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Über dieses Buch

Als Forschungsgegenstand der Natur-, Sozial-, Geisteswissenschaften wie auch der Medizin ist Wasser als Quelle des Lebens Thema dieses breit gefächerten, interdisziplinären Werkes. Der Bogen spannt sich vom Wassermolekül als Baustein alles Lebendigen über das Wasser im Wechsel der Jahreszeiten und der Aggregatzustände, als Zivilisationsgarant und seltenes Gut hin zum Wasser als spirituelle Quelle, religiöses Symbol, Medium und Metapher.

Das Werk leistet einen thematischen Beitrag zu der von den Vereinten Nationen ausgerufenen Internationalen Aktionsdekade „Wasser für das Leben“.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. W.A.S.S.E.R.

Wer formt die Welt?Das sind die tobenden Hungerhexen!Sie fassenaus blassenverfetteten Rassenhinein in die Massenund lassendie Armen nicht los!Großdie Reklamen,die goldenen Namen,Konzernewie Sternebeleuchten so gernevon Fernedas sinkende Floß!

Heinz Ratz

2. H2O: Ein Molekül mit Bedeutung für das Leben auf der Erde

Wasser ist eine elementare Ressource, ohne die das Leben auf unserem Planeten nicht möglich wäre. Aufgrund seiner Molekülstruktur besitzt Wasser eine Reihe von Eigenschaften, die es zu einem besonderen Stoff machen und die für viele Vorgänge auf der Erde von entscheidender Bedeutung sind. So ist Wasser die einzige Verbindung, die auf der Erde in allen drei Aggregatzuständen vorkommt: als festes Eis, als flüssiges Wasser und als gasförmiger Wasserdampf. Wasser ist aufgrund seines Dipol-Charakters ein exzellentes Lösemittel für Salze und es besitzt eine hohe Wärmekapazität sowie eine hohe Verdampfungsenthalpie.

Frank Sacher, Astrid Thoma

3. Entstehung des Lebens aus dem Wasser

Wasser war und ist die Grundlage des Lebens auf der Erde. Entstanden in der Tiefe des Urozeans, hat das Leben eine lange Geschichte hinter sich. Viele Millionen von Jahren waren notwendig, um im Wasser aus einfachen chemischen Verbindungen komplexe, für das Leben geeignete Biomoleküle zu bilden. Die Urformen des Lebens bekamen ihre Gestalt in Unterwasserquellen. Mit der Zeit verließen die Urzellen ihr Zuhause, stürmten die bislang unbelebte Welt und gestalteten sie gewaltig um. Durch Veränderungen von Erbgut und Umweltbedingungen entwickelten sich neue Lebensformen und neue Eigenschaften, die in den Wettbewerb der Evolution eintraten. Aus Einzellern entwickelten sich vielzellige Organismen, die Urahnen der Pflanzen und Tiere. Nun besiedelten Pflanzen und Tiere Kontinente, jedoch ohne Wasserverfügbarkeit können sie bis heute nicht überleben.

Davit Vasilyan

4. Ein Urozean im Innern des Menschen

Regulation des Wasserhaushalts über zelluläre Wasserkanäle, die Aquaporine

„Wasser ist gesund“ oder „Wasser fördert den Lernerfolg“ sind typische Überschriften zu Artikeln in Tageszeitungen oder Informationsbroschüren von Krankenkassen. Der Trend, immer und überall zu trinken, ist nicht zu übersehen. Insbesondere bei den jüngeren Generationen sind Getränkeflaschen zu ständigen Begleitern geworden. Deren Allgegenwärtigkeit brachte eine weitere Zeitung nun dazu, zu fragen: „Wie viel Wasser ist wirklich gesund?“ Darauf gibt dieser Beitrag eine Antwort. Doch zuvor stellt er Regelmechanismen des menschlichen Körpers für einen gesunden Flüssigkeitshaushalt exemplarisch dar und dringt dabei bis auf die molekulare Ebene vor. Denn die Grundlage für den Transport von Wasser und Salzen (Elektrolyten) bilden spezielle Eiweißmoleküle, die Kanäle in den Membranen der kleinsten Einheiten der Organe, den einzelnen Körperzellen, formen. Für die Entdeckung der zellulären Wasserkanäle, der Aquaporine, und für die Aufklärung der Funktion von Elektrolytkanälen erhielten Peter Agre und Roderick MacKinnon 2003 gemeinsam den Nobelpreis für Chemie.

