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04.07.2018 | Werkstoffprüfung + Materialanalyse | Nachricht | Onlineartikel

Technologietag Hybrider Leichtbau

Autor:
Andreas Burkert

Die Herausforderungen an den Leichtbau der nächsten Generation sind nicht ausschließlich technischer Art. Es bedarf auch einer techno-kulturellen Geisteshaltung. So lautet eine Erkenntnis des 5. Technologietags Hybrider Leichtbau.

Der Leichtbau braucht eine "techno-kulturelle Geisteshaltung“. Das erwartet zumindest Professor Horst E. Friedrich vom DLR Institut für Fahrzeugkonzepte vom Leichtbau der Zukunft. Und so zog sich dieser Gedanke auch wie ein roter Faden durch das Programm des 5. Technologietags Hybrider Leichtbau. Die zweitägige Fachkonferenz, die von Dr. Wolfgang Seeliger, Geschäftsführer der Leichtbau BW eröffnet wurde, fand vor wenigen Wochen in der Stuttgarter Messe statt und widmete sich in zahlreichen Vorträgen dem "Leichtbau der nächsten Generation“. Wie im Vorjahr kamen über 300 Teilnehmer auf die Stuttgarter Messe – davon waren rund zehn Prozent internationale Besucher, die aus dem Ausland angereist waren – um sich über die neuesten Trends im Leichtbau zu informieren und um neue Geschäftskontakte zu knüpfen.

"Zu fragen, welche Funktionalität ein Produkt genau erfüllen muss und wie Design und Konstruktion dann aussehen müssen, um diese identifizierten Funktionen zu erfüllen – das verstehen wir unter dem Begriff Konzept-Leichtbau. Es geht darum ein Produkt wirklich von Grund auf als Ganzes komplett neu zu denken“, erklärte Dr. Wolfgang Seeliger. "Der Konzept-Leichtbau ist der Leichtbau der nächsten Generation, mit dem in den kommenden Jahren eine Massenersparnis von nicht nur zehn Prozent möglich ist, sondern zum Beispiel von 50 Prozent oder mehr“, meint Seeliger.

Modulares Leichtbau-Driveboard

Um diese Potentiale zu identifizieren, wurden auf der Tagung erstmals Ergebnisse einer neuen Studie vorgestellt. In diesem Zusammenhang präsentiert Friedrich auch das Konzept eines modularen Fahrzeugs, ein sogenanntes Driveboard, welches sozusagen die fahrende Basis des Fahrzeugs bildet, wird mit Kapseln als Aufbau für verschiedene Einsatzzwecke bestückt. "Durch die Wechselaufbauten kann das Driveboard verschiedene Fahrzeuge ersetzen, die sonst nicht optimal genutzt wären. So kann das Driveboard etwa im Wechsel mit verschiedenen Kapseln den Transport von Personen oder Waren übernehmen“, erklärte Professor Friedrich.

Um eine möglichst hohe verfügbare Nutzlast bei den modularen Fahrzeugen zu erreichen und auch die maximalen Achslasten einzuhalten, sind "clevere Beiträge auch vom systemischen Leichtbau nötig“, so Friedrich. "Denn wenn man das Gewicht des Fahrzeugs verringern kann, kann man es im gleichen Zug mit einer größeren Ladung bestücken und so ‚das Fahrzeug‘ im Gesamtverkehrssystem besser ausnutzen“, ergänzt Dr. Gerhard Kopp vom DLR-Institut für Fahrzeugkonzepte. Daher appellierte Friedrich am Ende seiner Keynote: "Ich bin der Meinung, dass Leichtbau eine techno-kulturelle Geisteshaltung ist beziehungsweise sein sollte.“

Abstimmungsprozess muss intensiver geführt werden

Welche neuen Perspektiven sich dadurch für den Leichtbau ergeben, wurde am ersten Veranstaltungstag im Rahmen eines Expertengesprächs diskutiert. Dabei ging es vor allem um Fragen der Mobilität und Architektur der Zukunft. "Die Fahrzeugkonzepte folgen dem Antriebskonzept“, war sich Martin Zeilinger (Leiter der Vorentwicklung bei Daimler Trucks) sicher. Eine zentrale Herausforderung ist dabei die sich innerhalb eines kurzen Zeitabschnitts entwickelte Vielzahl von Antriebskonzepten. Die ziehen laut Zeilinger einen entsprechenden Anstieg an komplexen, leichtbauorientierten Fahrzeugaufbaukonzepten nach sich. Der sich daraus abgeleitete Bedarf einer intensiveren Form der Zusammenarbeit zwischen OEM und Lieferant sei dabei wesentlich für den Erfolg.

Vor diesem Hintergrund fordert Dr. Bernhard Wiedemann von TMG Consultants, dass "insbesondere die KMU-Zulieferer künftig einen noch engeren Abstimmungsprozess mit den Tier 1 und den OEM benötigen, um sich für die eigene Planung besser orientieren zu können, welche Fahrzeug- beziehungsweise Leichtbaukonzepte verfolgt werden, und um die Umsetzungschance für eigene Ideenansätze im Leichtbauumfeld erhöhen zu können.“. Eine wichtige Erkenntnis. Denn laut Professor Johann Tomforde (Teamobility GmbH) beginnt „die automobile Zukunft nicht mehr mit einer neuen Technologie oder einer Konstruktionszeichnung“.

Konzepte einer urbanen Mobilität

Für die Erhaltung und Versorgung der Menschen mit Mobilität brauche man ein emissionsarmes und ressourcenschonendes Gesamtsystem. "Das setzt zum einen eine enge Verquickung von Politik sowie kommunaler Stadt- und Quartiersentwicklung mit neuartigen Produktentstehungsprozessen voraus – und auf der anderen Seite brauchen wir die konsequente Umsetzung von ressourcenschonendem Leichtbau“, appellierte Tomforde.  Auf dem Podium ging es dabei auch um das Thema, wie sich das Bild der Stadt verändern könnte. "Die Städte werden zukünftig stärker definieren, welche nachhaltigen und smarten Lösungen sie wollen“, meinte dazu Steffen Braun (Fraunhofer IAO).

Die Rolle des Leichtbaus für die Stadt der Zukunft ist im Übrigen auch das zentrale Thema der Fachkonferenz "Leichtbau im urbanen System“ am 18. Juli in Stuttgart. Mehr unter: http://bit.ly/lus2018

Mehr als 300 internationale Besucher reisten zum 5. Technologietag an, der neben einem B2B-Match auch eine Fachausstellung bot. Organisiert wurde der 5. Technologietag Hybrider Leichtbau im ICS International Congress Center Stuttgart von der Landesagentur für Leichtbau Baden-Württemberg. Partner der Veranstaltung waren in diesem Jahr die Allianz Faserbasierte Werkstoffe Baden-Württemberg (AFBW), Carbon Composites Baden-Württemberg (CCBW), das Leichtbauzentrum Baden-Württemberg (LBZ), der Landesverband der Baden-Württembergischen Industrie (LVI), der VDMA Baden-Württemberg, automotive-bw und Bayern Innovativ.

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Quelle:
Fahrwerkhandbuch

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