Erben der Vermögenden fordern Finanzbranche
- 12.06.2025
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Weltweit sind 2024 die Zahl der Millionäre und ihr Kapitalstock gewachsen, wie der "World Wealth Report 2025" belegt. Deren Erben stehen bereits in den Startlöchern - mit neuen Ansprüchen und Wünschen. Darauf müssen Vermögensverwalter, Banken und Family Offices reagieren. Hilfreich ist eine aktive Nachfolgeplanung.
Die nachrückende Generation vermögender Menschen ist bevorzugt digital unterwegs und stellt neue Anforderungen an ihre Finanzdienstleister.
anyaberkut / Getty Images / iStock
Laut des Anfang Juni vom Capgemini Research Institute veröffentlichten "World Wealth Report 2025" ist die Zahl der vermögenden Menschen, die sogenannten High Net Worth Individuals, kurz HNWI, auch im vergangenen Jahr weiter gewachsen: Ihr Anteil stieg 2024 um 2,6 Prozent auf 23,4 Millionen weltweit. Diese Personen verfügen über investierbares Kapital von mindestens einer Million US-Dollar - ihren Hauptwohnsitz, Sammlerstücke, Verbrauchsgüter und langlebige Konsumgüter nicht eingerechnet. Die Untersuchung, die sich auf eine Umfrage unter Millionären aus Nord- und Südamerika, Europa, Asien-Pazifik und dem Nahen Osten sowie auf Angaben von Vermögensverwaltungen, Universalbanken, unabhängige Brokern oder Family Offices in insgesamt zehn Märkten stützt, beziffert das Gesamtvermögen dieser Bevölkerungsgruppe auf 90,5 Billionen US-Dollar. Das ist ein Plus von 4,2 Prozent und ein neuer Rekord.
Zahl der Super-Reichen wächst weltweit
Allen voran die Super-Reichen, die über ein investierbares Vermögen von mehr als 30 Millionen US-Dollar verfügen, haben im vergangenen Jahr um 6,2 Prozent mit Blick auf ihre Zahl und um 6,3 Prozent beim Kapitalstock zugelegt. Starke Aktienmärkte, insbesondere in den USA, sowie ein zunehmender Optimismus im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz (KI) machen die Studienautoren für diese Entwicklung verantwortlich. Laut der Untersuchung, die in der 29. Auflage vorliegt, bilden zudem alternative Anlageformen wie Private Equity und Kryptowährungen mit einem Anteil von 15 Prozent an den Portfolios mittlerweile eine feste Größe.
Weniger Millionäre in Deutschland
Europa hat - mit Ausnahme der Super-Reichen, die 2024 ein Plus von 3,5 Prozent verzeichnen - aufgrund der wirtschaftlichen Stagnation insgesamt 2,1 Prozent weniger Millionäre. Allein in Deutschland ist die Zahl der HNWIs laut der Erhebung um rund 41.000 auf rund 1,6 Millionen Menschen gesunken. Vor allem rückläufige Immobilienpreise haben 2024 hierzulande zu diesem Ergebnis geführt, heißt es. Dennpoch wertet der Report Deutschland nach den USA und Japan als den Staat mit den drittmeisten Dollar-Millionären weltweit. Zusammen hat diese Gruppe in der Bundesrepublik ein fast unverändertes Vermögen von 6,32 Billionen US-Dollar.
Erben stellen Vermögensverwaltung vor Herausforderungen
Ein zentraler Treiber für die künftige Entwicklung ist dem Report zufolge der bevorstehende Generationenwechsel: In den kommenden zwei Jahrzehnten werden gut 83,5 Billionen US-Dollar den Besitzer wechseln. Ein Großteil der Erben (81 Prozent) plant, innerhalb von ein bis zwei Jahren nach dem Erbfall den Vermögensverwalter zu wechseln. "Der drohende Verlust dieser kritischen Kunden ist ein erhebliches Risiko für die globale Vermögensverwaltungsbranche", so Carina Leidig, Leiterin Wealth & Asset Management bei Capgemini Invent in Deutschland, und führt aus:
Die nächste Generation hat ganz andere Erwartungen als ihre Eltern, das erfordert neue Strategien. Unternehmen müssen ihre Berater mit digitalen Fähigkeiten ausstatten, ergänzt durch Agentic AI (KI-Agenten) oder generative KI, sowohl um ihre Kunden zu halten- als auch wichtige Mitarbeiter an sich zu binden."
Beratung und Services an junge Generation anpassen
Vermögensverwaltungsunternehmen müssen daher "ihre Dienstleistungen und Angebote überarbeiten, um die neue Generation der HNWI-Kunden zu erreichen". Dazu gehöre der Ausbau digitaler Plattformen, die Integration von KI-gestützten Tools zur Verhaltensanalyse und die Bereitstellung von Mehrwertdiensten wie Luxusreisen und medizinische Versorgung. Zudem sollten sie die Beratung stärker personalisieren, um den individuellen Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden.
Wer auch künftig Hochvermögende zu seinen Kunden zählen will, sollte daher folgende Maßnahmen ergreifen:
- Die digitale Transformation vorantreiben: Entwicklung von Plattformen, die eine ganzheitliche Kundensicht bieten und KI-gestützte Analysen ermöglichen.
- Das Angebot alternativer Anlagen erweitern: Integration von Private Equity, Kryptowährungen und anderen innovativen Anlageklassen in das Portfolio.
- Personalisierte Dienstleistungen anbieten: Maßgeschneiderte Angebote wie Concierge-Services, Gesundheitsvorsorge und Cyber-Sicherheit entwickeln.
- Berater weiterbilden: Schulung in digitalen Kompetenzen und Verhaltensanalyse, um den Erwartungen der nächsten Generation gerecht zu werden.
- Die Kooperation mit Family Offices prüfen: Zusammenarbeit oder Integration von Family Offices, um umfassendere Dienstleistungen anzubieten.
- Die Nachfolgeplanung aktiv gestalten: Frühzeitige Einbindung der nächsten Generation in die Vermögensverwaltung und Entwicklung entsprechender Strategien.
- Eine kundenzentrierte Kommunikation etablieren: Aufbau von Omnichannel-Kommunikationswegen, die eine individuelle Ansprache ermöglichen.