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Wasserstoff in der Mobilität nur in Nischen möglich

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Einst als Heilsbringer der Verkehrswende gefeiert, verliert Wasserstoff in Pkw und Transportern rasant an Boden. Während die Politik weiter mit Milliarden fördert, setzt die Industrie längst auf Batterien. Nur im Schwerlastverkehr bleibt H₂ im Spiel.

Wasserstofftankstellen gibt es reichlich 100 Stück in ganz Deutschland – verglichen mit gut 14.000 Tankstellen insgesamt eine verschwindend geringe Zahl.


Noch vor wenigen Jahren galt Wasserstoff als Heilsbringer der Verkehrswende. In der Vision von Politik und Industrie sollten Pkw, Busse und Lkw gleichermaßen mit Brennstoffzellen fahren, das Tanken in wenigen Minuten möglich sein und eine neue Infrastruktur von Wasserstofftankstellen das Land überziehen.

Inzwischen ist von diesem Hochglanzbild wenig übriggeblieben. Während die Bundesregierung unbeirrt weiter Milliarden in die Förderung von Wasserstoff steckt, rudern zentrale Player der Autoindustrie zurück – und konzentrieren sich auf Märkte, die schneller, skalierbarer und vor allem wirtschaftlich tragfähig erscheinen.

Stellantis zieht Reißleine

Am deutlichsten wird dieser Bruch beim Autoriesen Stellantis. Der Konzern hat die Reißleine gezogen und sein komplettes Entwicklungsprogramm für Brennstoffzellen gestoppt. Damit ist auch die geplante Serienproduktion von Transportern mit Wasserstoffantrieb vom Tisch.

Der Rückzug erfolgt nicht aus technologischer Kapitulation, sondern aus nüchterner Kosten-Nutzen-Rechnung: Die Fahrzeuge wären zu teuer, die Nachfrage bleibt überschaubar, die Tankstellen-Infrastruktur steckt im Stillstand. Kurz gesagt: Der Markt für wasserstoffbetriebene leichte Nutzfahrzeuge existiert schlicht nicht. Für Stellantis bedeutet das: Ressourcen lieber in Batterieelektrik investieren, wo die Regulierung klare Leitplanken setzt und die Nachfrage real messbar ist.

BMW und Daimler bleiben dran

Ganz anders die Botschaften von BMW und Daimler.

BMW setzt weiterhin auf das Narrativ der Technologieoffenheit und kündigt für 2028 ein Serienmodell an: den iX5 Hydrogen. Dieses Projekt ist weniger der Auftakt zu einem Massenhochlauf, sondern vielmehr eine Machtdemonstration: BMW will zeigen, dass man die Technologie beherrscht und sie in ausgewählten Nischen zur Marktreife bringen kann.

Bei Daimler wiederum richtet sich der Blick nicht auf Pkw, sondern auf Busse und Lkw. Mit dem Setra H2 Coach rollte jüngst der erste Brennstoffzellen-Reisebus auf die Straße – als Technologieträger, nicht als Flottenlösung.

Förderung bleibt

Zwischen diesen divergierenden Strategien steht die Bundesregierung, die unbeirrt an Wasserstoff als Schlüsseltechnologie für den Verkehrssektor festhält. Mit Förderprogrammen wie dem Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff und Brennstoffzelle fließen weiter erhebliche Mittel in Forschung, Pilotprojekte und Infrastrukturausbau. Die Argumentation: Wasserstoff solle dort eingesetzt werden, wo Batterien an physikalische oder logistische Grenzen stoßen – im Güterverkehr, im Bus- und Schienenverkehr, perspektivisch auch in Luft- und Schifffahrt.

Doch genau hier liegt die Bruchlinie. Während die Politik weiterhin vom großen Wurf träumt, hat die Industrie längst entschieden, wo Wasserstoff eine Zukunft haben könnte – und wo nicht. Im Massenmarkt für Pkw und Transporter ist der Wettlauf entschieden: Die Batterie hat sich durchgesetzt. Reichweite, Ladeinfrastruktur und Kostendegression sprechen klar für die Batterieelektrik. Wasserstoff bleibt hier "nice to have" für Imagebroschüren, nicht aber eine ökonomisch tragfähige Alternative.

Nische Schwerlastverkehr

Im Schwerlast- und Fernverkehr ist das Bild komplexer. Dort könnte Wasserstoff tatsächlich punkten, weil die Grenzen der Batterie offensichtlich sind. Aber auch hier gilt: Wird es jemals die nötige Infrastruktur in ausreichender Dichte geben, um eine ganze Branche auf Brennstoffzellen umzustellen?

Politik und Industrie laufen also Gefahr, aneinander vorbeizuarbeiten. Der viel beschworene Hochlauf des Wasserstoffs in der Mobilität findet nach wie vor nicht statt. Stattdessen zeichnet sich eine Segmentierung ab. Wasserstoff bleibt Spezialist für bestimmte Anwendungen, vor allem im Schwerlast- und Busverkehr. Im Pkw- und Transporter-Segment ist er praktisch gescheitert, lange bevor er den Massenmarkt erreicht hat. Aus dem Traum vom Alleskönner Wasserstoff wird ein nüchternes Nischenthema.

Realität anerkennen

Nur müsste diese Realität politisch anerkannt werden. Es braucht eine Förderung, die gezielt dort wirkt, wo Wasserstoff tatsächlich Chancen hat, anstatt mit der Gießkanne Geld in Märkte zu lenken, die längst entschieden sind. Sonst bleibt Wasserstoff in der Mobilität das, was er aktuell ist: ein Versprechen, das nie eingelöst wurde – und ein Symbol dafür, wie groß die Kluft zwischen politischer Vision und industrieller Realität sein kann.

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