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Wasserstoff auf dem Weg zur Elektromobilität

Vom Pionier zum Schlusslicht - die deutsche Industrie auf dem Weg in die Zweitklassigkeit?

  • 2025
  • Buch
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Über dieses Buch

Über 100 Jahre hat „German Engineering“ in der Fahrzeugindustrie mit seiner vielfältigen und äußerst innovativen Zulieferlandschaft für weltweite Anerkennung und Wohlstand gesorgt. Der aktuelle Wandel hin zu emissionsfreien Antrieben und agile, strategisch agierende asiatische Unternehmen stellen unsere erfolgsverwöhnte Industrie und die Politik vor nicht dagewesene Herausforderungen. Warum tun sich deutsche Konzerne seit Jahrzehnten so schwer mit Basisinnovationen? Weshalb gelingt es der Politik nicht, attraktive Rahmenbedingungen für Investoren zu schaffen und weshalb privilegiert sie manche Technologien und behindert andere? Die Neuausgabe des Buches greift diese Themen auf, beschreibt die Rolle von erneuerbaren Energien, die Vor- und Nachteile der wichtigsten Varianten elektrischer Antriebstechnologien und ihre Interaktion mit dem Energiesystem. Die Rolle Chinas, als auch die Versäumnisse der deutschen Auto-Industrie bei der Entwicklung innovativer Antriebstechnologien werden analysiert. Bestätigt wurden die Ergebnisse der Analysen indirekt durch die Vergabe des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften 2025 an drei Innovationsforscher zur Bedeutung der kreativen Zerstörung für erfolgreiche Volkswirtschaften.

Im Umgang mit der Elektromobilität werden die Fehler bei der Industrialisierung der Photovoltaik wiederholt. Gleiches zeichnet sich aktuell für Wasserstoff ab. Die Autoren betrachten die Entwicklungen aus der Perspektive ihrer jahrzehntelangen Erfahrungen in der Branche.