Eric Beitz

5. „Wasser und Geist“ als Quelle des Lebens

Wasser als Quelle des Lebens nimmt in vielen religiösen Traditionen eine zentrale Stelle ein, in einigen, wie der christlichen Überlieferung und Praxis bis heute, in dezidierter Verbindung von Wasser und Geist. Dabei ist die Ambivalenz des Wassers durchaus präsent, die Bandbreite der Erzählungen reicht von der Erfahrung des Todeswassers über die des von Schuld reingewaschenen Werdens bis zu der des neuen Leben derer, die aus Wasser und Geist erneut bzw. „von oben geboren werden“ (Johannesevangelium 3,5). Auf diese Weise werden natürliche Eigenschaften des Wassers, gerade auch seiner heilenden Kraft, mit menschlichen Grunderfahrungen und ihrer transzendierenden Bewegung in Verbindung gebracht. Den Grad der Verbindung (von rein äußerlich bis magisch) bestimmen die einzelnen Traditionen, auch innerhalb des Christentums, ganz unterschiedlich.

Bernd Jochen Hilberath

6. Mit Wissenschaft Grenzen überwinden – die Wasserkrise im Nahen Osten

Die Jordanregion steckt in einer Wasserkrise. Wasser ist natürlicherweise knapp und wird durch Bevölkerungswachstum und Klimawandel knapper; die politische Lage erschwert eine regionale Zusammenarbeit. Das GLOWA Jordan River Project hat in zwölf Jahren Forschung Wege aus der Wasserkrise aufgezeigt. Es wurden regionale Klimaszenarien entwickelt und so das Thema Klimawandel erstmals auf die nationalen Agenden gesetzt. Mit dem Entscheidungsunterstützungssystem WEAP und dem GLOWA JR Atlas hat das Projekt Jordanien, Palästina und Israel wissenschaftsbasierte Werkzeuge zur nachhaltigen Wasser- und Landnutzung hinterlassen. Der größte Erfolg des Projektes führte zur Nominierung für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis: Bis zu 15 Ministerien aus den drei Ländern beteiligten sich an einem dauerhaften grenzüberschreitenden Dialog und entwickelten die Vision eines regionalen Klimafolgenforschungszentrums, welches durch die drei Regierungen gestützt und durch eine neutrale deutsche Seite moderiert werden soll.

Katja Tielbörger

7. Schutz der Ressource Wasser – Herausforderungen für eine langfristige und nachhaltige Umweltpolitik

Dem Schutz der Ressource Wasser kommt nicht nur im Hinblick auf Versorgungssicherheit, öffentliche Gesundheit und Hygiene besondere Bedeutung zu. Vielmehr besteht auch ein enger Zusammenhang mit vielen der übergeordneten umweltpolitischen Herausforderungen, mit denen wir uns heute konfrontiert sehen.

