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11.04.2018 | Wasserbau | Kommentar | Onlineartikel

"Dam removal" – auch die Zukunft bei uns?

Autor:
Assoc. Prof. Dipl.-Ing. Dr. Josef Schneider

Die große Zahl an nicht durchgängigen Bauwerken in Gewässern stellt eine enorme Herausforderung dar. Die Entfernung der Hindernisse ist eine Option, erklärt Josef Schneider in der WasserWirtschaft.

Mehrere Millionen Kilometer freie Fließstrecke, über eine Million Seen aber auch eine Million nicht fischdurchgängige Querbauwerke (davon über 7.000 Sperren höher als 15 Meter) in Europa! Diese Zahlen wurden im Rahmen des AMBER-Projektes, das sich mit der Wiederherstellung der Durchgängigkeit europäischer Flüsse beschäftigt, veröffentlicht. Abgesehen von rechtlichen Vorgaben, wie der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), welche die Durchgängigkeit von Querbauwerken in den Mitgliedsstaaten fordert, ist es augenscheinlich, dass diese große Zahl an nicht durchgängigen Bauwerken eine enorme Herausforderung darstellt.

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01.04.2018 | Forschung | Ausgabe 4/2018

Modelltechnische Untersuchungen im Rahmen des Projekts „Erneuerung Kraftwerk Töging“

Die Erneuerung bestehender Wasserkraftanlagen setzt häufig umfangreiche hydraulische Untersuchungen voraus. Mit Hilfe physikalischer Modellversuche aber auch mittels numerischer Berechnungsmethoden müssen einerseits die Bauphasen untersucht t, andererseits die neuen Bauteile getestet und optimiert werden.


Üblicherweise werden zur Erreichung der Durchgängigkeit vor allem bei größeren Hindernissen Fischaufstiegsanlagen, teils mit erheblichen Kosten, errichtet. Somit sind neue Investitionen auch in bestehende Staubauwerke notwendig. Länderspezifisch unterschiedlich sind teils Förderungen vorhanden. Beispielsweise wurden in Österreich im Rahmen des ersten Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplanes (NGP2009), dessen übergeordneter Grundsatz "Schaffung und Vernetzung von Lebensraum" lautet, zwischen 2009 und 2015 über 1.000 Wanderhindernisse passierbar gemacht und in Summe etwa 55 Millionen Euro in Maßnahmen für die Durchgängigkeit und Morphologie investiert. Davon wurden 23 Millionen Euro aus Bundesmitteln zugeschossen. Fördergelder für die Periode des zweiten NGP (NGP 2015) sind jedoch seitens der Österreichischen Bundesregierung bis dato immer noch nicht genehmigt. Dies ist für die geforderte WRRL-Umsetzung jedoch nicht sonderlich förderlich.

Entfernung der Hindernisse ist eine Option

Ein weiterer möglicher Ansatz zur Erreichung der Durchgängigkeit ist die Entfernung der Hindernisse (dam removal). Dafür können rechtliche, wirtschaftliche, ökologische, aber auch sicherheitsrelevante Gründe sprechen. Die Entfernung von Querbauwerken ist beispielsweise im alpinen Raum mittlerweile bei kleineren, nicht durchgängigen Absturzbauwerken und Rampen bereits mehrfach zu beobachten, in den USA, aber auch in Schweden und Südeuropa, wird das Entfernen vermehrt auch bei großen Sperrbauwerken (über 15 Meter Höhe) praktiziert. Bereits vor 15 Jahren wurde publiziert, dass einerseits in den USA über 500 Sperren entfernt wurden, andererseits aus dem Rest der Welt nur eine Handvoll Fälle bekannt waren.

Die Entfernung von Querbauwerken bedeutet neben der Durchgängigkeit für die Fauna auch, dass die Fließgewässer plötzlich wieder sedimentdurchgängig sind. Erfahrungsgemäß ist das Entfernen kein sanfter Prozess, sondern bewirkt auch die Zerstörung eines mittlerweile vorhandenen Ökosystems. Der Zustand vor der Errichtung wird sich auch nicht sofort einstellen, mittelfristig wird sich die ökologische Situation aber deutlich verbessern.

Alterung der Infrastruktur erfordert Reaktionen

Die fortschreitende Alterung bestehender Infrastruktur in den Gewässern erzwingt eine Reaktion. Das Entfernen von Querbauwerken kann aus den oben angeführten Gründen eine sinnvolle Lösung sein, ist oft aber auch eine Quelle von Konflikten. Es hat sich weltweit gezeigt, dass ohne die Zustimmung aller beteiligten Interessensgruppen solche Maßnahmen nicht erfolgreich durchführbar sind.

Möglicherweise kann das Entfernen von alten Stauanlagen für den einen oder anderen Standort eine Alternative zum Umbau darstellen, vor allem wenn die Anlage ihren Zweck nicht mehr erfüllt, keinen ökonomischen Nutzen mehr bringt und die technische Erneuerung sehr kostspielig ist. Die Natur wird es uns danken.

Auf eine nachhaltige Zukunft!

Der Kommentar ist in Ausgabe 04/2018 der Fachzeitschrift WasserWirtschaft erschienen.

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