolerierung des ärztlich assistierten Suizids als Möglichkeit nahegelegt. Die Frage der ärztlichen Suizidbeihilfe steht seitdem im Brennpunkt öffentlicher Diskussion. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat 2014 sein Reformanliegen vorgetragen, die Frage der Beihilfe zur Selbsttötung gesetzlich neu zu regeln.
Marcus Knaup

Das gute Sterben und der Primat des Lebens

Überlegungen zu möglichen und unmöglichen Positionen im Kontext der Debatte um Euthanasie und Suizidassistenz
Zusammenfassung
Die Hoffnung auf einen „guten Tod“, das „gute Sterben“ – die „Eu-Thanasie“ – gehört zu den Zukunftsantizipationen, die Menschen ganz selbstverständlich auch über die Zeiten und Grenzen von Kulturen hinweg gemein sind. Zwar mag es zunächst markante Unterschiede darin geben, was je als „gutes Sterben“ angesehen wird – die Palette reicht vom „Und er starb alt und lebenssatt“ des alttestamentlichen Patriarchen und dem heroischen Tod des Spartaners, für den ihn die Mutter gebar, über den christlich-versöhnten „süßen Tod“, den Bach besingt, bis zu Nietzsches emphatischer Predigt eines „Stirb zur rechten Zeit“, das sich in schillernder Ambivalenz freilich ebenso sehr auf mich selbst wie auch auf den anderen bezieht.
Thomas Sören Hoffmann

Backmatter

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