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12.12.2018 | Wertpapiergeschäft | Interview | Onlineartikel

"Jetzt beginnt die Zeit für ein aktives Management"

Autor:
Angelika Breinich-Schilly

Die Situation auf den Aktienmärkten bietet optimale Bedingungen für einen Crash, sagt Martin Stürner, Vorstandsvorsitzender der PEH Wertpapier AG und Fondsmanager. Im Interview mit Springer Professional verteidigt er Aktien als Anlageform dennoch.


Springer Professional: Die Deutsche Börse hat zuletzt sehr positive Zahlen verkündet. Ein Grund für diese Entwicklung sind die aufgrund der Unsicherheit volatilen Märkte sowie der Absicherungsbedarf der Akteure mit Finanzderivaten. Erwarten Sie auch 2019 ein ähnliches Szenario, wie wir es in den vergangenen Monaten gesehen haben?

Martin Stürner: Die vergangenen Monate haben uns einen Vorgeschmack darauf gegeben, was an den heimischen und auch den internationalen Märkten auf uns zukommen kann. Die aktuelle Marktsituation bietet optimale Bedingungen für einen Crash, in einzelnen Branchen ist dieser aber auch schon längst da. Damit will ich sagen: wir erwarten auch für 2019 eine anhaltend hohe Volatilität. Unsere Systeme zeigen an, dass Markt- und Sentiment-Indikatoren aktuell deutlich mehr Gewicht haben als Fundamentaldaten. Auch dies ist ein Grund für die volatilen Märkte. Die Amplitude der Marktbewegungen ist nach unten deutlich größer als nach oben. Die Aktienmärkte werden von kurzfristigen Impulsen geprägt sein und auch die Rotation wird zunehmen. Das Szenario der vergangenen Jahre, dass einfach jede Branche gut läuft, wird es erst einmal nicht mehr geben. Egal ob es Nachrichten aus Italien, zum Brexit, zur Autoindustrie oder zum China-Wachstum sein werden: die kurzfristigen Charakteristika der Bewegungen werden uns erhalten bleiben. Damit es zu einer Aufhellung an den Märkten kommt, sind vor allem die Zahlen zum vierten Quartal entscheidend. Diese müssen aber sehr, sehr positiv sein und die Erwartungen der Analysten deutlich übertreffen, damit sich der Markt aus seiner jetzigen Verfassung befreien kann. Werden zum Beispiel die erwähnten Unternehmenszahlen besser als erwartet ausfallen, so gibt es bei Qualitätstiteln ein positives Korrekturpotenzial. 

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Viele Experten sehen trotz der herrschenden Warnsignale die Aktie noch immer als eine der wichtigsten Anlageformen. Ist das aus Ihrer Sicht stimmig?

Im derzeitigen Zinsumfeld sind Aktien die einzige liquide Anlageform, die in Teilbereichen ein positives Chancen-/Risikoverhältnis aufweist. Meine Devise lautet im aktuellen Marktumfeld ganz klar: Finger weg von Renten. Wir sehen in Deutschland und Europa immer noch negative Zinsen. Die Zinsdifferenz zu den USA ist so hoch wie selten zuvor. Und bei der EZB gibt es meiner Ansicht nach noch keine Anzeichen für ein abruptes Ende der Niedrigzinspolitik. Bei Renten in Europa haben wir also ein deutlich negatives Chancen-/Risikoverhältnis. Wenn man den Blick aber nach Übersee wirft, ist es anders. Dort normalisiert die amerikanische Notenbank bereits ihren Kurs der Geldpolitik und es gibt eine positive Zinsdynamik. Dennoch würde ich auch dort ganz klar Aktien favorisieren. 

Welche Vor- und Nachteile sehen Sie mittelfristig im deutschen Aktienmarkt gegenüber den Werten im europäischen Ausland oder dem US-Markt?

Strukturelle Vor- oder Nachteile des deutschen Aktienmarkts gegenüber dem europäischen Ausland sehen wir nicht. Man sollte hier aber die Entwicklung der verschiedenen Branchen und Einzelunternehmen betrachten, die höchst unterschiedlich verlaufen. Allgemein sehen wir deutliche Probleme bei der Banken- und Autoindustrie. Daher spielen deutsche und europäische Werte aus diesen Branchen aktuell keine Rolle in unserer Anlagestrategie. Gegenüber dem US-amerikanischen Markt sehen wir für den heimischen Markt aktuell folgende Herausforderungen: Europa wird von politischen Entwicklungen insgesamt nachhaltig beeinflusst. Nicht nur die Brexit-Thematik, sondern auch die Unsicherheit in Bezug auf Italien, lassen die Nervosität der Anleger an den europäischen Märkten weiter steigen. Der US-amerikanische Wirtschaftsraum ist, verglichen mit Deutschland und Europa, aktuell deutlich dynamischer. Auch die US-amerikanischen Regularien im Bereich Pharma/Forschung sind um einiges liberaler und unterstützen Weiter- und Neuentwicklungen dynamischer als es beispielsweise in Europa der Fall ist. Nicht zuletzt zeigt sich ein weiterer Sektor in den USA als unverändert aussichtsreich und damit im Vorteil gegenüber Deutschland und Europa: die Tech-Branche. Neue Technologien sind mit einem langfristigen, hohen Wachstumspotenzial verbunden. Generell sehe ich eine verstärkte Rotation an den weltweiten Aktienmärkten. Das ist aber ein gutes Zeichen. Nicht jede Branche wird im kommenden Jahr gut performen, jetzt beginnt wieder die Zeit für ein aktives Management.

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