Helmfried Meinel, Markus Lehmann

8. Fließen – Tropfen – Stille

Notizen zu Musik und Wasser

Wenn von Musik und Wasser gesprochen wird, dann in den meisten Fällen vom musikalischen Fluss, das heißt vom nicht revidierbaren zeitlichen Verlauf. Da Musik eine Zeitkunst ist, trifft die Beobachtung für einen großen Teil auch jener Musik zu, die nichts mit Wasser zu tun hat. Die Metaphorik des Fließens ist bei der Beschreibung von Musik so geläufig, dass andere Vorstellungen erst bewusst gemacht werden müssen. Wenn Wasser musikalisch ausgedrückt werden soll, dann in einem ästhetischen Abstrahierungs- und Übersetzungsvorgang. Das gilt selbst bei akustischen Field Recordings von Wasserquellen. Wasser wird sensorisch durch Geruch, Geschmack sowie durch Feuchte-, Temperatur- und Druckempfindung über die Haut wahrgenommen. Sehen und hören kann man Wasser nur aufgrund der Einwirkung von Licht und durch Bewegung, evoziert durch Wind, Gezeiten, Gefälle oder mechanische Eingriffe, kanalisiert in Verlaufsformen (wie Flussbetten), umgrenzt von Gefäßen oder begrenzt von Ufern (Wassersaum, Strand). Die zur Musikbeschreibung herangezogenen Bewegungsmetaphern richten sich nach der sinnlichen akustischen und visuellen Erfahrung mit Wasser in der natürlichen und in der zivilisierten Umgebung. Sie reicht vom Rinnsal und tropfenden Wasserhahn bis zu Stromschnellen, Platzregen, Meeresrauschen und stillen Gewässern. Dabei beeinflussen Geschwindigkeit, Masse, Temperatur und Umgebung sowohl das empfundene Tempo als auch den Lautstärkepegel.

Janina Klassen

9. Frostige Zeiten – Leben und Überleben in Eis und Schnee

Die besonderen physikalischen und chemischen Eigenschaften des Wassers haben bei der Entstehung des Lebens zweifellos eine entscheidende Rolle gespielt. Auch heute noch ist Wasser als Lösungsmittel eine unverzichtbare Voraussetzung für alle biochemischen und physiologischen Abläufe („corpora non agunt nisi soluta“). Eine ähnlich entscheidende Rolle spielt die Temperatur: Mit sinkender Temperatur verringert sich normalerweise die Geschwindigkeit (bio-)chemischer Reaktionen; und sinkt die Umgebungstemperatur bei normalen Druckverhältnissen (∽ 1 bar) unter den Schmelzpunkt von Wasser (0 °C), geht dieses in seinen festen Aggregatzustand (Eis) über. Dann ist kein Stofftransport mehr möglich und die Eiskristalle können überlebenswichtige Strukturen, z. B. Membranen, irreparabel beschädigen. Der Temperaturbereich, innerhalb dessen Lebensvorgänge möglich sind, erstreckt sich daher in der Regel von etwa 0–45 °C. Lebensräume mit niedrigeren bzw. höheren Temperaturen können nur von Organismen erfolgreich besiedelt werden, die Wege gefunden haben, die tödlichen Gefahren außerhalb dieses Temperaturbereichs zu vermeiden.

Ewald Müller

10. Der Brunnen als Strukturelement der Identitätsgenese

Am Beispiel von Thomas Manns Romantetralogie Joseph und seine Brüder

Insbesondere im Nomadenleben kommt dem Brunnen eine zentrale Rolle zu. Ohne Wasser kein Leben in der Wüste. In Thomas Manns Tetralogie Joseph und seine Brüder, welche vom Leben der Nachkommen der biblischen Patriarchen im sogenannten Alten Orient handelt, kommen dem Brunnen diverse Funktionen zu: mythologisch als Ursprung des Lebens, metaphorisch im „Brunnen der Vergangenheit“ als Spiegel des Gewesenen (I, S. 11) real und symbolisch gleichermaßen als Quell des Lebens, soziologisch als ordnungsstiftendes Zentrum des Nomadentums und schließlich rein pragmatisch als Ernährungsgrundlage im Hirtendasein.

