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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Zusammenfassung
Die Konstituierung einer Weltordnung mit den USA als Weltführungsmacht ist spätestens seit Woodrow Wilson eine in der amerikanischen politischen Kultur tief verwurzelte Vorstellung. Doch erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnten die Vereinigten Staaten diesen Führungsanspruch in einer — wenn auch wegen des Konflikts mit der Sowjetunion nur begrenzten — „Teilwelt“ (Czempiel 1994a: 1) durchsetzen. Mit dem Zusammenbruch des ehemaligen Gegners war das Ziel der amerikanischen Containmentpolitik zwar erreicht, zugleich mußte aber der weltpolitische Kompaß Amerikas neu ausgerichtet werden. Diese Neudefinition der Ziele der nunmehr einzigen Supermacht versuchte Präsident George Bush mit der Losung einer „New World Order“, die langfristig in eine „Pax universalis“ münden sollte. Da diese Neue Weltordnung auf das Engste mit der Führung der USA verknüpft war, konnte nach dieser Auffassung auch nach dem Ost-West-Konflikt weiterhin gelten: „American leadership is indispensable“.
Sabine Feiner

Kapitel I. Grundzüge in Zbigniew Brzezinskis Denken

Zusammenfassung
Dieses einführende Kapitel befaßt sich mit Brzezinskis Ausführungen zu seinem Menschenbild, der historischen Entwicklung und seiner Perzeption des internationalen Systems, die den Ausgangspunkt seiner Forderung nach US-Leadership überhaupt erst bilden.
Sabine Feiner

II. Amerika als unentbehrliche Führungsmacht

Zusammenfassung
Die Vereinigten Staaten von Amerika übernehmen in Brzezinskis Weltordnungskonzeption die Rolle einer indispensable power 1. Im folgenden steht deshalb die Frage im Mittelpunkt: Welche Faktoren sprechen für eine höhere Chance auf Weltordnung durch das Vorhandensein einer Weltführungsmacht? Es wird geprüft, wie auf einer theoretischen Ebene die Hypothese „Weltordnung durch Leadership“ begründet werden kann. Dazu werden die jeweiligen Vorstellungen und deren grundlegenden Thesen analysiert. Darüber hinaus wird der Frage nachgegangen, welche Rolle die USA in diesen Konzepten einnehmen. Der zweite Teil dieses Kapitels befaßt sich speziell mit Brzezinskis Verständnis einer ordnunggenerierenden Weltmacht. Es wird untersucht, welche Charakterista die Weltfuhrungsmacht USA im Sinne Brzezinskis erfüllt und wie diese Machtkomponenten in tatsächliche Führung transformiert werden. Außerdem wird untersucht, inwieweit seine spezielle Fokussierung auf die USA den diskutierten theoretischen Konzepten entspricht. Denn obwohl Brzezinski in erster Linie als ein „weltpolitischer Strategieberater“2 gelten muß und nicht als Theoretiker, der einen Beitrag zu einer bestimmten Diskussion innerhalb der Schulen der Internationalen Beziehungen leistet, sind seine Arbeiten nicht losgelöst von theoretischen Grundlagen. Die Einbettung seiner Vorstellung in einen größeren wissenschaftstheoretischen Zusammenhang verfolgt das Ziel, die Verknüpfung von Theorieelementen mit praxisorientierten Strategieempfehlungen im Werk Brzezinskis aufzuzeigen.
Sabine Feiner

III. Die Zustimmung zur Führung der Vereinigten Staaten

Zusammenfassung
American global power is not the same thing as American global authority“ (Control 1993: 101; kursiv im Orig.). Brzezinski trifft damit eine wichtige Unterscheidung, denn durch die Kombination aus globaler militärischer, ökonomischer und technologischer Macht sowie kulturell-ideologischer Anziehungskraft ist Amerika zwar zur einzigen globalen Supermacht avanciert (Control 1993; Chessboard 1997: 24), aber damit ist noch wenig über die praktischen Konsequenzen für die Weltmacht USA im Hinblick auf die Gestaltung einer Weltordnung ausgesagt (Control 1993: 100)1. Um diese durch ein Übergewicht an Machtmitteln begründete Position in tatsächliche politische Führung umzusetzen, ist für Brzezinski die Zustimmung der internationalen Umwelt erforderlich. Seiner Ansicht nach wird Autorität daher zu einer zusätzlichen und besonders effektiven Ressource: „Authentic authority has the advantage over power in that a lesser level of energy is required in order to exercise it — because compliance tends to be almost automatic“ (Control 1993: 101). Die Zustimmung für die Führung innerhalb eines Systems formal gleichberechtigter Staaten basiert demnach nicht in erster Linie auf materieller Macht, sondern „is derived from the perception of legitimacy, based in turn on shared values“ (Control 1993: 101). Ein Staat muß folglich, um als Weltführungsmacht anerkannt zu werden, in der Lage sein, allgemein anerkannte Ordnungsprinzipien zu artikulieren sowie normative Ansprüche zu erfüllen. In dem Maße, wie andere Staaten die normativen Prinzipien der Weltführungsmacht teilen, kann Legitimation erreicht werden.
Sabine Feiner

IV. Geostrategie — die Operationalisierung der US-Leadership

Zusammenfassung
Mitte der achtziger Jahre macht sich Zbigniew Brzezinski mit Game Plan (1986) einen Namen als Geostratege. Darin entwirft er ein „geostrategie framework for the conduct of the historical American-Soviet contest“ (Game 1986: xiv). Doch bereits als Nationaler Sicherheitsberater war er für seine Vorliebe bekannt, Weltpolitik auf der Basis geopolitischer Betrachtungen zu analysieren — im Gegensatz zu Präsident Carter, der Geopolitik als Machtpolitik ablehnte (vgl. dazu Gaddis 1982: 349-50). So berichtete der damalige Amerika-Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von Weltkarten in Brzezinskis Büro im Weißen Haus, auf denen Pfeile die geopolitischen Stoßrichtungen darstellten, und mutmaßte am Ende dieser Beschreibung: „Der Geopolitiker Haushofer hätte seine Freude daran gehabt“ (Reifenberg 1978V)
Sabine Feiner

V. Resümee

Zusammenfassung
Eine Weltordnung, die auf Konsens, Recht und friedlicher Konfliktlösung beruht, mag zwar noch in weiter Ferne liegen (Selective 1991: 20), dennoch erwartet Brzezinski, daß sich auf längere Sicht eine kooperative und zunehmend supranationale Ordnung entwickeln wird, die zumindest annäherungsweise seinen Vorstellungen entspricht (Control 1993: 176; Chessboard 1997: 215). Allerdings sind die Gefahren, die dieser Entwicklung entgegenstehen, für Brzezinski ebenso offensichtlich wie vielfaltig. Vor allem droht die Ausbreitung anarchischer Tendenzen, die sich aus Armut und Nationalismus speisen. Verschärft wird diese Situation durch die Proliferation von modernen Waffen, wodurch nicht nur Staaten, sondern auch terroristische Organisationen Zugang zu Massenvernichtungswaffen erhalten. Um trotz dieser Bedrohung langfristig zu einer Weltordnung zu gelangen, fällt in Brzezinskis Konzeption den USA als der einzigen Weltmacht die entscheidende Rolle und größte Verantwortung zu: Die Vereinigten Staaten von Amerika müssen die Aufgabe übernehmen, die Weltgemeinschaft in eine sich vertiefende und fortschreitende Zusammenarbeit zu fuhren.
Sabine Feiner

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