Das Buch richtet sich an alle, die sich für Innovationen, wirtschaftliche und politische Zusammenhänge, Mobilität und Energiewirtschaft interessieren.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Kapitel 1. Die wichtigsten Fakten zur Energie- und Mobilitätswende
Zusammenfassung
Um die wichtigsten Fakten der Energie- und Mobilitätswende zu erkennen und zu bewerten, bedarf es lediglich einiger technischer und wirtschaftlicher Grundkenntnisse und etwas ausgiebigerer Recherche im allwissenden Internet. Viele asiatische Konzerne und Regierungen nutzen dieses Instrument und scheinen ihre grundlegenden Hausaufgaben gemacht zu haben. Dagegen herrscht bei vielen deutschen und europäischen Konzernen wie auch in der Politik ein großer Mangel an einem ganzheitlichen Verständnis. Die Medien und damit auch die breite Öffentlichkeit lassen sich von stark vereinfachten und wenig durchdachten Schlagworten beeindrucken.
André Martin, Werner Tillmetz
Kapitel 2. Vom Weltall auf die Straße
Zusammenfassung
Die erste Phase unserer Geschichte, bis 1997, war stark von Forschung bzw. Technologieentwicklung in drei sehr unterschiedlichen Organisationen – Dornier, Daimler und Ballard Power Systems – geprägt. Vision, Kreativität und hohes Entwicklungstempo brachten die Entwicklung einer kompakten, leistungsfähigen Brennstoffzelle für Fahrzeuge schnell voran. Erfolgsrezept war neben ausreichender Mittelbereitstellung durch Daimler und Ballard die Integration aller notwendigen Kompetenzen und Fähigkeiten in einem Team, das hoch motiviert eine schnelle Umsetzung in sichtbare Anwendungen ermöglichte. Die Demonstration der Technologie in Fahrzeugen schuf Akzeptanz und politische Unterstützung.
André Martin, Werner Tillmetz
Kapitel 3. Von Technologiedemonstratoren zu Fahrzeugflotten in Kundenhand
Zusammenfassung
Zwischen 1997 und 2002 wurden durch Daimler, Ballard und später auch Ford in dichter Folge Brennstoffzellenfahrzeuge auf die Straße gebracht, die den jeweiligen Technologieentwicklungsstand demonstrierten. Der rasante Entwicklungsfortschritt belegte das Potenzial der Brennstoffzelle. Die dynamische Entwicklung erzeugte ein starkes Moment und große Euphorie bei Investoren und industriellen Akteuren. Der Aktienkurs von Ballard kannte nur eine Richtung: steil nach oben und verschleierte lange Zeit, dass die Fahrzeughersteller mit ihren etablierten Verbrennungsmotoren und die Erdölgiganten, die Kraft- und Schmierstoffe dazu lieferten, diesen Wandel nicht so einfach mitmachen würden. Organisatorische Mängel und starker Einfluss der Firmenpolitik sorgten für Konflikte, interessengeleitete Alleingänge und nachlassendes Entwicklungstempo. Der für die Kommerzialisierung unerlässliche Strukturbruch des gesamten Umfelds und die daraus entstehenden Widerstände wurden unterschätzt.
André Martin, Werner Tillmetz
Kapitel 4. Der lange Weg zur Markteinführung
Zusammenfassung
Große Flottendemonstrationsprojekte mit Pkw und Bussen bewiesen Anfang der 2000er-Jahre die Machbarkeit der Technologie und einer emissionsfreien Mobilität. Mängel der politischen Rahmensetzung und strategische Schwächen korrumpierten die anfangs aggressive Entwicklungsstrategie der Autohersteller, die zunehmend durch risikoaverses Portfoliomanagement ersetzt wurde. Ganz anders verhielten sich asiatische Wettbewerber, die eine klare langfristige Strategie implementierten und sich dadurch einen wachsenden Vorsprung bei der Entwicklung und Herstellung von Kleinserien und ihrer Einführung in den Markt verschafften. Um die Umsetzungsschwäche von der Technologieentwicklung in den Markt zu beseitigen, ist ein Umdenken bei der Entwicklung von Forschungsschwerpunkten, der Konzeption von Förderprogrammen sowie Regulierungskonzepten von entscheidender Bedeutung.
André Martin, Werner Tillmetz
Kapitel 5. Der Innovationsschub bleibt aus – weiter so ist keine Option
Zusammenfassung
