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12.04.2017 | Wasserwirtschaft | Kommentar | Onlineartikel

Wasserwirtschaft im Rheinischen Braunkohlengebiet

Autor:
Dr. Bernd Bucher

Allmählich rückt das Ende des aktiven rheinischen Braunkohlenbergbaus näher. Konsequente wasserwirtschaftliche Maßnahmen wurden längst begonnen. Dr. Bernd Bucher, Erftverband, kommentiert.

In den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren die oberflächennahen Braunkohleflöze im Rheinischen Braunkohlengebiet weitgehend ausgekohlt. Daraufhin wurde die weitreichende Entscheidung getroffen, neue Großtagebaue zum Abbau der tiefliegenden Braunkohleflöze aufzuschließen. Für die Wasserwirtschaft erwuchs daraus die Aufgabe, durch tiefgreifende Grundwasserabsenkungen den Betrieb der mehrere hundert Meter tiefen Tagebaue zu sichern und gleichzeitig die negativen Auswirkungen der weitreichenden Grundwasserabsenkungen auf die Wasserversorgung, die Gewässer und Feuchtgebiete durch Gegenmaßnahmen zu minimieren.

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01.04.2017 | Titel | Ausgabe 4/2017

Themen des Grundwasserwiederanstiegs im Rheinischen Braunkohlenrevier

Nach dem Ende eines Braunkohlentagebaus soll das abgesenkte Grundwasser grundsätzlich möglichst schnell wieder auf den vorbergbaulichen Zustand ansteigen. Dabei sind jedoch sowohl bergbauliche Einwirkungen auf die Wasserlandschaft als auch infrastrukturelle und siedlungsbezogene Aktivitäten des Menschen zu berücksichtigen.


Darüber hinaus bedeutete die Entscheidung zum Aufschluss von Großtagebauen aber auch, dass erstmals über das Tagebauende hinaus langwierige, umfangreiche wasserwirtschaftliche Maßnahmen bis zum Erreichen eines sich selbst regulierenden Wasserhaushalts erforderlich würden. Erste Überlegungen insbesondere zur Flutung der zukünftigen großen Restseen mit Wasser aus dem Rhein und zur langfristigen Sicherung der Wasserversorgung stammen aus den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Wasserwirtschaftliche Auswirkungen nach dem Ende des Tagebaus

Zwanzig Jahre später wurden dann in groß angelegten Untersuchungsprogrammen, insbesondere im Zuge der Genehmigungsverfahren zum umstrittenen Tagebauvorhaben Garzweiler II, erstmals die wasserwirtschaftlichen Auswirkungen auch nach Tagebauende umfassend betrachtet. Das mittlerweile gestiegene Umweltbewusstsein in Politik und Gesellschaft führte in den achtziger Jahren zu der Erkenntnis, dass Braunkohlentagebaue nur noch dann genehmigungsfähig sind, wenn sie in ihren Auswirkungen auf den Wasser- und Naturhaushalt konsequent bis zu Ende gedacht werden.

Folgerichtig wurde im Braunkohlenplan Garzweiler II im Jahr 1995 die Zielsetzung formuliert, dass durch das rechtzeitige Heranführen von Wasser aus dem Rhein nicht nur der Restsee befüllt und damit auch der Grundwasserwiederanstieg gezielt beschleunigt werden muss. Auch die inzwischen bestehenden, umfangreichen Versickerungsmaßnahmen sind noch für einige Jahrzehnte nach Tagebauende zur vollständigen Sicherung der Wasserversorgung, zur Gewährleistung des grundwasserbürtigen Abflusses in den Fließgewässern und zum Schutz von grundwasserabhängigen Feuchtgebieten zu betreiben. Darüber hinaus wurde ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Minimierung des Stoffaustrags aus Abraumkippen, der erst im Zuge des Grundwasserwiederanstiegs zum Tragen kommt, beschlossen.

Weitsichtige Planungen zahlen sich aus

Diese Grundsätze und Zielsetzungen sind noch heute gültig. Sie werden durch einen breit angelegten und für die Öffentlichkeit transparenten Monitoringprozess laufend überprüft.

Auf dieser Grundlage werden nun – angesichts des allmählich näher rückenden Endes des aktiven rheinischen Braunkohlenbergbaus – die erforderlichen wasserwirtschaftlichen Maßnahmen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten Schritt für Schritt aktualisiert, konkretisiert und umgesetzt. Es ist offensichtlich: Weitsichtiges und konsequentes Denken und Handeln in der Wasserwirtschaft zahlen sich aus – nicht nur im Zusammenhang mit dem Braunkohlenbergbau.

Dieser Kommentar ist unter der Überschrift "Wasserwirtschaft im Rheinischen Braunkohlengebiet: Konsequent zu Ende denken" in Ausgabe 04/2017 der Fachzeitschrift WasserWirtschaft erschienen.

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