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20.03.2017 | Wasserwirtschaft | Interview | Onlineartikel

"Jede Investition dient der Trinkwasserversorgung"

Autor:
Günter Knackfuß
Interviewt wurde:
Dr. Joachim Reichert

leitet den Bereich Planung und Bau der Berliner Wasserbetriebe, die Innovationen vor allem bei grabenlosen Bauverfahren durch die Ausschreibungspolitik mit zur Marktreife gebracht haben.

Die Schaustelle Wasser im Rahmen der Wasser Berlin International vermittelt einen Überblick von der Leistungsfähigkeit neuer Technologien im Einsatz. Im Interview erklärt Dr. Joachim Reichert Details.

Springer Professional: Die Berliner Wasserbetriebe organisieren auch in diesem Jahr die interessante Schaustelle. Welche Highlights stehen auf dem Programm?

Dr. Joachim Reichert: Für mich sind das alles Highlights, sonst würden wir sie nicht zeigen. Das Programm bildet die Innovationskraft der Baufirmen und der großen Wasser-, Strom- und Gasversorger hervorragend ab. Berlin ist ja für viele der grabenlosen Bauverfahren Geburtsstadt. Firmen haben Techniken entwickelt, die wir dann durch unsere Ausschreibungspolitik mit zur Marktreife gebracht haben. Ich finde es immer wieder eindrucksvoll, zu sehen, wie sich aus solchen Ur-Innovationen ganze Verfahrensfamilien entwickeln. Heute bauen wir in Berlin rund zwei Drittel aller Kanäle grabenlos.

 

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Wasserverteilung

Hauptbestandteile des Systems zur Wasserverteilung sind die Rohrleitungen. Sie werden entsprechend ihrem Zweck unterschieden.

Sie bieten für die Interessenten verschiedene Touren an…?

Unsere Busse fahren auf zwölf Touren zwischen den insgesamt 17 Schaustellen – das sind Netzbaustellen, Werke und das Kompetenzzentrum Kritische Infrastrukturen. Hier kann sich jeder seine Tour mit bis zu sechs Stationen maßschneidern.

Welche Innovationen sind bei der Route zum Anlagenbau zu entdecken?

Wir laden in unser Klärwerk Ruhleben, in die Zentrale von LISA, unseres Leit- und Informationssystems Abwasser, und in die Oberflächenwasseraufbereitungsanlage (OWA) Tegel ein. Ruhleben – das sind mit den 1963, 1983 und 1993 in Betrieb gegangenen Ausbaustufen, deren Beckenformen sich deutlich unterscheiden, eigentlich drei Großklärwerke in einem. Und das mitten in der Stadt und inklusive Klärschlammkraftwerk und UV-Anlage zur Nachbehandlung des gereinigten Abwassers. Einen unserer Ansätze für die 4. Reinigungsstufe präsentieren wir mit der OWA Tegel, die das Klarwasser unseres Klärwerks Schönerlinde sowie Havelwasser durch Fällung vom restlichen Phosphor befreit. Und LISA überwacht und steuert aus dem Berliner Zentrum heraus mehr als 300 Pumpwerke, Regenbecken und andere Abwasseranlagen in der Stadt und ihrer direkten Umgebung.

Und wie sieht es um die sichere Trinkwasserversorgung aus?

Bei unserem eng geschlossenen Wasserkreislauf in Berlin dient jede Investition in die Abwasserreinigung letztlich dem Schutz der Ressourcen und damit der Sicherheit der Trinkwasserversorgung. Aber natürlich geschieht da auch noch weit mehr. So sind die sogenannten "Biotoximeter" mit den Flusskrebsen, deren Prototyp wir zur letzten Wasser Berlin vorgestellt haben, inzwischen in mehreren Wasser- und Pumpwerken installiert.

Mit der Aktion "No Dig" thematisieren sie den Rohrleitungsbau. Welche Neuerungen werden dort gezeigt?

Wir zeigen elf Trink- und Abwasser- und eine Gasnetzbaustelle, die meisten davon mit grabenlosen Bauverfahren, ohne die es heute kaum noch öffentlich akzeptierte Baustellen in den Großstädten gäbe. Eine Neuheit ist etwa die neue Pipe-Replace-Methode, die wir in Berlin-Mitte zur Erneuerung von zwei Kanalabschnitten einsetzen. Hochinteressant ist aber auch der Neubau von Mischwasserkanälen in Neukölln mit zehn Meter tiefer Gründung auf Duktilpresspfählen. Der große Aufwand ist notwendig, um eine großflächige Torflinse zu überwinden.

Als Planungschef der Berliner Wasserbetriebe haben sie normalerweise größere Projekte auf der Agenda. Welche Investitionsschwerpunkte bestimmen die nächsten Jahre in der Bundeshauptstadt?

Für den Netzbau in Berlin bestimmend ist der Anstieg der Bevölkerungszahlen, der sich in den letzten Jahren auf einem in Deutschland einzigartigen Niveau von ca. 40.000 zusätzlichen Einwohnern pro Jahr eingependelt hat. Das massive Bevölkerungswachstum birgt für die technische Infrastruktur enorme Herausforderungen. Die zusätzlichen Menschen müssen unter anderem mit technischer Infrastruktur versorgt und die Entsorgung ihres Abwassers und Abfalls muss gesichert werden. Auch durch die Infrastrukturbetreiber in Berlin sind kurzfristig neue Straßenbahnlinien zu realisieren, der eine Vielzahl von Leitungsbaumaßnahmen (wie z. B. Umverlegungen) folgen wird. Hier gilt es, die bisherige Umsetzungsdauer für die Maßnahmen drastisch zu verkürzen. Dies ist nur durch koordiniertes Handeln und gemeinsame Anstrengungen der BVG mit ihren Partnerunternehmen möglich. Hier sind wir z. B. mit Projekten wie in der Treskowalle in Karlshorst oder der Bölschestraße in Friedrichshagen auf einem guten Weg.

Einen neuen Reinvestitionsschwerpunkt bilden für uns die Erneuerungsmaßnahmen an den größten Ver- und Entsorgungsleitungen der Stadt. Hier sind unsere Projekte "Landsberger Allee" (Trinkwasserhauptleitungen) mit einem Investitionsvolumen von ca. 45 Millionen Euro oder die Abwasserdruckleitung am Tempelhofer Damm mit einem Investitionsumfang von mehr als 50 Millionen Euro zu nennen. Auch das Projekt "Mauerpark", die Schaffung eines Stauraumkanals mit einem Volumen von ca. 7.400 Kubikmetern gehört dazu. Für eine Realisierung der vielen Reinvestitionsmaßnahmen aller Netzbetreiber ist es entscheidend, diese koordiniert abzuwickeln. Zu diesem Zweck hat die Interessensvertretung der Infrastrukturbetreiber, der Verein infrest e.V., ein modernes eGovernment-Tool entwickelt, den Baustellenatlas. In ihm werden alle mittel- und langfristigen Netzbaumaßnahmen der beteiligten Unternehmen eingetragen und somit gezielt koordinierbar gemacht.

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