Die Zeit von 2020 bis Anfang 2025 war weltweit von einer sehr dynamischen Entwicklung und zunehmenden Vielfalt bei alternativen Antrieben und der Energieversorgung bestimmt. Viele Akteure in Deutschland handelten jedoch weiterhin wenig strategisch und wurden von der Dynamik der weltweiten Entwicklung überrascht. Die Autoindustrie beharrte im Verwaltungsmodus, richtete sich kritiklos an politischen Vorgaben aus und verlangte im Gegenzug Subventionen. Der Aufbau der benötigten Infrastruktur für alle alternativen Antriebe verlief und verläuft schleppend. Die Politik nimmt ihre Koordinierungsfunktion zur deutschen Schlüsselindustrie nur unzureichend war und sorgt mit mangelhaften Regulierungskonzepten für Fehlanreize. Die systemischen Dimensionen der Energiewende werden massiv unterschätzt. Weder in der Industrie noch in der Finanzwelt und Politik wurden die nötigen strategischen Analysen durchgeführt, die bereits sehr früh auf kritische Aspekte dieser Entwicklung aufmerksam gemacht hätten.
André Martin, Werner Tillmetz
Kapitel 6. Faktencheck: Die Technologien im Vergleich und was das für die Wettbewerbsfähigkeit bedeutet
Zusammenfassung
Der Faktencheck macht deutlich, dass für die Beurteilung von Technologien ein ganzheitliches, möglichst vorurteilsfreies und faktenbasiertes Herangehen entscheidend ist. Folgt man diesem Konzept, kommt man zu belastbaren Aussagen, die gute technische, wirtschaftliche und politische Entscheidungen ermöglichen. Batterieelektrische Fahrzeuge sind besonders geeignet für Kurzstreckenbetrieb und regionale Fahrzyklen. In Bezug auf reale Reichweite und Tankzeiten sowie Berechenbarkeit des Energieverbrauchs besitzen Brennstoffzellenfahrzeuge Vorteile und ähnlich positive Nutzereigenschaften wie konventionelle Fahrzeuge. Mit größerer Reiseentfernung und höherem Nutzungsgrad von Fahrzeugen nimmt die Bedeutung dieser Vorteile zu. Analoges gilt für Elektrofahrzeuge mit Range Extender (EREV). Auch der Aufbau einer Betankungsinfrastruktur für Wasserstoff ist unter wirtschaftlichen Aspekten zielführender als der kaum zu finanzierende Aufbau eines flächendeckenden Ladenetzes für rein batterieelektrische Fahrzeuge mit dem dafür notwendigen Ausbau des Stromnetzes. Die globale Ausrichtung großer Fahrzeughersteller verlangt ein differenziertes Portfolio von Antriebstechnologien, um unterschiedlichen Marktanforderungen gerecht werden zu können. Die strategischen Abhängigkeiten von China in der Wertschöpfungskette von Batterien sind ein massives Risiko für die Wettbewerbsposition der heimischen Fahrzeughersteller sowie die Energiebranche und verlangen adäquate Antworten für die strategische Technologieentwicklung.
André Martin, Werner Tillmetz
Kapitel 7. Staatswirtschaft oder Markt – das Strategiedilemma in Politik und Industrie
Zusammenfassung
Bei vielen radikalen Innovationen spielt die deutsche Industrie international nur noch eine Nebenrolle, und das schon seit Jahrzehnten. Amerikanische und in wachsendem Maße asiatische Unternehmen bestimmen die Entwicklung und kontrollieren die Märkte. Produkte aus China haben sich in den letzten zwanzig Jahren in vielen Technologiebereichen an die Spitze gesetzt. Der chinesische Staat strebt Dominanz und Vorherrschaft in wichtigen Technologiefeldern an und ist auf dem besten Weg, dieses Ziel zu erreichen. Maßgeblich für die Innovationsschwäche der deutschen Wirtschaft sind strukturelle Mängel der politischen Rahmenbedingungen, fehlende Investitionsanreize, strategische Naivität und mangelnder unternehmerischer Mut. Die Potenziale neuer Technologien werden unterschätzt. Innovationen werden politisch reguliert, bevor sie sich am Markt überhaupt etablieren können. Die finanzmarktpolitischen Regeln in Deutschland bestrafen Wagniskapital, anstatt auf die Potenziale zu vertrauen und Teilhabe zu praktizieren. Eine kleinliche Steuergesetzgebung maßregelt Unternehmertum, weil sie dem freien Markt misstraut. Der Staat verhängt planwirtschaftliche Vorgaben und interveniert, um sie zu erreichen, ohne ausreichende Kenntnis und Beachtung der systemischen Zusammenhänge. Große Teile der Industrie sind dieser Politik lange ohne Kritik gefolgt. Die Entwicklung hat die deutsche Wirtschaft in eine Sackgasse geführt. Die Krise ist überall sichtbar und spürbar. Deutschland braucht einen Neuanfang in allen Bereichen. Überregulierung ist ein zentrales Hindernis für die freie Entfaltung von Innovationskräften. Sie allein garantieren auf Dauer Wettbewerbsfähigkeit, um den von Generationen hart erarbeiteten Wohlstand zu bewahren.
André Martin, Werner Tillmetz
Backmatter
Titel
Wasserstoff auf dem Weg zur Elektromobilität
Verfasst von
André Martin
Werner Tillmetz
Copyright-Jahr
2025
Electronic ISBN
978-3-658-49231-1
Print ISBN
978-3-658-49230-4
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-49231-1

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