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03.07.2020 | Wealth Management | Nachricht | Onlineartikel

Asset-Management-Branche rechnet mit Insolvenzwelle

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
3 Min. Lesedauer

Was prognostizieren Vermögensexperten langfristig für die weltweiten Finanzmärkte im Hinblick auf die Covid-19-Pandemie? Die Mehrheit der deutschen Investmentmanager rechnet laut einer aktuellen Befragung nicht mit einer zügigen wirtschaftlichen Erholung. 

Noch vor Wochen hofften viele Anleger und Experten auf ein "V" bei der wirtschaftlichen Erholung nach der Krise. Aktuell fallen die Ausblicke vieler Portfolio- und Wealth-Manager sowie Finanzanalysten kaum optimistisch aus. Das zeigt eine weltweite Befragung des Investmentverbands CFA Institute unter mehr als 13.200 Mitgliedern im April. 

Dieser zufolge gehen von den rund 260 Teilnehmern aus Deutschland 39 Prozent von einer längeren Abschwungphase mit einer U-Erholung aus. 37 Prozent sind noch pessimistischer und erwarten ein sogenanntes Hockey-Stick-Szenario, welches eine zwei- bis dreijährige Stagnation impliziert. Nur zwölf Prozent halten eine schnelle, V-förmige, wirtschaftliche Erholung für wahrscheinlich. Diese Angaben decken sich mit den Prognosen ihrer Kollegen rund um den Globus, von denen sogar nur zehn Prozent mit einer solchen Entwicklung rechnen. 

Asset Manager rechnen mit einer Insolvenz- und Konsolidierungswelle

"Unsere Mitglieder bilden einen Querschnitt der Investmentbranche weltweit. Insgesamt legen die Ergebnisse der Umfrage nahe, dass das Sentiment deutlich weniger bullish ist, als es die hohen Bewertungen der Aktienmärkte im Moment suggerieren", kommentiert Studienautor Olivier Fines. Der EMEA-Fachmann ist Head of Advocacy beim CFA Institute.

43 Prozent der deutschen Befragten prognostizieren sogar Insolvenzen und eine Konsolidierungswelle in der Asset-Management-Branche. "Weltweit erwartet immerhin ein Drittel der Finanzexperten Konsolidierungen. Ebenso rechnen die Deutschen mit mehr Unternehmenspleiten als ihre internationalen Kollegen. Angesichts düsterer Wirtschaftsprognosen und wegbrechender Einnahmen gehen die Deutschen offenbar von entsprechenden Narben aus", erläutert Susan Spinner, Vorständin der CFA Society Germany, das Ergebnis. Mit Blick auf die langfristigen, strukturellen Effekte der Krise erwarte die Branche einen globalen Trend zu mehr Skalierung und Automatisierung von Prozessen. Damit sollen Kosten gesenkt und die Effizienz gesteigert werden.

Staatsschulden schnell abtragen

Die fiskal- und geldpolitischen Reaktionen auf die Krise bewerteten die Teilnehmer jedoch regional deutlich unterschiedlich. Zwar sind sich die Asset Manager und Analysten einig, dass milliardenschwere, nationale Konjunktur- sowie internationale Hilfs- und Zentralbankprogramme kurzfristig stabilisierend wirken. 

Doch bei der Frage nach dem weiteren politischen Vorgehen, bilden sich zwei Lager heraus: 49 Prozent hält die bisherigen Maßnahmen für nicht ausreichend, um die Wirtschaft nachhaltig zu stützen. Und ebenfalls 49 Prozent fordern ein Ende der Programme und "ein schnelles Abtragen der damit verbundenen Schulden". Hierfür sprachen sich auch 55 Prozent der deutschen Investmentmanager aus. 

Deutsche Marktteilnehmer fürchten Staatsbankrott und unethisches Verhalten

"In keinem anderen Land wird monetäre Finanzierung skeptischer gesehen und häufiger die Ansicht vertreten, dass die Kosten hoher Staatsverschuldungen letztlich zu Staatsbankrotten führen könnten", heißt es in der Studie zur Einstellung von 42 Prozent der deutschen Teilnehmer. International sind sind nur 28 Prozent dieser Ansicht. Zudem fürchten 46 Prozent der deutschen Befragten mit Blick auf das Krisenjahr 2008 auch in der aktuellen Entwicklung eine Zunahme unethischen Verhaltens in den Finanzhäusern. 

"Wenn die Investmentbranche ethische Standards, auf die sie sich in Nicht-Krisenzeiten verpflichtet hat, nun relativiert oder gar aussetzt, dann wäre dies ein fatales Signal. Sparer und Anleger, die Finanzdienstleistungen nachfragen, müssen Vertrauen in den Anbieter haben. Dieses Vertrauen speist sich aus der Kompetenz und Ehrlichkeit des Anbieters", sagt Spinner. 

So plädieren die Mitglieder des CFA Institute, die sich für ethische und professionelle Standards in der Finanzindustrie engagieren, dafür,  aufsichtsrechtliche Pflichten und Verhaltensregeln nicht als Reaktion auf die Krise zu lockern. 88 Prozent sprechen sich zum Beispiel dafür aus, dass Investmentfirmen, die während der Krise Nothilfen erhalten, keine Dividenden oder Boni ausschütten sollten. 

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