Kristina Köhler

11. Wasser als Element zivilisatorischer Infrastruktur

Die deutsche Gesangsgruppe „Die Peheiros“ hatte Mitte der 1950er Jahre einen nachhaltigen Erfolg mit dem Ohrwurm Wasser ist zum Waschen da. Das Lied von Hans Hee war eigentlich als Persiflage auf die damaligen Schnulzen gedacht und wird heutzutage, wo der Umweltschutz zur bierernsten Angelegenheit geworden ist, herangezogen, um zu zeigen, in welchen Lebensbereichen – d. h. praktisch überall – Wasser unverzichtbar ist. „Wasser ist eine der wichtigsten Grundlagen allen menschlichen, tierischen und pflanzlichen Lebens. Es wird nicht nur als Trink- und Brauchwasser, sondern auch als Produktionsmittel in Industrie und Handwerk benötigt.“ So das Bundesverfassungsgericht. Zu ergänzen ist, dass Flüsse und Meere auch als Verkehrswege nutzbar sind.

Michael Ronellenfitsch

12. Wasser – Quelle der Philosophie

Von Thales ist überliefert, er habe gesagt, das Wasser sei Prinzip und Quelle aller Dinge. Mit diesem Satz eröffnete er vor mehr als zweieinhalbtausend Jahren den philosophischen Diskurs. Auf der Schwelle zwischen Mythos und Logos taucht Wasser als eine spannende Denkfigur hoch. Das physische Wasser wie auch sein Sinnbild und Begriff erschließen Dimensionen, die das menschliche Bewusstsein und viele unserer Denkströmungen beeinflusst haben. Diesen Quellen soll auf den Grund gegangen werden.

Oya Erdoğan

13. Quellen: Leben auf der Schwelle zum Licht

Quellen sind klassische Ökotone (Grenzlebensräume). Sie sind durch stabile Verhältnisse im Grundwasser, das sie speist, geprägt, ihr besonderer Charakter entsteht jedoch im Wechselspiel mit Vegetation, Bodenbeschaffenheit und Klima um den Austrittsbereich. Wir betrachten ihre grundlegenden Besonderheiten, auch im Unterschied zu anderen grundwassergeprägten Lebensräumen, und die Faktoren, die zur jeweils starken Individualität einzelner Quellen führen. Mit ihrer eigentümlich zusammengesetzten, an besonders angepassten Spezialisten reichen Lebewelt leisten sie einen besonderen Beitrag zur regionalen und überregionalen Artenvielfalt. Zugleich sind sie durch räumliche Isolation und geringe Ausdehnung in der Fläche besonders sensible und störungsanfällige Elemente in der natürlichen Umwelt. In vielen Teilen der Erde existieren keine naturnah erhaltenen Quellen mehr oder sie sind auf kleinste Reliktvorkommen reduziert. Aber auch im wasserreichen Mitteleuropa bestehen erhebliche Defizite in ihrer Erforschung und Pflege.

Reinhard Gerecke

14. Mythen des Meeres – Mythen des Menschen

Was könnte ausgerechnet die Literatur zum Thema des Wassers beitragen, was die Naturwissenschaften nicht schon sehr viel präziser und realitätsbezogener ausgeführt hätten? Möglicherweise etwas ganz Entscheidendes, etwas, das den anderen Wissenschaften weniger leicht zugänglich ist: der Bezug zum Leben, zum Menschen.

Jürgen Wertheimer

15. Der Fußabdruck des Menschen im Wasser: Spurenstoffe als Risiko für Mensch und Umwelt?

Alle Lebewesen auf der Erde inklusive des Menschen sind abhängig vom Wasser. Sie benötigen dieses zur Aufrechterhaltung ihrer Körperfunktionen und partizipieren allein aufgrund der Notwendigkeit zur Aufnahme und Abgabe von Flüssigkeit am globalen Wasserkreislauf. Jedes Lebewesen hinterlässt somit durch seine bloße Existenz im Laufe seines Lebens im Wasser eine geringfügige spezifische Spur.

Rita Triebskorn
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