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10.07.2020 | Wasserkraft | Im Fokus | Onlineartikel

Pumpspeicherkraftwerke leiden unter mangelnder Akzeptanz und Preisverfall

Autor:
Frank Urbansky
3 Min. Lesedauer

Pumpspeicherkraftwerke können Lastspitzen aufnehmen und abdecken. Das macht sie zum idealen Partner der Energiewende – eigentlich. Denn sie leiden unter mangelnder Bürgerakzeptanz und Preisverfall.

Wasserkraft spielt in der Stromerzeugung hierzulande mit einem Beitrag von rund drei Prozent eine eher untergeordnete Rolle. "Wasserkraft hat im deutschen Energiemix traditionell nur lokal eine Bedeutung und auch zukünftig spielt sie bei der Energiewende, aufgrund des geringen Ausbaupotentials, eine nur geringe Rolle. Demzufolge wird in Deutschland gesellschaftlich, bei Fragen um Energiewende und Partizipation, wenig an die Wasserkraft gedacht", resümieren die Springer VS-Autoren Hans Peter Schiffer und Thomas Hennig in ihrem Buchkapitel "Die Rolle der Wasserkraft bei der globalen Stromerzeugung. Welche Schlüsse lassen sich aus den Partizipationserfahrungen ziehen?" auf  Seite 643.

Empfehlung der Redaktion

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Die Rolle der Wasserkraft bei der globalen Stromerzeugung. Welche Schlüsse lassen sich aus den Partizipationserfahrungen ziehen?

Wasserkraft hat im deutschen ‚Energiemix‘ traditionell nur lokal eine Bedeutung und auch zukünftig spielt sie bei der Energiewende, aufgrund des geringen Ausbaupotentials, eine nur geringe Rolle. Demzufolge wird in Deutschland gesellschaftlich, bei Fragen um Energiewende und Partizipation, wenig an die Wasserkraft gedacht. 

Insbesondere hydraulische Pumpspeicherkraftwerke, die tagsüber bei Bedarf durch Ableiten des Wassers aus einem höhergelegenen Becken in ein tiefergelegenes Strom produzieren und es nachts dank billigen Stroms wieder hinaufpumpen, wären ein idealer Partner der Energiewende. Denn sie können auch nachts überschüssige Windenergie für ihre Pumpprozesse nutzen.

Bürger verhindern neue Projekte

Doch gerade diese Technologie leidet unter zwei Problemen. Zum einen ist dies die mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung. Zwei Projekte, eines im Schwarzwald und eines im Harz, scheiterten an Bürgerinitiativen, obwohl die geologischen Gegebenheiten sehr gut geeignet wären. Zudem lohnt sich das Pumpspeichergeschäft nicht mehr, da die Preisdifferenz zwischen Tag- und Nachtstrom durch die Liberalisierung der Strommärkte deutlich abgenommen hat. Doch nur dank dieser Differenzen ist die Technologie lohnend. In anderen Ländern, insbesondere in Norwegen und der Schweiz, wird dies staatlich reguliert, da dort Wasserkraft den Großteil der Stromversorgung abdeckt.

Dabei ist die Pumpspeichertechnologie vielfältig und nicht unbedingt, wie bei der hydraulischen Variante, auf oberirdische geologische Gegebenheiten wie in Mittel- oder Hochgebirgen angewiesen.

Pumpspeicherkraftwerke gibt es auch ein einer thermischen Variante. Dabei wird heißes Wasser bei Bedarf aus Abwärme oder Überschussstrom produziert, in gut isolierenden Felskavernen gespeichert und bei Bedarf wieder ausgespeist. Der Wirkungsgrad dieser Technologie liegt bei 90 Prozent.

Untertage-Nutzung denkbar

Auch eine Nutzung unter Tage ist denkbar. Hier wäre die Akzeptanz der Bevölkerung sicher größer, da keine oberirdischen Landschaften komplett umgewandelt werden müssten. Zum Einsatz kommen dafür unterirdische Hohlräume, die etwa durch den Bergbau, Aussohlung oder aber auf natürliche Art entstanden sind. Das Prinzip ist das gleiche wie bei den hydraulischen oberirdischen Anlagen: Tagsüber rauscht das Wasser von einer oberen, jedoch trotzdem unterirdisch gelagerten Kaverne, in eine tiefere, nachts wird es wieder zurückgepumpt.

Eine weitere Möglichkeit für die Nutzung der Pumpspeichertechnologie sind Meerwasserkraftwerke. Diese können dort zum Einsatz kommen, wo in Küstennähe entweder oberhalb oder unterhalb der Wasserlinie natürliche Becken oder Hohlräume entstanden sind. Diese könnten mit dem Ozean verbunden werden. Generatoren nutzen durch die entstehende Wasserströmung das natürliche Gefälle aus.

Trotz dieser technischen Möglichkeiten bleibt die Pumpspeichertechnologie in Deutschland aufgrund der geschilderten Akzeptanz- und Preisprobleme eine randständige Technologie, auch wenn eine ihrer Eigenschaften für die Energiewende unerlässlich ist. "Die Wasserkraft ist allerdings eine gut berechenbare Energiequelle und unterliegt nicht den nur kurzfristig vorhersehbaren Schwankungen der Wind- und Solarenergien", beschreibt diese Springer Vieweg-Autor Richard Zahoransky in seinem Buchkapitel Wasserkraftwerke, Seite 329.

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