Skip to main content
main-content

25.02.2015 | Wertpapiergeschäft | Interview | Onlineartikel

"Ein schlechtes Rating ist nicht negativ"

Autor:
Bianca Baulig

Beim Investment in Unternehmensanleihen sind verschiedene Risiken zu bedenken. Autor Markus Ramming erklärt im Interview mit Springer für Professionals, wie sie sich quantifizieren lassen.

Springer für Professionals: Sie stellen die Frage selbst in Ihrem Buch "Risiken von Unternehmensanleihen und ihre Quantifizierung": Was kann bei einem Investment in Unternehmensanleihen alles schiefgehen?

Markus Ramming: Zunächst einmal besteht ein Marktpreisrisiko, wobei hier insbesondere das Spreadrisiko im Fokus steht. Der Spread, also die Mehrrendite über einer Benchmarkrendite, kann ansteigen. Der Markt bewertet in diesem Fall ein eigentlich identisches Risiko anders. Dazu kommt das Migrationsrisiko: Die Bonität des Schuldners kann sich verschlechtern, das dann höhere Risiko drückt auf die Bewertung. Im Extremfall kann eine solche Bonitätsverschlechterung so weit gehen, dass der Schuldner nicht zahlen kann. In diesem Fall würde das Adressenausfallrisiko schlagend werden.

Welche Risiken schätzen Sie derzeit als die wichtigsten ein, die beim Investment in Unternehmensanleihen zu berücksichtigen sind?

Weitere Artikel zum Thema

Aufgrund beispielsweise in Deutschland zwischenzeitlich mehrheitlich negativ rentierender Staatsanleihen hat ein Run auf alles eingesetzt, was einen Aufschlag bietet. Das wiederum drückt auf diese Mehrrenditen. Europäische High-Yield Rentenfonds beispielsweise hatten zuletzt Rekordmittelzuflüsse. Gegen solche Investments ist erst einmal nichts einzuwenden. Voraussetzung ist aber, dass man sich nicht von Panik leiten lässt, sondern von einer sorgfältigen Analyse des Investments und einer Überprüfung, ob das Investment wirklich für das betreffende Portfolio geeignet ist. Das größte Risiko aktuell ist also aus meiner Sicht zu verdrängen, nämlich dass oben beschriebene Risiken existieren und diese durch angemessene Mehrrenditen entschädigt werden müssen.

Bei Ihrer Frage, die sich auf die oben aufgelisteten Risikoarten bezieht, liegt für mich der Fokus in der Regel auf dem Spreadrisiko. Als Anleger muss ich akzeptieren, dass die Märkte atmen und muss wissen, dass diese Schwankungen der Preis für eine Mehrrendite sind. Zudem muss ich sicherstellen, dass alle Beteiligten diese tragen können.

Sie sprechen in Ihrem Buch verschiedene Modelle an, um das Kreditrisiko zu quantifizieren. Welches Modell favorisieren Sie und warum?

Das hängt sicher vom Umfang der diesbezüglichen Aktivitäten und der Frage ab, ob Investments nach dem strengen Niederstwertprinzip bewertet werden oder nicht. Grundsätzlich bin ich aber davon überzeugt, dass es weniger auf das Modell selber ankommt, sondern darauf, dass ich das Modell, das ich nutze, allumfänglich verstehe und mir ebenfalls Gedanken hinsichtlich des Inputs mache.

Welchen Stellenwert sollte das Rating beim Erwerb von Unternehmensanleihen haben?

Wichtig ist aus meiner Sicht zunächst, dass ein schlechtes Rating nicht negativ ist – es sagt lediglich, dass das Risiko eines Schuldners oder einer Emission höher ist. Wenn ich für dieses höhere Risiko aber ausreichend entschädigt werde, es diversifizieren kann und einen ausreichenden Zeithorizont habe, werde ich im Zweifelsfall im Zeitverlauf mit schlecht gerateten Papieren sogar besser bedient sein, als mit risikoarmen Titeln. Dass dies so ist, gilt es aber vor einem Investment zu prüfen – beispielsweise anhand der Methoden, wie ich sie in meinem Buch beschrieben habe.

Dabei, um auf den Stellenwert von Ratings zu kommen, sind diese gerade im institutionellen Geschäft natürlich allgegenwärtig: Sie bestimmen beispielsweise über den Umfang der Eigenkapitalunterlegung, definieren beispielsweise Anlageuniversa.

Die Liquidität am europäischen Markt für Unternehmensanleihen ist seit dem Ausbruch der Finanzkrise stark zurückgegangen – laut dem „Handelsblatt“ um 70 Prozent. Wie schätzen Sie die Zukunft dieses Marktes ein?

Die Entwicklungen sind in der Tat besorgniserregend – und zwar nicht nur bei Unternehmensanleihen: Akteure, die den Märkten typischerweise Liquidität zugeführt haben, kämpfen mit regulatorischen Vorgaben. Quantitive-Easing-Programme der Notenbanken nehmen Anlagevehikel vom Markt und negative Geldmarktsätze schaffen Unsicherheit bei Absicherungstransaktionen. Ich wüsste nicht, warum sich hier auf absehbare Zeit etwas ändern sollte. Es hilft also nur, eine Anlagestrategie entsprechend anzupassen.

Zur Person
Markus Ramming berät seit 1999 Kreditinstitute. Seit 2012 ist er als Seniorberater bei Roland Eller Consulting GmbH tätig. Nebenberuflich ist Ramming Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Premium Partner

BranchenIndex Online

Die B2B-Firmensuche für Industrie und Wirtschaft: Kostenfrei in Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren.

Whitepaper

- ANZEIGE -

Blockchain-Effekte im Banking und im Wealth Management

Es steht fest, dass Blockchain-Technologie die Welt verändern wird. Weit weniger klar ist, wie genau dies passiert. Ein englischsprachiges Whitepaper des Fintech-Unternehmens Avaloq untersucht, welche Einsatzszenarien es im Banking und in der Vermögensverwaltung geben könnte – „Blockchain: Plausibility within Banking and Wealth Management“. Einige dieser plausiblen Einsatzszenarien haben sogar das Potenzial für eine massive Disruption. Ein bereits existierendes Beispiel liefert der Initial Coin Offering-Markt: ICO statt IPO.
Jetzt gratis downloaden!

Bildnachweise