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13.09.2017 | Wasserwirtschaft | Kommentar | Onlineartikel

Vertiefte Überprüfung gezielt nutzen!

Autor:
Prof. Dr.-Ing. Stephan Heimerl

Für viele Stauanlagenbetreiber ist die vertiefte Überprüfung eine große Hürde. Sie sollte mit der Bauwerksüberwachung als wertvolles Instrumentarium genutzt werden, erklärt Professor Stephan Heimerl.

Die Normenreihe der DIN 19 700 fordert zu Recht eine kontinuierliche Überwachung für alle Stauanlagen zur Beurteilung der konstruktiven und betrieblichen Sicherheit. Damit wird zusammen mit entsprechenden Unterhaltungsmaßnahmen das Ziel verfolgt, diese Anlagen "so zu unterhalten, dass ihre Tragsicherheit und Gebrauchstauglichkeit ständig sichergestellt bleiben".

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01.08.2017 | Praxis | Ausgabe 9/2017

Vertiefte Überprüfungen an den Stauanlagen der Vattenfall Wasserkraft GmbH in Thüringen — ein Praxisbericht aus Sicht des Talsperrenbetreibers

In den letzten 3 Jahren wurden die 10 Stauanlagen der Vattenfall Wasserkraft GmbH in Thüringen einer speziellen Form der Fremdüberwachung, einer Vertieften Überprüfung, unterzogen. Mit dem vorliegenden Beitrag gibt der Verfasser seine Erfahrungen zur Durchführung und Berichterstellung der Vertieften Überprüfungen wieder. 


Ein zentrales Instrument dafür ist die vertiefte Überprüfung (VÜ), die in regelmäßigen Abständen durchzuführen ist, um alle relevanten Sicherheitsnachweise nach den jeweils gültigen technischen Vorschriften erneut zu führen und so eventuellen Veränderungen des Bauwerks und dessen Umfelds Rechnung zu tragen. Unterstützt wird die VÜ durch die fortlaufenden Kontrollen, die im jährlichen Sicherheitsbericht zusammengefasst werden. Je nach Bauwerkstyp und -größe sowie dem von der jeweiligen Stauanlage ausgehenden Risiko ist bei der VÜ natürlich die Verhältnismäßigkeit zu wahren, denn bei einem ein Meter hohen Wehr ist definitiv eine andere Betrachtungstiefe als bei einer 50 Meter hohen Talsperre angebracht.

Vertiefte Überprüfung wird zu singulär angegangen

In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass eine VÜ für viele Betreiber einen hohen, zu erklimmenden Berg ohne genauer bekannte Pfade darstellt und daher die VÜ viel zu singulär angegangen wird.

Doch dies müsste nicht so sein! Eigentlich sollte die VÜ ein Meilenstein auf einem permanent verfolgten Weg sein. Dabei sollte eine VÜ keine unnötigen zusätzlichen Kurven und Wegverlängerungen bringen, folgt diese doch grundsätzlich einem bekannten Schema, das für die jeweilige Stauanlage adaptiert wird. Richtig angelegt sollte eine VÜ vielmehr die Bestätigung des bisher beschrittenen Wegs darstellen, die allenfalls überschaubare Kurskorrekturen mit sich bringt.

Wie kommt man zur vertieften Überprüfung?

Eine wichtige Grundlage stellt eine konstante Begleitung und Kontrolle des Bestands dar, die bei den meisten Betreibern bereits in unterschiedlicher Bearbeitungstiefe anzutreffen ist. Ein Erfolg versprechender Weg ist es, diese Bauwerksüberwachung gezielt langfristig und vorausschauend anzulegen. Darauf aufbauend kann eine VÜ mit einem überschaubaren Aufwand durchgeführt werden.

Sicherlich steht dabei bei der Einführung eines entsprechenden Systems ein gewisser Mehraufwand, müssen doch u. a. in einer Bestandsanalyse alle Bauwerkselemente erfasst, einer gezielten Lebensdaueranalyse unterzogen und anschließend die entsprechenden Überwachungsaktivitäten neben eventuell notwendigen Sanierungsmaßnahmen festgelegt werden. Insbesondere für die dabei notwendige Konzeption empfiehlt es sich, einen unabhängigen Dritten mit einzubeziehen, um ein Konzept aus einem neutralen Blickwinkel zu entwickeln. Nicht zuletzt fördert dies auch die Akzeptanz durch die jeweilige Aufsichtsbehörde.

Schließlich kann diese Vorgehensweise auch einen zentralen Baustein für ein Asset Management zur effizienten Verwaltung und Weiterentwicklung des (Anlage-) Vermögens liefern. Erst mit der Kenntnis des Zustandes eines Bauwerks sowie der Einordnung von dessen Wichtigkeit können Risiken richtig bewertet werden, um damit zielgerichtet Prioritäten zu setzen und Maßnahmen unter optimaler Nutzung des vorhandenen Budgets einzuleiten.

Wir haben in Deutschland einen hohen Standard, den es in allen Bereichen zu wahren gilt. Hierbei ist eine kontinuierliche Bauwerksüberwachung einschließlich der regelmäßigen VÜ ein wertvolles Instrumentarium, das gezielt genutzt und effizient durchführt werden sollte.

Dieser Kommentar ist unter der Überschrift "Die vertiefte Überprüfung sollte mehr als nur eine singuläre Betrachtung sein!" in Ausgabe 09/2017 der Fachzeitschrift WasserWirtschaft erschienen.

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