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15.03.2022 | Wasserstoff | Im Fokus | Online-Artikel

Wasserstoffkreisläufe sorgen regional für Energiewende

verfasst von: Frank Urbansky

2:30 Min. Lesedauer
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Wasserstoff in seiner grünen Variante wird auch in Zukunft rar sein. Dennoch sind Modelle für eine regionale Erzeugung und den Verbrauch vor Ort denkbar. Ein Projekt in Haren soll das beweisen.

Strom lässt sich direkt nur schlecht speichern. Eine Möglichkeit ist daher seine Umwandlung. "Mit Elektrolyse- und nachgeschalteten Syntheseverfahren lässt sich elektrische Energie in chemische Energie umwandeln. Technologisch ist es somit möglich, erneuerbar gewonnenen Strom dauerhaft als chemische Energie zu speichern", beschreibt ein Springer-Autorenteam um Oliver D. Doleski in seinem Buchkapitel Facetten der Dekarbonisierung auf Seite 55 eine der Möglichkeiten.

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2021 | OriginalPaper | Buchkapitel

Facetten der Dekarbonisierung

Im zweiten Kapitel werden die konzeptionellen Grundlagen des Dekarbonisierungsansatzes mittels dreier Leitfragen erörtert. Mit der einleitenden Frage, warum sich Gesellschaft und Wirtschaft intensiv mit der Reduzierung klimaschädlicher Treibhausgase beschäftigen, werden die wesentlichen Treiber bzw. Katalysatoren der Dekarbonisierung vorgestellt. Anschließend wird die Frage erörtert, wo sich geeignete Ansatzpunkte oder Hebel in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Technik für erfolgreiche Initiativen zur Treibhausgasminimierung identifizieren lassen.

Wird zur Elektrolyse nun Strom aus erneuerbaren Quellen genommen, ist der erzeugte Wasserstoff grün, kann dauerhaft gespeichert und bei Bedarf verwendet werden. Die Potenziale dafür sind und bleiben in Deutschland begrenzt. Selbst Importe werden nicht zu einer Versorgung mit grünem Wasserstoff in der Fläche führen.

Ausreichend Wind für Elektrolyseure

Deswegen rücken, auch im Rahmen der Nationalen Wasserstoffstrategie, Projekte in den Fokus, die regional Wasserstoff erzeugen und auch dort verbrauchen. Ein solches Projekt wird derzeit in Haren in Niedersachsen realisiert. Der Augsburger Wasserstoff-Technologie-Experte H-TEC SYSTEMS installiert dort zwei je ein Megawatt leistende Elektrolyseanlagen für den Netzbetreiber Westnetz und dessen Förderprojekt Grüner H2-Hub Haren im Emsland.

Hier steht ausreichend Windenergie zur Verfügung, die nun im Überschussmodus genutzt werden soll. Das Projekt zielt auf verschiedene Wasserstoffanwendungen des ländlichen Raums ab, insbesondere die Landwirtschaft. Zugleich soll die Eigenenergieversorgungsrate der Stadt Haren mit erneuerbaren Energien gesteigert werden.

Haren will nur grüne Energie

Die Stadt will sich nämlich vollständig selbst mit grüner Energie versorgen. Dazu dienen soll auch der 16 Windkraftanlagen umfassende Bürgerwindpark Fehndorf-Lindloh. Dessen Überschussstrom soll zum einen in die Wasserstoffproduktion fließen, zum anderen aber auch in zwei Lithium-Ionen-Batterien mit zwei Megawatt Leistung und einer Kapazität von vier Megawattstunden. Zudem wird eine Wasserstoffabfüllstation und ein Gasnetz-Einspeisepunkt eingerichtet.
Falls das Projekt, das im Sommer 2022 in Betrieb gehen soll, erfolgreich läuft, soll es zu einem Mustermodell weiterentwickelt werden, das auch auf andere ländliche Räume anwendbar ist.

Solche Lösungen sind für eine flächendeckende Energiewende, insbesondere in ländlichen Strukturen, unerlässlich. "Der Transformationsprozess des deutschen Energieversorgungssystems führt zu einer steigenden Zahl von regional verteilten Erzeugungsanlagen, Speichersystemen sowie neuen flexiblen Lasten für die Sektorenkopplung. Die strukturellen Veränderungen im Energiesystem erfordern zusätzliche räumliche und zeitliche Ausgleichsmaßnahmen, um die Systemsicherheit in einem hohen Maße gewährleisten zu können", so die Springer-Autoren Hendrik Kondziella, Lucien Genge und Thomas Bruckner in ihrem Zeitschriftenbeitrag Status quo des technischen Potenzials von Flexibilitätsoptionen im Nordosten Deutschlands auf Seite 190.

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