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03.09.2014 | Wasserwirtschaft | Im Fokus | Onlineartikel

Langeweile bei der Überwachung von Talsperren?

Talsperren werden kontinuierlich überwacht. Aber auch die Bewahrung der Sicherheit muss sich Fragen nach der Kosteneffizienz stellen. Volker Bettzieche kommentiert den Stellenwert der Bauwerksüberwachung.

Es ist gut sechs Jahre her, dass am 24. April 2008 beim Talsperrentag in Mittweida ein erster Ausblick auf das neue DWA-Merkblatt M 514 "Bauwerksüberwachung an Talsperren" gegeben wurde. Der damalige Gelbdruck führte zu reghaften Diskussionen in der Fachöffentlichkeit, die mit dem Erscheinen des Weißdrucks im Juli 2011 verebbten.

Regiert seitdem Langeweile in der Bauwerksüberwachung?

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Öffentlichkeitswirksame Schäden sind zumindest an den deutschen Talsperren seit Langem nicht mehr zu beklagen. Trotzdem treffen sich die Fachleute alle zwei Jahrein Mittweida, um ihre Erfahrungen aus der Überwachung der Talsperren auszutauschen. Von Langeweile war beim diesjährigen Mittweidaer Talsperrentag jedoch nichts zu spüren. Die gegenüber den Vorjahren wiederum angestiegene Teilnehmerzahl von 130 belegt hingegen, dass das Interesse ungebrochen ist.

Auf Einladung der Hochschule Mittweida und des Sensorikzentrums Mittelsachsen e. V. sowie der Co-Veranstalter, der Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen, des Ruhrverbands und des Deutschen TalsperrenKomitees e. V., fand der Talsperrentag am 14./15. Mai 2014 zum neunten Male statt. Die Themen der Vorträge reichten von Weiterentwicklungen zum Beispiel der Glasfaser- oder GPS-Technologien über Laserscanning bis zu neuen Verfahren der Auswertung und Analyse. Da diese Themen nicht langweilig sondern hochaktuell sind, stellt sie die Fachzeitschrift WasserWirtschaft in dieser Ausgabe in Teilen der Fachöffentlichkeit zur Verfügung.

Regiert somit die heile Welt die Talsperrenüberwachung?

Talsperrenbetreiber, ob öffentlich oder privat, stehen heute unter enormen Kostendruck. Kostenerhöhungen in der Wasserversorgung werden nicht akzeptiert, die Energiegewinnung mit Wasserkraftwerken erreicht wegen der gesunkenen Preise für Spitzenstrom kaum die Kostendeckung. Zudem empfindet die Öffentlichkeit Talsperren immer mehr als "Freizeitenrichtungen", für die niemand bezahlen will. Potentielle Gefahren werden schon gar nicht wahrgenommen. Wer will daher noch Geld für die Bauwerksüberwachung ausgeben?

Die verantwortlichen Ingenieure suchen daher nach Methoden und Techniken, die die Sicherheit der Talsperren u. a. auf der Grundlage des im DWA-Merkblatt M 514 niedergelegten Stands der Technik gewährleisten, darüber hinaus weitere Erkenntnisse ermöglichen und zugleich kostensenkend wirken, um die Talsperren wirtschaftlicher zu machen.

Auch wenn, Gott sei Dank, keine publikumswirksamen Katastrophen die Relevanz der Bauwerksüberwachung darstellen, ist das Thema daher bei den Verantwortlichen hochaktuell und keinesfalls langweilig.

Zum Autor
Professor Dr.-Ing. Volker Bettzieche ist Honorarprofessor am Lehrstuhl für Hydrologie, Wasserwirtschaft und Umwelttechnik an der Ruhr-Universität Bochum und Leiter der Abteilung "Talsperrenüberwachung und Geotechnik" beim Ruhrverband.

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