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30.03.2017 | Wasserkraft | Im Fokus | Onlineartikel

Pumpspeicher in Deutschland nur begrenzt ausbaufähig

Autor:
Frank Urbansky

Wasserkraft ist neben Holz die älteste regenerative Energie. Zu Speicherzwecken könnte sie in der Energiewende eine wichtige Rolle spielen. Die Potenziale sind vorhanden, die Vergütung jedoch gering.

Wasserkraft in Form von Pumpspeichern kann eines der Puzzleteile sein, um die Speicherprobleme der Energiewende mit fluktuierender Einspeisung und Verbrauch in den Griff zu bekommen. In geologisch begünstigten Weltgegenden wird dies auch genutzt. "Bei der Elektrizitätsversorgung eines Landes ist stets der Gedanke naheliegend, die verfügbaren Wasserkräfte auszunutzen. Fluss- und Speicherkraftwerke tragen deshalb je nach den topographischen und klimatischen Gegebenheiten in mehr oder weniger hohem Maße zur elektrischen Energieerzeugung der einzelnen Länder bei. Bei besonders günstigen Verhältnissen ist ihr Anteil sogar größer als der durch thermische Kraftwerke aufgebrachte, wie z.B. in Norwegen, in Österreich, in der Schweiz, in Kanada und in Südamerika", geben die Springer Vieweg-Autoren Dietrich Oeding und Bernd R. Oswald in ihrem Buchkapitel Wasserkraftwerke und Windkraftwerke auf Seite 95 einen Überblick. 

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Wasserkraftwerke und Windkraftwerke

Bei der Elektrizitätsversorgung eines Landes ist stets der Gedanke naheliegend, die verfügbaren Wasserkräfte auszunutzen. Fluss- und Speicherkraftwerke tragen deshalb je nach den topographischen und klimatischen Gegebenheiten in mehr oder weniger hohem Maße zur elektrischen Energieerzeugung der einzelnen Länder bei. 


So erzeugt Wasserkraft weltweit gut 16 Prozent der gesamten elektrischen Energie zur Stromversorgung. In Deutschland ist dieser Anteil deutlich niedriger. Er schwankt zudem durch meteorologisch bedingte Niederschläge. Die installierte Leistung der "normalen" Wasserkraft  liegt bei vier Gigawatt. Das entspricht knapp drei Atomkraftwerken. Einen Zubau gab es in den letzten Jahren nicht. Dabei wird das jährliche Zubaupotenzial auf 20 Megawatt geschätzt. Ohne Pumpspeicherwerke wäre das ein Zuwachs von 0,5 Prozent jährlich.

Reichlich Potenzial

Gerade die Pumpspeicher sind die einzige Technologie, die das Speicherproblem der Energiewende teilweise lösen könnten. Denn durch Wind- und Solarstrom kommt es im Netz zu lang andauernden Überschüssen. Pumpspeicher könnten diese flexibel als Kurzzeitspeicher nutzen. Als Langzeitspeicher jedoch sind sie nicht geeignet.

In Deutschland sind rund sieben Gigawatt Pumpspeicherleistungen installiert. Diese können rund vier Terrawattstunden elektrischer Energie speichern. Das sind 100 Mal so viel wie alle normalen elektrischen Batterien hierzulande und etwa 200 Mal so viel wie alle Batterien von E-Mobilen.

Die vorhandenen Potenziale, inklusive kleiner Seen oder alter Bergwerkstollen sowie Abraumhalden, die ebenfalls als Pumpspeicher genutzt werden könnten, werden von Experten auf weitere 3,5 Terrawattsunden geschätzt. Doch neue Pumpspeicherkraftwerke, für die sich idealerweise die deutschen Mittelgebirge eignen, sind kaum noch zu bauen. Zum einen liegt das an den Bürgern. Derzeit will die Schluchsee AG im Schwarzwald bei Atorf ein Pumpspeicherkraftwerk errichten. Dagegen regt sich massiver Protest, was Planungen verzögert und das Projekt verteuert.

Finanziell kaum lohnend

Zum anderen ist es das liebe Geld. Wasserkraft und eben auch Pumpspeicherkraftwerke lohnen sich wegen des Verfalls der Preise am Strommarkt kaum mehr. Erste Projekte, etwa von Hochtief im Kyffhäuser, wurden schon unternehmensseitig beerdigt.

"Mit dem fortschreitenden Ausbau der erneuerbaren Energien entstehen auf dem Strommarkt immer größere Diskrepanzen zwischen Angebot und Nachfrage. Umso wichtiger werden Pumpspeicherkraftwerke (PSW), denn dies sind aktuell und mittelfristig die einzigen im großen Maßstab verfügbaren Stromspeicher. Aufgrund sinkender Strompreise sowie der gesetzlichen Rahmenbedingungen verschlechtert sich deren wirtschaftliche Situation allerdings zunehmend und hat inzwischen ein existenzgefährdendes Ausmaß erreicht. Insofern ist es dringend notwendig, eine angemessene Vergütung sicherzustellen und die rechtlichen Hemmnisse des PSW-Betriebs zu beseitigen, damit sie auch weiterhin ihren Beitrag zur Energiewende leisten können", fasst dieses Dilemma WasserWirtschaft-Autor Rene Kühne in seinem Beitrag Aktuelle Rahmenbedingungen für den Betrieb von Pumpspeicherwerken in Deutschland zusammen. 

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