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13.03.2013 | Wertpapiergeschäft | Im Fokus | Onlineartikel

Das EU-Sparbuch: Neue Optionen für Sparer?

3 Min. Lesedauer

Geht es nach den Plänen der Europäischen Kommission, wird es bald ein EU-Sparbuch geben, mit dem die Finanzierung der europäischen Wirtschaft dauerhaft gewährleistet werden soll. Was das neue Sparbuch leisten soll.

Die Brüsseler Behörde betont, dass die Finanzierung von Investitionen zu stark von Bankkrediten abhängt und sie mit dem steuerlich begünstigten Konto mit staatlich garantierter Rendite deshalb die Finanzierung langfristiger Investitionen erleichtern und vorantreiben will. Insofern spricht sie sich auch für den Ausbau der Märkte für Unternehmensanleihen aus.

Frankreich-Modell als Vorbild

Als Vorbild für ein solches EU-Sparbuch könnte das französische Livret A dienen, das bereits vor rund 200 Jahren von König Ludwig XVIII ins Leben gerufen wurde, um die finanziellen Folgen der napoleonischen Kriege zu schultern. Knapp 40 Millionen Franzosen besitzen derzeit ein Livret A, das momentan Zinsen von 1,75% garantiert und für den sozialen Wohnungsbau eingesetzt wird. Der Anlagebetrag für Privatpersonen ist allerdings gedeckelt und liegt zurzeit bei maximal 22.950 Euro. Das Kontoist auch für Kinder offen, sodass eine vierköpfige Familie insgesamt vier solcher steuerbefreiter Sparbücher halten kann. Weiterhin wird Italien als Vorbild genannt. Erst kürzlich titelte „Die Welt“, dass mehr als 24 Mio. Bürger ein „Libretto postale“ oder ein „Buono fruttifero“ besitzen und sich die Ersparnisse Ende 2012 bereits auf mehr als 230 Mrd. Euro beliefen. Das Sparguthaben wird ebenfalls gut verzinst und ist sicher, weil es staatlich garantiert wird.

Sparkassen sind kritisch gestimmt

Bei den Sparkassen stoßen die EU-Pläne allerdings auf Ablehnung. Dies ist auf den ersten Blick auch leicht nachzuvollziehen, da das EU-Sparbuch mit dem klassischen Einlagengeschäft der Banken konkurriert. Werden nämlich die 1,75 % des Livret A zugrunde gelegt, wird schnell deutlich, dass dieser staatlich garantierte Habenzinssatz weit über den Tages- und Festgeldkonditionen vieler Banken liegt. Zudem wären die Zinserträge steuerfrei, was dem EU-Sparbuch zusätzliche Attraktivität verleihen dürfte. Für die Einführung eines EU-Sparbuchs aus Bankensicht spricht allerdings, dass Banken für den Vertrieb dieser Anlageform eine Kommission erhalten. Viel wichtiger dürfte die Tatsache sein, dass das EU-Sparbuch als Lockmittel dienen könnte − einerseits, um vorhandene Bestandskunden weitere Produkte verkaufen zu können, andererseits aber auch, um Neukunden zu akquirieren. In Deutschland dürfte das EU-Sparbuch auf großen Zuspruch stoßen. Schließlich gehören die Deutschen zu den sparsamsten Menschen europaweit. Ihre Sparquote lag laut einer Untersuchung des DSGV im vergangenen Jahr bei 10,9% − gleich hinter Frankreich mit 12,1%.

Wenn Anleger nicht nur auf Sparbücher setzen wollen, sondern sich auch mit anderen Anlageklassen auskennen möchten, sollte sie einen Blick in das Buch "Grundsätze soliden Investierens" von Hannes Peterreins werfen. Er erklärt darin nicht nur die Vor- und Nachteile verschiedener Anlageklassen, sondern gibt auch klare Hinweise darauf, wie Sparer und Anleger "ticken", wenn es um Geldanlagen und Sparformen mit unterschiedlicher Zielsetzung geht. Ob der vielzituerte Anlagehorizont basierend auf der Risikoneigung des Anlegers, Wertpapiere und andere liquide Finanzinstrumente zur Risikogestaltung bei Geldanlagen oder das Thema Sparen für die Altersvorsorge. Peterreins öffnet sowohl für Kundenberater der Banken als auch für die Sparer selbst den Vorhang und gibt den Blick frei auf das, was für beide Seiten wirklich wichtig ist beim Thema Geld und Sparen. Das neue EU-Sparbuch könnte dafür neue Optionen eröffnen.

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Quelle:
Grundsätze soliden Investierens

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