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12.10.2016 | Wasserwirtschaft | Kommentar | Onlineartikel

Transparenz ist (fast) alles – machet die Tore weit!

Autor:
Dr. Uli Paetzel

Am Beispiel des Emscher-Umbaus erklärt Dr. Uli Paetzel, welche Grundlagen für erfolgreiche Großprojekte erforderlich sind: Umfassendes Controlling und eine breit angelegte Bürgerbeteiligung.

"Machet die Tore weit" – die bekannte Adventsweise gilt im Falle von "Erfolgsfaktoren bei Großprojekten" das ganze Jahr über. Warum? Weil Transparenz heutzutage in vielen Projekten nur ungenügend gelebt wird. Transparenz bedeutet eben nicht nur zwei, drei schön lancierte Presseartikel, Transparenz ist weit mehr: umfassendes Controlling und eine breit angelegte Bürgerbeteiligung sind die Grundlagen.

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Das Generationenprojekt "Wiederbelebung der Emscher-Gewässer" im Herzen des Ruhrgebiets ist mit einer Laufzeit von rund 30 Jahren eines der größten Infrastrukturprojekte Europas und kein typisches Großprojekt: eine jahrzehntelang effizient betriebene, aber offene "Abwasserkloake" inmitten des größten Ballungsraumes Europas wird auf 85 km Länge wieder zu einem lebendigen und lebenswerten Fluss umgestaltet. Es werde wieder blau!

Controlling

Für ein solch großes, öffentliches Bauvorhaben ist eine solide Kosten- und Terminplanung von Beginn an Grundvoraussetzung, um einen rasanten Anstieg der Baukosten und eine maßlose Verlängerung der Bauzeit zu vermeiden. Die ständige Verfolgung von Kosten, Terminen und Leistungen ist ein Schlüssel für den Erfolg. Regelmäßige Berichte auch gegenüber den Aufsichtsgremien gewährleisten Transparenz. Und das ist wichtig, denn ein komplexes Generationenprojekt wird über 30 Jahre von sehr vielen Faktoren beeinflusst – es ist sozusagen lebendig, verändert sich und erfordert einen ständigen Lern- und Anpassungsprozess.

Partizipation

Öffentliche Großprojekte wie der Emscher-Umbau sind Infrastrukturaufgaben für das Gemeinwohl. Bürgerinnen und Bürger müssen von Anfang an die Möglichkeit haben, sich an Prozessen und Entscheidungen aktiv zu beteiligen. Die Bevölkerung muss mit den Bauarbeiten leben, profitiert aber auch vom erfolgreichen Projektabschluss. Beim Emscher-Umbau heißt das: der Fluss wird wieder blau, die Region grüner und die Lebensqualität steigt. Die Menschen müssen bei einer derart langen Projektlaufzeit stets neu mitgenommen werden; Ideen, Ziele, aber auch Bedenken und Änderungen müssen fortlaufend und wechselseitig neu kommuniziert werden.

Was bedeutet das in der Praxis?

Über die rechtlich vorgeschriebene Einbindung der Bevölkerung und der Behörden in die Entscheidungsprozesse hinaus, hat die Emschergenossenschaft das Planfeststellungsverfahren für den "Abwasserkanal Emscher" freiwillig mit über 1.000 Beteiligten initiiert. Das hat zum einen Glaubwürdigkeit und Transparenz für den langjährigen Prozess gefördert und zum anderen die Grundlage für die weitere „License to operate“ bereitet. Im laufenden Projekt werden die Menschen durch zahlreiche Infoveranstaltungen, Versammlungen und Bürgersprechstunden beteiligt.
Emscher-Umbau heißt "Mitmach-Fluss": Öffentliche Gestaltungswerkstätten, partizipatorische Kunstprojekte, umweltpädagogische Projekte, Schreibwerkstätten für Jugendliche sowie Bürgerfeste und Tage der offenen Tür – in unserem Fall des offenen Kanals – laden zum Mitmachen ein. Ziel ist die nachhaltige Sensibilisierung für den Wandel der Lebensumwelt und für den Umgang mit Wasser.

Fazit

Großprojekte sind keineswegs automatisch zum Scheitern verurteilt und müssen nicht im finanziellen und genehmigungsrechtlichen Desaster enden. Transparenz ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor, sowohl im Controlling als auch im Umgang mit der Öffentlichkeit. Groß- und Infrastrukturprojekte lassen sich heute ohne Bürgerdialog nicht mehr planen und umsetzen. Folglich: Machet die Tore weit! Lassen Sie die Bürgerinnen und Bürger herein und nehmen wir Ihre Ideen und Gedanken auf!

Der gleichlautende Kommentar ist in Heft 10/2016 der Fachzeitschrift WasserWirtschaft erschienen.

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