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17.06.2021 | Wasserwirtschaft | Im Fokus | Online-Artikel

Nationale Wasserstrategie gegen Wassermangel

verfasst von: Frank Urbansky

4 Min. Lesedauer
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Die Bundesregierung will mit einer nationalen Kraftanstrengung den sich abzeichnenden Wassermangel hierzulande abwenden. Auch in 30 Jahren soll es überall sauberes Wasser geben.

Das Jahr 2018 bleibt im kollektiven Gedächtnis als das heißeste und trockenste seit langem haften. "Von Februar bis November blieb es zehn Monate in Folge zu trocken. Besonders im Sommer und Herbst fiel nur etwa halb so viel Niederschlag wie sonst üblich […] und führte flächendeckend zu Wassermangel und extremen Niedrigwasserständen in den Fließgewässern, teilweise versiegten sie komplett", beschreibt ein Springer-Autorenkollektiv um Sarah Oexle in seinem Zeitschriftenbeitrag Klimawandel und der Hitzesommer 2018: Folgen für die Fischbestände auf Seite 25 die Auswirkungen.

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Dabei bedarf es gar nicht solcher Extremereignisse. Wassermangel hat sich auch so in Deutschland inzwischen manifestiert. 2018 begann ein Zyklus von drei zu trockenen Jahren, der zumindest in der ersten Jahreshälfte 2021 von halbwegs durchschnittlichen Niederschlagsmengen abgelöst wurde. Ein Zusammenhang zum Klimawandel weltweit ist augenfällig. Die Bundesregierung hat dieses Problem erkannt und will mit einer Nationalen Wasserstrategie bis 2050 für einen nachhaltigeren Umgang mit der Ressource Wasser sorgen.

Wasser muss sauber werden und bleiben

"Auch das Thema Wasserverschmutzung ist trotz einiger Erfolge noch lange nicht vom Tisch. Mein Ziel ist, dass auch in 30 Jahren sauberes Wasser immer und überall in Deutschland ausreichend verfügbar ist. Damit das gelingt, müssen Grundwasser, Seen, Bäche und Flüsse in Deutschland sauberer werden", erklärte Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Auch brauche man durch Infrastruktur, Landnutzung und Stadtentwicklung eine bessere Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Wasser solle nicht zum begrenzenden Faktor für regionale Entwicklung werden.

Der Entwurf für eine Nationale Wasserstrategie bündelt die Kräfte von Bund, Ländern und Kommunen sowie Forschung, Zivilgesellschaft und Wasserwirtschaft. Der Entwurf analysiert die Herausforderungen der Wasserwirtschaft und gliedert sich in zehn strategische Themenbereiche. Im Zentrum steht die Daseinsvorsorge. Ein umfassendes Aktionsprogramm ergänzt den Entwurf mit 57 Maßnahmen, die schon bis 2030 schrittweise umgesetzt werden sollen.

Dazu gehören unter anderem: Datenbasis erweitern; Prognosefähigkeit stärken; Regeln für Nutzungskonflikte entwickeln und festlegen; überregionale Wasserversorgung etablieren; Abwasserabgabe am Verursacherprinzip ausrichten; smarte Wassertarife etablieren; Abwasser mit Blick auf Gesundheitsgefahren übeerwachen und wassersensible Städte bauen.

Neue Hilfen des Bundes mit einem Gesamtvolumen von einer Milliarde Euro über die kommenden zehn Jahre sollen Länder und Kommunen genau dabei unterstützen. Das Geld soll für Renaturierungsmaßnahmen, den Abbau von Hindernissen für wandernde Arten, die Beschattung von Gewässern gegen Erwärmung und die Rückgewinnung oder die Schaffung natürlicher Speicher als Vorsorge gegen Trockenheit verwendet werden. Auch eine Förderung des Ausbaus von Kläranlagen mit zusätzlichen Reinigungsstufen soll ermöglicht werden, um Spurenstoffe besser herausfiltern zu können.

Branchenvertreter begrüßen milliardenschwere Strategie

Von der Branche kam dafür reichlich Zustimmung. "Mit der Vorlage seiner Nationalen Wasserstrategie macht das Bundesumweltministerium deutlich, dass es einen hohen Handlungsbedarf zur künftigen Sicherung der Trinkwasserversorgung in Deutschland gibt. Die heute schon spürbaren Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Wasserressourcen, aber auch die Schadstoffeinträge in die Gewässer sind ernst zu nehmende Gefahren, denen wir uns dringend stellen müssen", so Wolf Merkel, Vorstand Wasser beim Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW).

"Sollten in bestimmten Regionen künftig Fernwasserleitungen erforderlich sein, muss allen klar sein: Leitungen, beispielsweise mit einer Länge von über 100 Kilometern, baut man nicht in ein, zwei Jahren. Das ist mit den jetzigen Genehmigungsverfahren und Abläufen völlig illusorisch. So etwas dauert heute 15 bis 20 Jahre", erklärt Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

"Zur Vorbeugung gegen Dürre und Starkregen muss Regenwasser stärker in der Fläche, vor allem in den Gewässerauen, Mooren und Wäldern, aber auch im urbanen Raum, zurückgehalten werden, damit sich Grundwasserspeicher auffüllen. Gleichzeitig müssen mehr Flächen für die Überflutungsvorsorge im urbanen Raum und an den Gewässern bereitgestellt werden", sagt Uli Paetzel, Präsident der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA).

Der Handlungsdruck ist also groß, die Strategie kommt auf jeden Fall zur rechten Zeit. "Seit den 1990er Jahren hat die Häufigkeit und Intensität von Wassermangel auf Waldstandorten zugenommen. Bis zum Ende des Jahrhunderts ist mit einer weiteren Verschärfung der Wasserversorgung zu rechnen, auch in Regionen, die aktuell noch gut wasserversorgt sind", bestätigt dies ein Springer-Autorenkollektiv um Heike Puhlmann in seinem Zeitschriftenbeitrag Klimaänderungen: Auswirkungen auf den Wasserhaushalt von Wäldern auf Seite 33.

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