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06.12.2017 | Wasserkraft | Kommentar | Onlineartikel

Alpine Wasserkraft – Stütze der Energiewende

Autor:
Dr.-Ing. Nicolaus Römer

Die alpine Wasserkraft bietet große Speicherkapazitäten bei großer installierter Leistung, wird aber bezüglich Ihrer tragenden Rolle oft verkannt. Nicolaus Römer kommentiert in der WasserWirtschaft.

Die Stromerzeugung wird immer komplexer und volatiler. Die erforderlichen Veränderungen werden in der Bevölkerung nicht immer akzeptiert. Die nicht enden wollenden Diskussionen um die Kosten der Energiewende und die Notwendigkeit von Energiespeichern benötigt von allen Betroffenen viel Kraft. Während wir uns einig sind, unseren Strom zunehmend aus erneuerbaren Energien zu beziehen und unseren Primärenergieverbrauch weitestgehend zu dekarbonisieren, sind wir bei der Energiespeicherung unschlüssig. Einerseits sehen wir ein, dass mit zunehmender Volatilität durch Windkraftanlagen und Photovoltaik Speicherkapazitäten benötigt werden, andererseits verschieben wir diese Herausforderung immer weiter in die Zukunft. Ein maßgeblicher Bedarf an Energiespeichern wird erst bei einer Stromerzeugung von 70 Prozent gesehen. Frühestens jedoch 2030.

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01.12.2017 | Praxis | Ausgabe 12/2017

Zusammenspiel von Sonne, Wind und Wasser

Ein ergänzendes Zusammenspiel der erneuerbaren Energien (EE) wäre für eine dekarbonisierte Stromerzeugung ideal. Doch dies ist leider nicht der Fall. Anhand des Ausbaus der EE innerhalb der EnBW AG zeigt sich, dass der Bedarf an sinnvoller Energiespeicherkapazität weiterhin zunimmt.


Man sagt, bis dahin gäbe es andere Flexibilisierungsoptionen. Die Laststeuerung zum Beispiel. Das Potenzial der Laststeuerung ist einseitig begrenzt. Zwar können Industriebetriebe ihren Strombedarf in ein anderes Zeitfenster verlagern, jedoch keinen Strom einspeisen, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Weiterhin ist fraglich, ob sich die Industrie bedingungslos der Stromerzeugung unterordnen wird. Batteriespeicher vielleicht? Die Kapazität der vorhandenen Batteriespeicher trägt nur nebensächlich zur Langfristspeicherung bei. Wie wäre es mit Power-to-X? Power-to-X wird für die Dekarbonisierung des Wärmesektors verwendet werden und nicht primär für die Stromerzeugung. Selbst wenn dem so wäre, in welchen Kraftwerken wollen wir Gas verstromen? Und was ist mit Elektromobilität? Einen signifikanten Beitrag zur Energiespeicherung werden diese erst liefern, wenn die Anzahl der Elektromobile steigt. Bei den jetzigen Zulassungsraten werden die Elektromobile auf der Speicherautobahn rechts von unserem Speicherbedarf überholt. Ungeachtet dessen wird die Nutzung für Mobilitätszwecke Vorrang gegenüber der Energiespeicherung haben. Mit der fortschreitenden Elektrifizierung aller Sektoren steigt auch unser Bedarf, die Energie über weitere Strecken zu transportieren.

Norlink bringt Strom im Norden - was ist mit dem Süden?

Eine erste Anstrengung in dieser Hinsicht wird aktuell mit Nordlink gemacht. Die Windkraftanlagen werden über ca. 650 km durch die Nordsee mit norwegischen (Wasser-) Speichern verbunden. Das würde zwar dazu führen, dass die Windkraftanlagen nicht abgeregelt werden müssen, nicht aber, dass der Strom auch in den energiehungrigen Süden Deutschlands kommt. Wohingegen der Alpenraum nicht nur näher am Süden Deutschlands ist, sondern netztechnisch schon mit ihm verbunden.

Die alpine Wasserkraft bietet große Speicherkapazitäten bei großer installierter Leistung. Die Energiewende stellt uns vor große Herausforderungen, welche wir nur mit der Gesamtheit der verfügbaren Technologien werden lösen können. Dazu gehört insbesondere die oft verkannte Wasserkraft im Alpenraum. Sie wird eine tragende Rolle spielen und es ist unsere Aufgabe, diese Botschaft nach außen zu tragen.

Um dies zu tun, haben wir als Arbeitsgemeinschaft Alpine Wasserkraft e. V. (AGAW) im Juni diesen Jahres die AGAW-Tage unter dem Motto „Wasserkraft – Stütze der Energiewende“ veranstaltet, in denen spannende und aufschlussreiche Vorträge aus Forschung, Technik und Energiewirtschaft zu hören waren. Ich freue mich über die Möglichkeit, Ihnen eine Auswahl der seinerzeitigen Vorträge sowie derjenigen des davor stattgefundenen AGAW-Workshops "Fische und Wasserkraft" in Ausgabe 12/2017 der Fachzeitschrift WasserWirtschaft präsentieren zu können.

Dieser Kommentar ist in Ausgabe 12/2017 der Fachzeitschrift WasserWirtschaft erschienen.

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